Champions-League-Gegner des FC Bayern: Losglück und ein Autobahn-Duell

Noch nie in ihrer Europapokal-Geschichte mussten die Bayern eine so kurze Reise antreten wie nach Salzburg. Der Kurztrip ins Nachbarland ist nicht die einzig gute Nachricht der Champions-League-Auslosung.
| Patrick Strasser
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Das Objekt der Begierte: Der Champions-League-Pokal
Das Objekt der Begierte: Der Champions-League-Pokal © Salvatore Di Nolfi/KEYSTONE/dpa

München - Kürzer geht’s nicht. Und näher auch nicht. Der FC Bayern trifft in der Gruppenphase der Champions League auf Red Bull Salzburg – das heißt: die knapp 145 km über die A8, vorbei am Chiemsee, werden eine nette Busreise. Zu schaffen je nach Verkehr in unter zwei Stunden. Über die A94, vorbei an Burghausen, bräuchte man für dann 159 km etwas mehr als zwei Stunden.

So oder so – nie in der Historie des Europapokals seit dem Debüt der Münchner auf europäischem Parkett in den 60er Jahren hatte man eine kürzere Anreise. 1971 und 2013 waren es nach Pilsen in Tschechien 288 km. Zum Vergleich: Selbst zum bayerischen Derby nach Nürnberg (169 km) ist die Distanz größer. Außerdem trifft der Titelverteidiger auf Atlético Madrid und Lokomotive Moskau – zwei längere Flugreisen. 

Weiterkommen ist für den FC Bayern Pflicht

"Das ist eine sehr interessante Gruppe. Gegen zwei Teams - Salzburg und Lok Moskau - habe ich noch nicht gespielt", sagte Thomas Müller und ergänzte: "Als aktueller Champions-League-Sieger bist du aber gleich in der Gruppenphase schon wieder unter Zugzwang." Dennoch: Ein Weiterkommen ins Achtelfinale (die beiden Gruppenersten) ist absolute Pflicht.

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In einer Neuauflage des Halbfinals von 2016 trifft Bayern erneut auf Atlético Madrid mit dem charismatischen Trainer Diego Simeone - vor vier Jahren war man denkbar knapp (0:1 und 2:1) gescheitert. Eine Saison später (2016/17) gewannen beide Teams in der Gruppenphase ihre Heimspiele mit 1:0, kamen weiter.

Gegner Atlético: Fußballerische Heimat für Lucas Hernández

Das Duell mit Real Madrids Stadtrivale Atlético ist vor allem für Bayerns Abwehrspieler Lucas Hernández reizvoll. "Es ist der Verein, bei dem ich fußballerisch aufgewachsen bin, die mir wahnsinnig viel gegeben haben und ich ihnen daher sehr verbunden bin", sagte der Franzose, der 2019 für 80 Millionen Euro Ablöse nach München wechselte.

Hernández weiter: "Die zwei Spiele gegen sie werden sehr kompliziert werden, da sie extrem robust verteidigen und nun auch mit ihren Neuzugängen in der Offensive sehr stark besetzt sind. Sie werden uns vor einige Probleme stellen und wir werden 100 Prozent geben müssen, um sie zu schlagen." Seit kurzem bei Atlético: Mittelstürmer Luis Suárez, verpflichtet vom FC Barcelona.

FC Bayern: Bisher kein Pflichtspiel gegen Salzburg

Und Salzburg? Da war doch was! Zwar gab es noch kein Pflichtspiel gegen die Salzburger (im Europapokal traf Bayern bisher immer aus Mannschaften aus Wien, wenn es nach Österreich ging), aber trotzdem eine herbe Pleite. In der Winter-Vorbereitung, im Januar 2014, unterlag die Mannschaft von Pep Guardiola, damals auch amtierender Champions-League-Sieger, mit 0:3. Nach 41 Spielen (!) in der Bundesliga ohne Niederlage diese Blamage. "Das war eine gute Lektion für uns", sagte Guardiola angefressen.

Nach dem Weggang von Topstürmer Erling Haaland diesen Januar für 20 Millionen Euro zu Borussia Dortmund hat der österreichische Serienmeister Red Bull jedoch an Qualität verloren.

