Das sagt Ottmar Hitzfeld über den Champions-League-Hit Bayern gegen Rea

Ottmar Hitzfeld erklärt im AZ-Interview, was im Champions-League-Duell für den FC Bayern spricht. Und er erinnert sich an seine schönsten Momente gegen Real Madrid: "2001 im Halbfinale, das waren unglaubliche Spiele."
| Maximilian Koch
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Ottmar Hitzfeld: "Ich sehe Bayern etwas stabiler, vor allem defrensiv."
firo/Augenklick, imago/Jan Huebner Ottmar Hitzfeld: "Ich sehe Bayern etwas stabiler, vor allem defrensiv."

Ottmar Hitzfeld erklärt im AZ-Interview, was im Champions-League-Duell für den FC Bayern spricht. Und er erinnert sich an seine schönsten Momente gegenReal Madrid: "2001 im Halbfinale, das waren unglaubliche Spiele."

München - Ottmar Hitzfeld trainierte den FC Bayern von 1998 bis 2004 und in der Saison 2007/2008. Der 68-Jährige führte die Münchner fünf Mal zur Meisterschaft und 2001 zum Gewinn der Champions League.

AZ: Herr Hitzfeld, Sie haben mit Ihren Mannschaften Bayern und Dortmund oft gegen Real Madrid gespielt. Welches war denn Ihr schönstes Erlebnis?
OTTMAR HITZFELD: Ich habe mich zuletzt mal mit meiner Historie gegen Real befasst. Es waren zwölf Spiele insgesamt, sieben Mal haben meine Mannschaften gewonnen. Real war immer mein Lieblingsgegner. Die wertvollsten Begegnungen waren 2001 im Halbfinale. In Madrid gewannen wir 1:0, Giovane Elber erzielte mit einem Weitschuss das Siegtor, eine fantastische Ausgangslage. Und dann haben wir im Rückspiel die Nerven bewahrt und 2:1 gewonnen. Das waren unglaubliche Spiele, weil wir genau wussten: Wenn wir Real ausschalten, haben wir große Chancen, das Finale zu gewinnen. Es war damals wie ein vorweggenommenes Endspiel.

So wie diesmal. Ist Bayern am Mittwoch Favorit?
Ich sehe Bayern etwas stabiler, vor allem defensiv. Bayern macht das bessere Pressing, ist besser organisiert. Real hat überragende Einzelspieler mit Ronaldo, Bale, der unglaublich schnell ist, im Mittelfeld die Ideengeber Modric und Kroos, die mit einem Pass ein Spiel entscheiden können. Aber defensiv sind sie nicht so überragend. Die Bayern sind außerdem gewarnt von den Spielen 2014, als sie im Halbfinale hoch verloren haben. Für jeden Spieler ist das ein Highlight, ein Duell, an das man sich das Leben lang erinnert. Für mich ist Bayern leichter Favorit, auch insgesamt auf den Sieg in der Champions League.

Wie wichtig ist es für Bayern, dass Manuel Neuer und Thomas Müller fit werden? Mats Hummels wird ja ausfallen.
Neuer ist absolute Weltklasse, einer der besten Torhüter der Welt. Das strahlt er natürlich auch aus. Sven Ulreich hat wenig Spielpraxis, aber auch unglaubliche Qualität, er konnte es nur nicht zeigen, weil er so oft auf der Bank saß. Wenn er im Tor steht, weiß jeder Abwehrspieler bei Bayern, das er vielleicht ein paar Prozent drauflegen muss, um die Gegner nicht zum Abschluss kommen zu lassen. Aber ich habe absolutes Vertrauen in Ulreich.

Und Müller?
Müller ist ein Mann für besondere Spiele. Er kann mit seiner Erfahrung und seinem Torinstinkt solche Spiele auf hohem Niveau entscheiden.

In den Topspielen hat Ancelotti Müller meist draußen gelassen und die defensivere Variante mit Xabi Alonso auf der Sechs und Thiago auf der Zehn gewählt. Würden Sie auch so aufstellen?
Das ist eine ganz schwierige Entscheidung für Ancelotti. Sicher ist nur eines: Wenn ein Trainer Müller auf der Bank lassen kann, hat die Mannschaft unglaubliche Qualität.

Welche Bedeutung hatte das Bernabeu-Stadion in Madrid in Ihrer Karriere? Das ist für mich ein Fußballtempel. Ich hatte das Vergnügen, 1971/72 mit dem FC Basel im Landesmeisterpokal gegen Real Madrid zu spielen. Da war ich zum ersten Mal im Bernabeu, habe das als ganz junger Spieler erleben dürfen. Real war immer ein Traumverein. Die Königlichen. Ich habe schon als Kind Bücher über Real Madrid gelesen, hatte immer eine besondere Beziehung zu diesem Verein.

Und ein besonderes Erlebnis: den Torfall im Jahr 1998.
Das war wirklich eine völlig verrückte Situation, so etwas gab es noch nie. Ich saß damals als BVB-Sportdirektor auf der Tribüne, die Verantwortlichen waren geschockt. Alle wussten damals: Der Schiedsrichter kann das Spiel nach einer bestimmten Zeit abpfeifen und 3:0 für Dortmund werten.

Dortmund spielt schon am heutigen Dienstag sein Viertelfinale gegen Monaco. Wird der BVB weiterkommen?
Dortmund ist Favorit und wird sich durchsetzen. Mit Monaco hat man ein Los bekommen, das hätte schlimmer ausfallen können.

Was zeichnet Monaco aus?
Monaco hat immerhin Manchester City rausgeworfen. Es ist eine Mannschaft, die extrem nach vorne spielt. Sie haben eine unglaubliche Offensivpower, spielen mit hohem Risiko nach vorne, sind teilweise mit sechs, sieben Spielern im gegnerischen Strafraum. Dadurch sind sie defensiv anfällig. Dortmund ist sehr heimstark, vielleicht gibt es einen offenen Schlagabtausch. Ich bin gespannt, welche Taktik Monaco wählt. Eigentlich ist das kein Team, das sich hinten reinstellt. Sie suchen die Flucht nach vorne.

Gibt es Parallelen zur Saison 2012/2013, als der BVB bis ins Finale stürmte?
Ja, diese Parallelen sehe ich. Dortmund ist Erster geworden in der Gruppe vor Real Madrid, das war eine große Auszeichnung. Der BVB gehört sicher nicht zu den absoluten Favoriten, aber diese Mannschaft hat die Möglichkeit, ins Finale zu kommen, wenn sie vorher nicht auf Bayern trifft.

Bayern wäre zu stark?
Ja, da wäre Bayern der Favorit. Dortmund kann jeden Gegner schlagen in der Champions League – in einem Spiel. In zwei Spielen sind Bayern, Real Madrid oder der FC Barcelona zu stark. Da ist die Qualität höher.

FC Bayern und Real Madrid im Vergleich

Hier geht's zum ersten Teil des Interviews mit Ottmar Hitzfeld

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