Der Kane-Krimi: Ist Bayerns Tormaschine wirklich fit genug für Real?
Wer ko, der ko. Wer Kane, der Kane.
Er will. Natürlich will er unbedingt. Aber kann er? Das ist die Frage aller Fragen am Ostermontag, die den gesamten FC Bayern umtreibt. Die Gretchenfrage. Die mit Verlaub Grätenfrage bei Harry. Kann er, der Kane, oder kann er nicht auflaufen im Viertelfinal-Hinspiel der Champions League am Dienstagabend bei Real Madrid (21 Uhr, Prime Video)?
Kane macht im Abschlusstraining einen guten Eindruck
Der erste, spät-österliche Hinweis auf der Suche nach der Wahrheit fand eine Stunde später als angekündigt statt. Der FC Bayern verlegte sein Abschlusstraining an der Säbener Straße auf 12 Uhr. Mehr Zeit für und mit der Familie, das ist Familienvater Vincent Kompany wichtig. Es war seine frohe Osterbotschaft an die Profis nach dem wilden 3:2-Erfolg am Samstagnachmittag in Freiburg als seine Mannen den Weg in die Erfolgsspur sehr spät gefunden hatten. Ohne ihren verletzt daheimgebliebenen Mittelstürmer Harry Kane, der bei seinem Trip zur englischen Nationalmannschaft ohne Einsatz blieb und aus einer Übungseinheit lästige Sprunggelenk-Probleme mitgebracht hatte.
Am Abschlusstraining am Montag nahm Harry Kane mit dem Rest der Mannschaft teil. Und das laut Augenmaß problemlos. Aber auch schmerzfrei? "Wir haben alles getan. Er hat jetzt alles getan, um dabei zu sein", sagte Max Eberl am Münchner Flughafen vor der Abreise in die spanische Hauptstadt. Der Sportvorstand des FC Bayern weiter: "Ob er ihn aufstellt oder nicht, ist die Entscheidung von Vinnie. Aber zumindest ist Harry dabei und das gibt ein gutes Gefühl."
Doch in solch einem Spiel, in dem es – Teil eins – um alles geht? Da auf einen Leader, auf die englisch-bayerische Tormaschine verzichten? Oder ihn als Joker in Halbzeit zwei zu bringen, wenn sich die Real-Defensive müde gelaufen hat? Kompany, der goldrichtige Entscheidungen in Serie trifft, ist alles zuzutrauen.
Rückblick: Als Kane Anfang März Wadenprobleme hatte, verpasste der 32-Jährige das Heimspiel gegen Mönchengladbach (4:1). Vier Tage später, beim Achtelfinal-Hinspiel der Königsklasse bei Atalanta Bergamo saß er als Joker auf der Bank, wurde aber nicht gebraucht – Endstand 6:1. Da lässt sich Safety first locker umsetzen. Auch weitere vier Tage später, beim Auswärtsspiel bei Bayer Leverkusen (1:1), blieb Kane zunächst draußen, kam erst in der 61. Minute rein. Doch so vorsichtig wird Kompany wohl nun nicht handeln. Siege first, nicht Safety.
Falls Kane ausfällt: Setzt Kompany auf Jackson oder Gnabry?
Noch am Samstag herrschte großes Rätselraten um Kane. "Vom Gefühl her wird er es schaffen", meinte Kompany. Und Eberl sagte: "Es ist nichts Dramatisches. Die Physios arbeiten daran. Er selbst ist ständig auf dem Gelände und lässt sich pflegen." Vize-Kapitän Joshua Kimmich machte mit einem Augenzwinkern gehörig Druck: "Ich erwarte von ihm, dass er am Dienstag fit auf dem Platz steht." Weil er um den Ehrgeiz von Kane weiß. "Ich glaube, er würde da auch im Rollstuhl spielen", so Kimmich, "und selbst, wenn er da noch ein bisschen Schmerzen hat, wird er sich schon aufs Feld schleppen."
Und wenn es – wider Erwartungen – nicht geht? Wenn Kane mit seinem lädierten Fuß den Wettlauf gegen die Zeit verliert? Dann braucht Kompany einen Plan B. Wegen einer Rot-Sperre fehlte Mittelstürmer-Backup Nicolas Jackson in Freiburg. Der Senegalese könnte Kane in Madrid ersetzen. Ebenso Serge Gnabry, der die Rolle am Ostersamstag übernahm. Die Erkenntnis, dass sie es wie in Freiburg erstens nach einem Rückstand und zweitens ohne ihren Rekord-Torjäger (48 Treffer in 40 Pflichtspielen diese Saison) richten können, tut gut beim Bangen um Kane.
Wer ko, der ko! Wer Kane, der Kane. Und dann kann: Der FC Bayern gewinnen.