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ZSKA: Zum neunten Mal nach Moskau

Der dritte Gegner: Es geht zum insgesamt neunten Mal in der gesamten Europacup-Historie nach Moskau. Viermal hieß der Gegner bisher Spartak, zwei Mal ZSKA und je einmal Torpedo sowie eben Lokomotive Moskau. Das war in der ersten Runde des Uefa-Pokals der Saison 1995/96. Damals verlor Bayern unter Trainer Otto Rehhagel zu Hause im Olympiastadion mit 0:1, gewann zwei Wochen später jedoch das Rückspiel in Moskau überzeugend mit 5:0 (zwei Tore von Jürgen Klinsmann).

Übrigens: Am Saisonende gewann Bayern den Uefa-Pokal – mit Franz Beckenbauer als Interimstrainer. In 16 Spielen gegen Moskauer Teams gab es für Bayern nur eine einzige Niederlage – die gegen Lok. 

Unterm Strich: Machbare Gruppe. Und: Pickerl nicht vergessen!


Bayerns Gruppengegner im Schnellcheck

Atlético: Das andere Madrid

Nein, sie sind nicht die Königlichen, die Galaktischen aus Madrid. Und sie sind sehr stolz drauf, so vollkommen anders zu sein als der Stadtrivale Real Madrid. Sie sind die Arbeiter, die Malocher, die Kämpfer, die jeden Rasen umgraben, um Erfolg zu haben: Atlético Madrid.

Und kein Mann personifiziert diesen Verein und seine Einstellung mehr als Trainer Diego Simeone, der Seitenlinien-Derwisch, dem so ziemlich jedes Mittel recht ist, um seinen Mannen zum Erfolg zu treiben. Und die Erfolge Atléticos, das sich gerade die Dienste von Stürmerstar Luis Suárez (kam vom FC Barcelona) gesichert hat, sind beeindruckend. "Ich freue mich sehr, in der Gruppenphase auf meinen ehemaligen Club Atlético Madrid zu treffen", sagte Bayerns Lucas Hernández.

Die Erfolge: Weltpokalsieger 1974, Europapokal der Pokalsieger 1962, Europa-League-Sieger 2010, 2012, 2018, zehnmal spanischer Meister, zehnmal spanischer Pokalsieger


Red Bull Salzburg: Leipzigs Zulieferer

A bisserl ist der FC Red Bull Salzburg der Zulieferer für RB Leipzig, den deutschen Champions-League-Teilnehmer innerhalb des Brausekonzerns von Didi Mateschitz

Immer wieder wandern die besten Spieler aus der Mozartstadt dann gen Leipzig ab, wenn die mal wieder Verstärkung brauchen. Der größte Star der vergangenen Saison landete aber bei einem anderen deutschen Verein: Borussia Dortmund. Knipser Erling Haaland beweist jetzt dort seinen Torjäger-Qualitäten. Die jetzigen Stars der Salzburger sind. Patson Daka, Dominik Szoboszlai.

Und die Erfolgsgeschichte des Teams von Trainer Jesse Marsch? 14-mal war man in der Klubhistorie bereits österreichischer Meister, zudem siebenmal österreichischer Pokalsieger, in der Champions League 2019 schaffte man es in die Gruppenphase.


Lokomotive: Moskau, Moskau ...

Lange spielten die Eisenbahner hinter Spartak und ZSKA nur die dritte Geige in der russischen Mega-Metropole. Doch in der jüngeren Vergangenheit ist Lokomotive tatsächlich das Zugpferd des Moskauer Fußballs und hinter Zenit St. Petersburg die Nummer zwei in Russland.

International war für den dreimaligen Meister (zuletzt 2018) und achtmaligen Pokalsieger (zuletzt 2019) aber meist recht früh Endstation. In den vergangenen Jahren schied Lok jeweils in der Gruppenphase der Champions League als Letzter aus. 2018/19 gab es gegen Schalke 04 zweimal auf den Kessel, 2019/20 sprang immerhin ein Sieg gegen Bayer 04 heraus.

Auch dieses Mal droht "Loko" ein ähnliches Schicksal. Bekannte Namen sucht man im Kader spätestens seit dem Karriere-Ende des Ex-Schalkers Benedikt Höwedes vergebens. Lediglich der frühere Pariser Grzegorz Krychowiak und Kroatiens Abwehr-Routinier Vedran Corluka dürften Fans ein Begriff sein.

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