Der Wandel des Max Eberl: Wie der Bayern-Boss Kritiker Hoeneß von sich überzeugte

Es ist ein durchaus bemerkenswerter Wandel, den Max Eberl in den vergangenen Monaten gemacht hat und geht es nach Bayerns Ehrenpräsident Uli Hoeneß, war der auch nötig. Noch bis vor wenigen Wochen war die Meinung über den Sportvorstand des Rekordmeisters im mächtigen Aufsichtsrat äußerst gespalten und ausgerechnet Hoeneß, der sich einst für seine Verpflichtung starkgemacht hatte, einer der größten Kritiker des 52-Jährigen.
Er sei zu dünnhäutig, meinte der Patron vom Tegernsee vor gut einem Jahr bei einem denkwürdigen Auftritt im "Doppelpass" bei Sport1. Er selbst und sein langjähriger Kompagnon Karl-Heinz Rummenigge hätten sich regelmäßig "gestritten wie die Besenbinder", derlei Konflikte aber nie persönlich genommen. "Max ist da ziemlich empfindlich", lautete Hoeneß' Urteil.
Hoeneß übte deutliche Kritik an Eberls Arbeit
Doch damit nicht genug: Einmal in Fahrt gekommen, setzte der 74-Jährige auch noch zu einer öffentlichen Grundsatz-Kritik an Eberls Arbeit an. "Ich habe ihm das auch schon persönlich gesagt: Er muss schauen, dass er im Juni, Juli die Transfers für die kommende Saison macht, wenn die großen Vereine noch nicht aktiv sind", so Hoeneß, über Eberl, der kurz zuvor gemeinsam mit Sportdirektor Christoph Freund am Deadline Day Chelsea-Stürmer Nicolas Jackson für eine Rekord-Gebühr von 16 Millionen Euro ausgeliehen hatte.
Eberl scheint sich die Worte von Hoeneß zu Herzen genommen zu haben. Als Hoeneß die Chancen auf seine Vertragsverlängerung unmittelbar vor dem DFB-Pokalfinale gegen den VfB Stuttgart auf gerade einmal "60:40" bezifferte, reagierte der 52-Jährige bemerkenswert souverän und gelassen. Stattdessen fokussierte er sich auf seine Kernaufgabe: die Kaderplanung.
Eberl setzte die Hoeneß-Forderung bei Saibari und Brown um
Und die lief zu diesem Zeitpunkt bereits auf Hochtouren. Wie von Hoeneß gefordert, bemühte sich Eberl schon frühzeitig um Neuverpflichtungen und machte diese praktisch fix, bevor andere Top-Klubs tätig werden konnten. So war der Transfer von Ismael Saibari etwa schon so gut wie durch, bevor der Angreifer bei der WM auf der größten Bühne des Weltfußballs auf sich aufmerksam machte. Auch die Verpflichtung von Nathaniel Brown war zu diesem Zeitpunkt schon eingetütet, wenn auch noch nicht offiziell.

"Solche Transfers entstehen nicht aus dem Moment heraus, sondern aus vorausschauender Arbeit", sagte Eberl bei der Verpflichtung von Saibari – und hatte dabei womöglich auch Hoeneß' Worte im Hinterkopf: "Entscheidend war, dass wir uns früh bei ihm positioniert haben, weil wir von Ismaels Fähigkeiten wussten und ihm von Beginn an eine konkrete Perspektive bei uns aufzeigen konnten."
Hoeneß attestiert dem FC Bayern eine "perfekte Transferperiode"
Auch in Sachen Abgänge hat der 52-Jährige im abgelaufenen Transferfenster ganze Arbeit geleistet. Mit João Palhinha und Alexander Nübel wurden zwei Missverständnisse vergangener Jahre endgültig beendet, auch Spieler wie Noel Aséko oder Daniel Peretz spülten Millionen in die Kassen. Sacha Boey ist der einzige Abgangskandidat, für den sich kein Abnehmer finden ließ. Unter dem Strich gelang es Eberl und Sportdirektor Freund aber deutlich besser als noch in den Vorjahren, Einnahmen zu erzielen und Gehaltskosten zu senken.
Die Belohnung für seine gute Arbeit hat Bayerns Sportchef schon vor Ende des Transferfensters erhalten. Am 25. August wurde bei einer Aufsichtsratssitzung seine Vertragsverlängerung bis 2029 beschlossen. Mehr noch: Am Rande des Trainingslagers in Rottach-Egern attestierte ihm Hoeneß gar eine "perfekte Transferperiode". Wer hätte damit schon gerechnet bis vor ein paar Monaten?