"Das war eine Katastrophe": Kompany will Urbig nicht zum Pokalkeeper des FC Bayern machen
Die Bremer Brücke, das 15.000-Zuschauer-Stadion des VfL Osnabrück, ist Vincent Kompany ein Begriff. "Ich habe schon viel darüber gehört und weiß, was da passieren kann", sagte der Trainer des FC Bayern auf der Pressekonferenz. Aber kann sie auch am Mittwochabend (20.45 Uhr) zum Schauplatz einer Pokalsensation werden?
FC Bayern tat sich in der Vorsaison gegen Wiesbaden schwer
Das wäre ein K.o. der Münchner allemal. Das letzte Aus in Runde eins liegt über 30 Jahre zurück, in der Saison 1994/95 verloren die Trapattoni-Bayern mit 0:1 beim TSV Vestenbergsgreuth. Doch Kompany weiß aus eigener Pokalerfahrung, dass Spiele gegen kleine Klubs nicht so einfach sind, wie sie auf dem Papier wirken.
In der Vorsaison tat sich seine Mannschaft gegen Drittligist Wiesbaden (3:2) schwerer als gegen manchen Gegner in der Champions League. "Da muss man auf einen echten Kampf vorbereitet sein", betonte Kompany. Zumal Osnabrück durchaus an das Wunder von der Bremer Brücke glaubt.

Osnabrück trägt gegen den FC Bayern ein Sondertrikot
"Wir wollen und werden es den Bayern so schwer wie möglich machen", so die Worte von VfL-Coach Tim Schultz: "Ich als Trainer werde meine Mannschaft so einstellen, dass wir in die zweite Runde einziehen." Eine Kampfansage an den amtierenden Pokalsieger.
Der VfL hat sich sogar die passende Kleidung für die Sensation angeschafft. Die Osnabrücker spielen am Mittwochabend in Sondertrikots. Das Design erinnert an das Jersey von vor 48 Jahren, dem letzten Pokalsieg der Niedersachsen gegen den FC Bayern. Am 23. September 1978 kegelte man durch ein 5:4 im Olympiastadion den großen Favoriten aus dem Turnier.
Kompany will mit dem FC Bayern wieder nach Berlin
Ein ähnliches Ergebnis soll diesmal gegen den Zweitligisten nicht auf der Anzeigetafel stehen. "Das Wichtigste ist, dass man den Gegner nicht unterschätzt", betonte Kompany. Der Belgier erwartet einen defensiv kompakten Gegner, der es immer wieder mit Kontern probiert. "Dieses Puzzle muss gelöst werden", lautet die Vorgabe von Kompany an sein Team. Die Puzzle-Bayern.
Die Zielsetzung an der Säbener Straße ist klar: Der DFB-Pokal soll in München bleiben. "Wenn man einmal in Berlin ist, möchte man immer wieder dorthin", so Kompany. Um den ersten Schritt dorthin zu gehen, wird ein entscheidender Puzzler in seinem Team Jonas Urbig. Der 23-Jährige wird für Kapitän Manuel Neuer im Tor stehen, der sich für seine Heimkehr nach Gelsenkirchen (Samstag, 18.30 Uhr) ausruhen darf (die AZ berichtete).

Kompany vertraut Urbig im Pokal
"Wir haben unheimlich viel Vertrauen in ihn", sprach Kompany seinem jungen Keeper Mut zu. Fix zum Pokaltorhüter des FC Bayern ernennen will ihn der 40-Jährige allerdings nicht: "Das schließe ich kategorisch aus." Der Grund: In seiner Premierensaison als Trainer bei RSC Anderlecht ging das nach hinten los. "Das war eine Katastrophe, ein riesiger Fehler." Daraus hat Kompany gelernt. Er möchte die Flexibilität beibehalten.
Wann der auserkorene Neuer-Nachfolger spielt, will Kompany abhängig vom aktuellen Programm der Münchner machen. "Es geht auch darum, was für Manuel am besten ist", erklärte der Trainer des FC Bayern, der Urbig dennoch weitere Spielminuten zusicherte: "Ein Teil seiner Entwicklung ist es, dass er immer wieder Einsätze bekommt."

Comeback von Musiala ist möglich
Neben Urbig könnten gegen Osnabrück auch die Youngsters Tom Bischof und Lennart Karl eine Chance bekommen. Selbst eine kurzfristige Rückkehr von Jamal Musiala in den Kader des FC Bayern ist möglich. Nach seinen Zusammenbrüchen, der 23-Jährige leidet an einer neurologischen Dysfunktion mit Absencen, konnte er zuletzt wieder mit der Mannschaft trainieren.
"Jetzt müssen wir mit Jamal und den Spezialisten entscheiden, wann der richtige Moment für das Comeback ist", sagte Kompany: "Ob das gegen Osnabrück, am Wochenende oder erst nächste Woche ist, kann ich noch nicht sagen." Sicher ausfallen wird Serge Gnabry.
Boey reist nicht mit nach Osnabrück
Auch Abgangskandidat Sacha Boey reiste nicht mit der Mannschaft nach Osnabrück. Dennoch ist klar: Der Kader des FC Bayern sollte gut genug aufgestellt sein, um an der Bremer Brücke souverän in die zweite Runde des DFB-Pokals einzuziehen.

