Das gab es seit 1960 nicht: FC Bayern und Paris liefern sich historisches Jahrhundertspiel in der Champions League

Der FC Bayern verliert in einem irren Halbfinalhinspiel mit 4:5 bei Paris Saint-Germain. Es ist aber weiterhin für die Münchner alles drin.
von  Patrick Strasser
Torjubel zum 4:5 durch Luis Diaz.
Torjubel zum 4:5 durch Luis Diaz. © IMAGO

 5:4. Fünf zu Vier! Wenn Sie dieses Spiel, dieses Spektakel nicht gesehen haben, kann es nur eins geben: Nochmal im Re-Live, in voller Länge. Spätestens am Wochenende. Einmal, zweimal. Mindestens. Paris St.Germain gegen den FC Bayern, zwei Weltauswahl-Teams im Highspeed-Duell: Fünf zu Vier! Trotz der Pleite ist der Final-Einzug am 30. Mai in Budapest für Bayern machbar. Das war erst die "erste Hälfte".

Duell gegen Paris hatte alles 

Eine Partie für jeden Speicherchip, für jeden Trainerlehrgang – jetzt schon ein Klassiker. War es das Jahrhundertspiel der Champions-League-Historie? Zumindest vielen erstmals seit 1960 (!) neun Tore in einem Halbfinale auf europäischer Ebene (damals zwischen Frankfurt und den Rangers). Und das alles aus Bayern-Sicht ohne ihre gesperrten Cheftrainer Vincent Kompany, dessen Aufgaben in vorderster Front der Coaching Zone sein Assistent Aaron Danks übernahm. Gekleidet ganz in Jogging.

Der Neo-Klassiker der Champions League, die Wiederauflage des Finals von 2020 in Lissabon (1:0 für Bayern), hatte alles. Seit jenem Corona-Sommer gab es in sieben Partien fünf Bayern-Siege. Traumatisch bis schmerzhaft – im doppelten Sinne - war das Aus im Viertelfinale der Klub-WM 2025 (0:2) als sich Jamal Musiala so schwer verletzte.

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Kane: "Er ist unser Anführer, unser Boss"

Dieser Kracher hatte eine weitere, spezielle Komponente. Motto: Alle für Vinnie. Kompany durfte nach drei wecken Meckerns gesammelten Gelben Karten nicht direkt coachen, musste nach der Busankunft am Parc des Princes den Kontakt zur Mannschaft meiden. Der 40-Jährige durfte nicht in den Innenraum, nicht in die Kabine – erst nach Spielschluss. Zuvor hatte er ein Kontakt- bzw. Kommunikationsverbot. Unterm Strich: Mehr Verlust oder zusätzliche Motivation?

"Er ist unser Anführer, unser Boss. Natürlich werden wir ihn vermissen an der Seitenlinie", sagte Vize-Kapitän Harry Kane zur erstmaligen Absenz von Kompany, der sich auf der Haupttribüne zu den Video-Analysten setzte. „Ich glaube, Vincent ist bei uns im Herzen dabei und wir spielen natürlich auch für ihn“, sagte Kapitän Manuel Neuer vor dem Anpfiff. Die Spielvorbereitung sowie die Ansprache im Hotel machte Kompany, im Stadion übernahm der Brite Danks (42).

Brachte den FC Bayern früh in Führung: Harry Kane.
Brachte den FC Bayern früh in Führung: Harry Kane. © IMAGO

Kane verwandelt den Elfmeter 

Trotz aller Videositzungen und tausender taktischer Kniffe entwickelte sich ein rasantes Hin und Her – völlig losgelöst. Beide Teams wussten und spürten auf dem Rasen: Diese Halbfinal-Duelle werden über die Offensive, übers Tempo, über Pressing gewonnen. Ein verrücktes Spektakel!

Die Bayern, bei denen Alphonso Davies hinten links anstelle von Konrad Laimer begann, legten vor. PSG-Verteidiger Pacho trat Luis Díaz auf den Fuß – Elfmeter. Harry Kane verwandelte traumhaft sicher (17.). Die Gastgeber, kaum geschockt, kamen nun immer besser zu ihren überfallartigen Umschaltmomenten: Khvicha Kvaratskhelia vernaschte Stanisic und schoss flach unten links zum 1:1 ein (25.).

Der FC Bayern und Paris Saint-Germain trennten sich 4:5.
Der FC Bayern und Paris Saint-Germain trennten sich 4:5. © IMAGO

Partie hatte keine Verschnaufpause 

Dann pennten die Bayern bei einer Ecke. Musiala ließ den kleinen Joao Neves einköpfen – 1:2, der erste Rückstand (33.). Doch die Gäste schlugen zurück mit einem Solo von Michael Olise (41.) - 2:2. In der Nachspielzeit die umstrittenste Szene des Spiels: Eine Dembelé-Flanke sprang Davies vom Oberschenkel an den Arm, der nicht angewinkelt war. Nach Video-Studium gab Schiedsrichter Sandro Schärer aus der Schweiz Elfmeter. Sehr hart, aber regeltechnisch vertretbar (leicht ausgestreckter Arm). 3:2. Pause.

Und dann mal eine Verschnaufpause? Keine Chance. Weiter ging die wilde Fahrt auf hoher See, Kompany hatte es geahnt. "PSG ist wie ein Sturm, der auf einen zukommt." Kurzzeitig war sein Personal überfordert. 4:2 Kvaratskhelia (56.). Zwei Minuten später das 5:2 durch Dembelé. Die Bayern kurz unter Wasser, ein Untergang drohte. Doch sie streckten den Kopf wieder übers Wasser. War das Kopfballtor von Upamecano zum 3:5 ein Lebenszeichen (65.), tankten sie durch das 4:5 von Luis Díaz drei Minuten später jede Menge Sauerstoff.

Für den FC Bayern kann noch ins Finale kommen

Am Mittwoch nächster Woche steigen beide wieder in den Ring, zum Rückspiel in der Allianz Arena. Nichts vornehmen und anschnallen! Für die Bayern ist noch alles drin, nur ein Tor Rückstand. Mit einem 2:0 wären sie im Finale. Ein easy 6:4 reicht aber auch.

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