Die neue Harmonie zwischen Borussia Dortmund und dem FC Bayern München

Gift und Galle waren gestern: Vor dem Bundesliga-Gipfel pflegen Borussia Dortmund und der FC Bayern eine neue Harmonie.
| SID
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Man ist sich nähergekommen: Watzke gratuliert Rummenigge nach dem Bayern-Sieg im Supercup im August.
imago Man ist sich nähergekommen: Watzke gratuliert Rummenigge nach dem Bayern-Sieg im Supercup im August.

München - Beim jüngsten Treffen am Münchner Flughafen blickten sich Hans-Joachim Watzke und Karl-Heinz Rummenigge fast wie zwei verliebte Teenager in die Augen. Wo Giftpfeile noch vor Kurzem das Klima vergifteten, flögen nun "Amorpfeile" durch die Luft, witzelte Bayern-Boss Rummenigge vor dem Bundesliga-Spitzenspiel zwischen Borussia Dortmund und Bayern München am Samstag (18.30 Uhr/Sky). Watzke meinte, der eigene Anhang halte ihm sogar vor, "mit Wattebällchen" zu werfen.

Tatsächlich sind die Tage gezählt, an denen sich die Klubchefs in "tiefgründiger Disharmonie" gegenüberstanden, wie Watzke die zerrüttete Beziehung noch im August 2014 beschrieb. Damals sagte der BVB das gemeinsame Essen vor dem Supercup ab. Am Samstag werden die Rivalen wieder an einem Tisch sitzen, auch wenn der designierte Bayern-Präsident Uli Hoeneß wegen seiner anstehenden Wahl am 25. November fehlen wird. "Wenn man kommuniziert, und das auch noch beim Essen, ist das immer hilfreich", sagte Rummenigge bei Sky Sport News HD.

Allzu kontrovers dürften die Gespräche ohnehin nicht ausfallen. Watzke und Rummenigge waren zuletzt bei öffentlichen Diskussionen auffallend oft einer Meinung. Beim jüngsten Sponsoren-Streit mit dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) sprang Watzke dem Münchner ebenso zur Seite wie bei der aktuellen Kontroverse über den Spielkalender. "Gleichgerichtete Interessen" nannte er als Grund. Überhaupt hätten beide Vereine "eine zu große Verantwortung für den deutschen Fußball, als dass wir uns permanent auch außerhalb des Rasens bekämpfen sollten", betonte er in der Sport Bild.

Das ist die Statistik zu Dortmund gegen Bayern

Wohl gemerkt: Auf dem Platz ist am Samstag ein umkämpftes Duell durchaus erwünscht. Rummenigge freut sich auf einen "sportlich wie atmosphärisch tollen deutschen Clasico". Die Anleihe beim Duell Real Madrid gegen FC Barcelona kommt dabei nicht von Ungefähr: Rummenigge und Watzke sahen es mit Schrecken, dass ihr Verhältnis im Zuge des Transfers von Mario Götze an die Isar 2013 immer mehr an das der spanischen Erzrivalen erinnerte. Im folgenden Gerangel um Marco Reus empfahl Dortmunds Sportdirektor Michael Zorc Herrn Rummenigge, "einfach mal den Mund zu halten". Watzke giftete, der FC Bayern wolle Dortmund "zerstören", Rummenigge erziele "auf der nach oben offenen Heuchel-Skala einen ziemlich hohen Wert". Vergessen.

Vor dem Halbfinale im DFB-Pokal Ende April 2015 sprachen sich die Duellanten aus; später bot Rummenigge (61) dem vier Jahre jüngeren Watzke bei Kaffee und Kuchen auf Sylt sogar das Du an. "Ich bin der Kalle." - "Aki, freut mich!" In diesem Geiste wurden auch die Transfers von Mats Hummels nach München sowie von Götze und Sebastian Rode nach Dortmund im vergangenen Sommer geräuschlos abgewickelt.

Neben gemeinsamen (sportpolitischen) Interessen seien "lehrreiche Erkenntnisse gerade im persönlichen und zwischenmenschlichen Bereich" für den Klimawandel verantwortlich, erklärte BVB-Präsident Reinhard Rauball im kicker. Das ging so weit, dass Watzke Rummenigge öffentlich für dessen Verdienste um den FC Bayern lobte und Hoeneß als "Legende" bezeichnete.

Von einer "Freundschaft" will der BVB-Boss aber nicht sprechen, "und das wird es auch nie sein". Dazu ist die sportliche Rivalität zu groß. Er schließt nicht aus, dass es auch mal wieder "knallen" werde. Gerne schon am Samstag - am liebsten aber (nur) auf dem Platz.

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