Der Schul-Plan des FC Bayern: Jochen Sauer kritisiert bayerische Lehrer

Die Münchner haben in den vergangenen Monaten Möglichkeiten geprüft, eine eigene Lehranstalt zu eröffnen. Nachwuchschef Jochen Sauer kritisiert bayerische Schulen: "Desinteresse am Fußball."
| Maximilian Koch
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Er blickt auf drei erfolgreiche Jahre im Nachwuchsbereich zurück: Jochen Sauer, Leiter des FC Bayern Campus.
Er blickt auf drei erfolgreiche Jahre im Nachwuchsbereich zurück: Jochen Sauer, Leiter des FC Bayern Campus. © Daniel von Loeper

München - In den vergangenen Monaten war Jochen Sauer (49) nicht nur als Leiter des Bayern-Campus gefragt, sondern auch als Schul-Planer. Die Münchner prüften intensiv Möglichkeiten, eine eigene Lehranstalt zu eröffnen, um ihren Nachwuchsspielern den Alltag zu erleichtern. Viele der jungen Bayern-Talente machen nebenbei an staatlichen Schulen Abitur oder erwerben einen anderen Abschluss.

"Ich habe mich vier Monate um das Thema gekümmert und dann entnervt aufgegeben", sagt Sauer. Und so geht er weiter, der "tägliche Kampf mit den Schulen", wie es der Campus-Chef formuliert.

Sie sehen Reformbedarf im Schulsystem: Campus-Chef Jochen Sauer und Nachwuchsleiter Holger Seitz (l.)
Sie sehen Reformbedarf im Schulsystem: Campus-Chef Jochen Sauer und Nachwuchsleiter Holger Seitz (l.) © M. Koch

Sauer: "Da findest du hier niemanden"

In seiner Zeit als Geschäftsführer von RB Salzburg (2012 bis 2017) hat Sauer erfahren, wie das Zusammenspiel zwischen Schule und angehendem Leistungssport besser funktionieren kann. "Fast bei jeder zweiten Youth-League-Reise mit Salzburg saßen zwei Klassenlehrer im Flugzeug. Sie haben die Zeit genutzt, um den Jungs etwas beizubringen. Da findest du hier niemanden", kritisiert Sauer. In Bayern vermisst er dieses Verständnis für die jungen Sportler, die jeden Tag mit Unterricht, Training und teilweise weiten Anreisen einer extrem hohen Belastung ausgesetzt sind.

"Desinteresse von Lehrern am Fußball, das Thema Gleichbehandlung, Neid", sagt Sauer über die Gründe, warum Schulen aus seiner Sicht nicht gut genug kooperieren. In Österreich gebe es hingegen eine "hohe Flexibilität und Variabilität, was Schulsysteme, Unterrichtsbefreiung, Nachhilfe und auch das Engagement von Lehrern angeht", ergänzt er: "Davon kann man sich hier in Bayern viel abgucken."

Zwei Bayern-Spieler schafften ihr Abitur nicht

Ein Ereignis im Jahr 2017 machte Sauer "fassungslos", wie er heute im Rückblick sagt. Zwei Spieler der Bayern-U19 mussten einen Tag nach dem Endspiel um die deutsche Meisterschaft, das in Dortmund auf dramatische Art und Weise und vor mehr als 30.000 Zuschauern verloren ging (7:8 im Elfmeterschießen), eine Klausur schreiben. Beide schnitten schlecht ab und schafften letztlich ihr Abitur nicht.

"In Salzburg wäre die gesamte Klasse nach Dortmund geflogen, hätte mitgefiebert und die Klausur eine Woche später geschrieben", sagt Sauer: "Ich habe mit dem Rektor persönlich gesprochen, aber es war nicht möglich, dass die Spieler einen Tag frei bekommen und sich sammeln können."

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Sauer wäre "fast vom Stuhl gefallen"

Wegen solcher Fälle kamen Sauer und Holger Seitz (46), der sportliche Leiter am Campus, auf die Idee der eigenen Schule. "Die höchste Qualität, die wir dadurch gewinnen würden, wäre Zeit für den Nachwuchsfußball", sagt Seitz: "Die Jungs haben einen Tagesablauf durch die Schulregeln, der brutal ist."

Doch ob es die FC-Bayern-Schule jemals geben wird, ist fraglich. "Wir haben das durchgerechnet und ich bin fast vom Stuhl gefallen, was das kostet", sagt Sauer. "Es ist nicht finanzierbar." Die Münchner bräuchten außerdem ein geeignetes Gelände, eine Mindestanzahl von Schülern, mehrere Schulzweige und die staatliche Anerkennung - zu hohe Hürden. Den Schul-Planer Sauer gibt es - vorerst - nicht mehr.

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