Der Supercup wird zum Corona-Politikum

Der Supercup der Bayern in Budapest wird zum Corona-Politikum. Was die Fans dazu sagen.
| Julian Buhl
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In der Puskás Aréna in Budapest findet das Finale im Supercup 2020 statt. (Archivbild)
In der Puskás Aréna in Budapest findet das Finale im Supercup 2020 statt. (Archivbild) © Attila Volgyi/ imago-images

München/Budapest - Fritz Keller will kein Teil von "Fußball-Ischgl" sein. "Ich selbst werde nicht nach Budapest reisen", sagte der DFB-Präsident und betonte: "Wir müssen zwar nach vorne denken, aber gleichzeitig sehr verantwortungsvoll mit der Pandemie umgehen." Letzteres zu tun verspricht auch die Uefa – und doch will sie sich ihr "Pilotprojekt" zur Zuschauerrückkehr nicht nehmen lassen.

Der Supercup im ungarischen Corona-Hotspot zwischen dem FC Bayern und dem FC Sevilla am Donnerstag (21 Uhr, Sky und im AZ-Liveticker) wird stattfinden – und zwar mit Zuschauern. Das teilte die Europäische Fußball-Union auf Anfrage mit. Auch der ungarische Ministerpräsident Viktor Orban soll auf der Tribüne der Puskas Arena sitzen, wie um aller Welt zu demonstrieren: alles halb so wild in Budapest!

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Zuvor hatte es intensive Gespräche gegeben, neben einem Geisterspiel stand auch eine komplette Absage der umstrittenen Begegnung im Raum. Doch am Ende hatten die Zweifler keine Chance gegen die Lobbyisten um den mächtigen ungarischen Verbandschef und Uefa-Vize Sandor Csanyi. Der Supercup, behaupten die Befürworter um Uefa-Präsident Aleksander Ceferin, werde "so sicher sein wie kein Spiel zuvor."

Markus Söder steht an der Spitze derjenigen Kritiker, die darüber nur den Kopf schütteln. Der bayerische Ministerpräsident hatte das Spiel mit seiner Aussage über ein mögliches "Fußball-Ischgl" zum Politikum gemacht. Die große Sorge des CSU-Chefs: Ein Superspreading-Event an der Donau wie im Frühjahr im österreichischen Après-Ski-Mekka mit Hunderten oder Tausenden Infizierten in ganz Europa.

Söders Kabinett verschärfte am Dienstag seine Einreise-Quarantäneverordnung und strich eine bislang vorgesehene Ausnahmeregel. Fans aus Bayern müssen bei einer Reise zum Supercup-Finale in Budapest nach der Rückkehr nun zum Corona-Test oder in Quarantäne.

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Die Uefa beteuert dagegen, es würden alle erdenklichen Vorsichtsmaßnahmen unternommen. Doch daran zweifeln inzwischen auch viele Fans, die die Freigabe von bis zu 20.000 Plätzen (30 Prozent) zunächst begrüßt hatten. Aus Sevilla sollen nur 500 Anhänger anreisen. Und auch nur noch 1.300 Bayern-Fans wollen nach Budapest, Tendenz fallend. 2.100 hatten sich um eines der zuletzt 4.500 zur Verfügung stehenden Tickets bemüht. Nur rund 230 Bayern-Fans erschienen am Montag und 70 weitere am Dienstag zu den für den Trip notwendigen Corona-Testungen im Parkhaus der Allianz Arena.

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"Mühsame" Auswärtsreise nach Budapest

Organisierte Reisen gibt es keine. "Mit Coronatest und Quarantäne, das ist alles a bisserl mühsam", sagt Hans Gehrlein, Vorsitzender des Bayern-Fanclubs "Die 13 Höslwanger", der AZ. Er kennt niemanden, der sich trotz all dieser Unwägbarkeiten nun zum Spiel an dem Corona-Hotspot aufmacht. "Wirklich schade", findet Gehrlein, "denn ansonsten wäre es ja eine tolle Stadt und auch ein tolles Spiel gegen Sevilla gewesen. Aber zu den Gegebenheiten ist es einfach schwierig."

Das sieht auch SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach so. "Es macht alles keinen Sinn", sagte er bei "t-online.de" über das Uefa-Projekt, das Ceferin zur Chefsache erklärt hatte. Lauterbach hielte es für "eine großartige Geste", wenn sich die Bayern-Bosse zu einer Art Reisewarnung an die eigenen Fans durchringen könnten.

In der Puskás Aréna in Budapest sollte der Supercup vor Zuschauern ausgespielt werden.
In der Puskás Aréna in Budapest sollte der Supercup vor Zuschauern ausgespielt werden. © Tibor Illyes/MTI/dpa

Doch Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge möchte seinem Freund Ceferin nicht in den Rücken fallen, wenngleich die Münchner Delegation deutlich kleiner ausfallen soll als üblich. Trainer Hansi Flick hat sich dagegen inzwischen bei den Skeptikern eingereiht – auch wenn er aus sportlicher Sicht im Supercup "das i-Tüpfelchen" auf der Münchner Triple-Saison sehen würde.

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