Das Klinsometer

Eine gute Woche noch bis zum Auftakt der Bayern im DFB-Pokal gegen Erfurt: Wer beim neuen Trainer gesetzt ist, wer um seinen Platz zittern muss – und wer out ist. Der AZ-Check.
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Auf der Suche nach dem Team für den Saisonstart: Bayern-Trainer Jürgen Klinsmann.
dpa Auf der Suche nach dem Team für den Saisonstart: Bayern-Trainer Jürgen Klinsmann.

MÜNCHEN - Eine gute Woche noch bis zum Auftakt der Bayern im DFB-Pokal gegen Erfurt: Wer beim neuen Trainer gesetzt ist, wer um seinen Platz zittern muss – und wer out ist. Der AZ-Check.

Fünf Wochen sind rum. Fünf Wochen dauert die Ära des Trainers Jürgen Klinsmann nun. Für die Spieler eine Zeit der Neuerungen was Trainingsinhalte und Räumlichkeiten an der Säbener Straße betrifft. Noch eine Woche, dann wird es ernst. Am 10. August bestreiten die Bayern mit dem DFB-Pokalspiel in Erfurt ihr erstes Pflichtspiel. Die Plackerei hat ein Ende. Denkste! „Unsere Vorbereitung geht selbst über den Bundesliga-Start weit hinaus“, sagte Klinsmann nun, „und zwar bis Ende August, Anfang September. Wir haben einen Drei-Phasen-Plan für die Vorbereitung, da liegt noch eine Menge Arbeit vor uns.“

Dennoch kann nach drei ernsthaften Tests – 1:2 in Dortmund, 0:0 in Köln, 4:2 bei Urawa – eine erste Bilanz gezogen werden: Wer hat momentan beste Chancen auf einen Stammplatz? Wer muss wohl auf die Bank? Wer ist out?

Die Gesetzten: Demichelis & Co

„Die Spieler, die von Beginn an die Vorbereitung mitgemacht haben, haben einen Vorsprung“, sagte Klinsmann. Was allerdings nur auf Christian Lell, der auf der rechten Abwehrseite derzeit einen Vorsprung vor dem wieder einmal verletzten Willy Sagnol (Trainingspause wegen Problemen an der linken Achillessehne) zutrifft. Und auf Mark van Bommel. Der Holländer ist „Kapitän der Vorbereitung“ wie Klinsmann es nannte. Unwahrscheinlich jedoch, dass der Coach einem Routinier wie dem Holländer kurz vor dem ersten Pflichtspiel die Insignie der Macht wieder abnimmt. Der Brasilianer Lucio ist wie der Argentinier Martin Demichelis ein Gewinner der bisherigen Wochen. Die Stammplätze des Abwehrduos sind trotz des verspäteten Einstiegs ins Training gänzlich ungefährdet. Demichelis konnte durch den Verzicht auf die Japan-Reise (leicht angeschlagen) seinen Fitnesszustand weiter verbessern. Durch seine Tore in Tokio hat Lukas Podolski aktuell bessere Karten, einen Startplatz in der ersten Elf bei Klinsmann zu bekommen. In Japan präsentierte er sich kombinationssicher und abschlussstark wie bei der EM. Wäre schon am Wochenende das erste Pflichtspiel, würde das Sturmduo Podolski/Klose heißen.

Die Wackler

„Der Kader ist so hochwertig, jede Position ist doppelt besetzt, auf jeder Position geht es zur Sache“, freut sich Jürgen Klinsmann. Einige Entscheidungen sind allerdings schon gefallen. Philipp Lahm, der wohl beste, weil über den Turnierverlauf konstanteste, EM-Spieler der Nationalelf ist auf der linken Abwehrseite gesetzt. Das problem: Er ist noch nicht in Form. Hamit Altintop wirkt noch immer beflügelt durch den Rückenwind seiner tollen EM-Leistungen – mit der Türkei hatte er das Halbfinale erreicht, nun könnte es mit einem Stammplatz auf rechts klappen. Aber das Gedränge im Mittelfeld ist groß. Immerhin: Der Brasilianer Zé Roberto ist auch zufrieden, wenn er mit seinen 34 Jahren nicht jedes Saisonspiel macht. Bastian Schweinsteiger hat durch das variablere Spielsystem von Klinsmann mehr Möglichkeiten, eingesetzt zu werden. Und Neuzugang Tim Borowski gilt als einer der Spielertypen, die Klinsmann besonders schätzt. Die Blessur (Bänderdehnung im Knie) spielt da kaum eine Rolle. Als einer der Lichtblicke der Vorbereitung gilt Toni Kroos. Der 18-Jährige präsentierte sich mutig und spielstark. Für Stürmer Miroslav Klose gilt: Momentan ist er, aufgrund von Tonis Ausfall, gesetzt. Aber was wird danach?

Derzeit draußen

„Der Fußball lebt im Ist-Zustand“, erklärte Klinsmann kürzlich, „was hinter uns liegt, hat keine Bedeutung mehr.“ Was insbesondere auf Willy Sagnol, den einzigen noch verbliebenen Sieger der Champions League 2001 zutrifft. Aufgrund von Trainingsrückstand kann er ebenso wenig einen Stammplatz einfordern wie Innenverteidiger Daniel van Buyten, der tapfer kämpft – allerdings aussichtslos gegen Lucio/Demichelis. Das Pech des Marcell Jansen ist es, dass Klinsmann auf links Lahm bevorzugt, ein ähnliches Problem hat der zuverlässige Mittelfeldabräumer Andreas Ottl mit van Bommel. Zurückgeworfen durch Verletzungen und Trainingsrückstand wurden die Großeinkäufe des Sommers 2007, Luca Toni und Franck Ribéry. Der Italiener hat noch am frühen EM-Aus des Weltmeisters zu knabbern, seine Vorbereitung ist wohl wirklich erst Ende August abgeschlossen. Der Franzose Ribéry wird nach seinem Syndesmosebandriss im linken Sprunggelenk sein Comeback frühestens Ende September feiern können. Gar keine Rolle spielen der José Ernesto Sosa und Verteidiger-Talent Breno, denen der Verein die Teilnahme an den Olympischen Spielen in Peking – anders als bei Lucio und Demichelis - gestattet hatte. Weil sie momentan einfach nicht gebraucht werden.

Eine Woche hat jeder noch Zeit, sich zu beweisen.

Patrick Strasser

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