Die Meisterparty der Bayern: Wer duscht Gott?

Am Samstag werden die Bayern, die Erfinder der Weißbierdusche, in Berlin wieder Jagd auf ihre Chefs machen. Erstmals kommt dann auch Louis van Gaal dran.Wer traut sich das? Die AZ gibt Hinweise
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Am Samstag werden die Bayern, die Erfinder der Weißbierdusche, in Berlin wieder Jagd auf ihre Chefs machen. Erstmals kommt dann auch Louis van Gaal dran.Wer traut sich das? Die AZ gibt Hinweise

MÜNCHEN Es ist ein bayerisches Brauchtum. Doch mittlerweile meint ja jeder, sich duschen zu müssen. Mit Bier. Sie übertreiben es. Gerade die Mannschaften, die keinen Titel, sondern lediglich eine Erleichterung feiern, überschütten sich maßlos. Etwa Aufsteiger oder Nicht-Absteiger. Manche gar aus Kölschglaserln.

Wie lächerlich.

Es gibt nur einen wahren Bierduschmeister: die Bayern. Sie sind die Erfinder.

Rechtzeitig zum 22. Meistertitel feiert die Rasensause mit Nassmachen ihr Zehnjähriges. Es war am 22. Mai 2000 im Münchner Olympiastadion nach dem 3:1 gegen Bremen, als ein nicht mehr namentlich zu ermittelnder Bayern-Profi im Glücksrausch des unverhofften Titels (Leverkusen hatte ein paar Kilometer entfernt in Unterhaching verballackt) die eigene Kehle mit dem Trenchcoat des Trainer verwechselte. Ottmar Hitzfeld war das erste Opfer.

Seither wird geschüttet. Übrigens: Die Meisterschale, jenes Relikt als Insignum des Bundesliga-Ersten, wird den Profis am Samstag im Anschluss an die Partie bei Absteiger Hertha BSC (15.30 Uhr, Liveticker bei abendzeitung.de) natürlich auch überreicht. Mehr Spaß aber macht die gegenseitige Jagd über das Spielfeld wie Pubertierende im Freibad mit den Drei-Liter-Humpen, gereicht von den feschen „Paulas“, den Madln im Dirndl. Niemand wird verschont. Manch einer, wie einst Uli Hoeneß 2006 in Kaiserslautern, winselt öffentlich um Gnade: „Bitte nicht! Bleibt vernünftig! Ich muss ins Sportstudio und habe keine zweite Hose dabei.“ Die Bosse zu erwischen, das ist die Königsdusche – siehe Bastian Schweinsteigers Coup 2008 in Wolfsburg mit Karl-Heinz Rummenigge, der vorher locker meinte: „Ich habe keinen zweiten Anzug dabei, deshalb schau ich mich ein bisschen um.“ Weißbierparfümiert und gerstennass bis in die Schuhe rief er ins Mikrofon: „Der Schweini wird verkauft“.

Volle Hose, leere Drohung.

Weintrinker Ottmar Hitzfeld, Teekenner Felix Magath – alle waren fällig. Am Samstag Louis van Gaal, das „Feierbiest“. Der Holländer hat mal im Spaß über sich gesagt, er sei wie Gott. Er ist Rioja-Liebhaber. Beides hilft ihm nichts. „Wie viel Bier er abbekommt, weiß ich noch nicht, das machen wir spontan“, sagte Kapitän Mark van Bommel, „ich verrate nichts, sonst kann er sich ja schützen.“ Mit einem warmen Mantel?

Ein zweiter Anzug, ein paar Schuhe zum Wechseln und eine Menge Kulanz sind ratsam. Und Augen hinten – vor allem vor den absoluten Weißbierduschspezialisten Demichelis und Schweinsteiger. Die Gottväter der Trainertaufe, Scholl, Salihamidzic und Ballack, sind ja nicht mehr da.

Wer macht’s? Wer duscht Gott? Ein Stammspieler hat’s sicher leichter bei van Gaal, der Kapitän van Bommel darf, Robben sicher auch. Sogar der introvertierte Oldenburger Butt meinte: „Darauf freue ich mich, man hat das ja oft genug im Fernsehen gesehen.“

Bei der offiziellen Meisterfeier am Sonntag wird Paulaner für die Fans wieder 10000 Liter Freibier am Viktualienmarkt ausschenken. Dann findet auch Franz Beckenbauer wieder seinen Frieden. Jedes Jahr schimpft er: „Die sollten das Weißbier lieber trinken statt es wegzuschütten.“ Auch ’ne Idee.

Patrick Strasser

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