Champions League 2018: Diese Teams sind für Experte Didi Hamann die Favoriten auf den Henkelpokal

Sky-Experte Didi Hamann spricht im AZ-Interview über seine Favoriten in der Champions League und den Aufschwung der englischen Klubs in dieser Saison: "Die TV-Gelder machen es aus"
| Interview: Patrick Strasser
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dpa

Der 44-Jährige Didi Hamann spielte unter anderem für den FC Bayern. Mit dem FC Liverpool gewann er 2005 die Champions League. Mittlerweile arbeitet er als Experte für Sky.

AZ: Herr Hamann, die K.o.-Phase der Champions League beginnt, die heiße, entscheidende Zeit für die europäischen Top-Klubs. Provokant gefragt: Welcher der fünf Premier-League-Klubs holt im Mai den Henkelpott?
DIDI HAMANN: Manchester City hat sicher die besten Chancen, aber in meinen Augen käme ein Triumph in der Champions League für die Mannschaft von Pep Guardiola noch ein, zwei Jahre zu früh. Da fehlt noch etwas die Reife und Erfahrung in diesen speziellen Drucksituationen in einem Halbfinale, da sind andere cleverer, haben das bessere Game-Management. In der letzten Saison ist City bereits im Achtelfinale am AS Monaco gescheitert. Aber dass fünf Vereine aus der Premier League in die K.o.-Phase kommen, durfte man erwarten.

Aufgrund der immensen Summen, die in England im Umlauf sind?
Natürlich. Die TV-Gelder machen es aus, die Vereine werden durch Importe aus anderen Ligen besser, schwächen gleichzeitig Konkurrenz-Vereine. Die Engländer sind motiviert, hatten sehr mäßigen Erfolg zuletzt in der Königsklasse.

Mit Chelsea 2012 und Manchester United 2008 gab es in den letzten zehn Jahren nur zwei Sieger aus der Premier League. Kann Real Madrid seinen Titel noch einmal verteidigen oder wird die aktuelle Krise zu einem Ausscheiden gegen Paris St. Germain führen?
Wenn du so erfolgreich bist, stagniert irgendwann die Leistung – das ist menschlich. Du müsstest die Mannschaft erneuern, das ist aufgrund der riesigen Ablösesummen und Gehälter auf diesem Niveau aber nicht so einfach. Ich denke, Paris wird dieses Jahr Endstation für Real.

Wer sind Ihre Favoriten?
Paris hat große Ambitionen, auch wenn sich manche Spieler wie Neymar und Cavani reiben. Aber Spannungen unter Superstars hast du in jedem Verein. Sie werden sich arrangieren. Den FC Barcelona sollte man nicht abschreiben, sie haben noch ein, zwei Jahre die Chance, in denen Messi auf höchstem Niveau spielt.

Bisher haben Sie die Bayern nicht erwähnt.
Sie haben definitiv Chancen. Besiktas Istanbul ist ein gutes Achtelfinal-Los, die Türken haben mit Cenk Tosun ihren Top-Scorer an Everton abgeben müssen. Bayerns Vorteil: Bei den Duellen Real gegen Paris, Tottenham gegen Juventus und Chelsea gegen Barcelona scheiden bereits drei Große aus. Und Bayern hat einen Lauf, wenn sie weiter mit hoher Intensität und diesem läuferischen Einsatz spielen, wenn sich jeder unterordnet und man auch fünf, sechs Wechsel in der Startformation nicht merkt, ist mit ihnen zu rechnen.

Dazu kommt der Jupp-Faktor. Schließlich ist Heynckes der Triple-Trainer von 2013.
Heynckes hat viel erreicht, die Mannschaft tritt ganz anders auf als noch im September unter Carlo Ancelotti. Heynckes hat Vidal zum Laufen gebracht, hat James die ideale Position verpasst und auch Arjen Robben oder Franck Ribéry machen nicht gleich die große Welle, wenn sie mal nicht spielen.

Ein Schwenk noch zur Europa League, in der die Königsklassen-Absteiger Borussia Dortmund und RB Leipzig spielen. Können die beiden Klubs das bisher schlechte Abschneiden mildern?
Leipzig war erstmals in der Champions League dabei, hat Lehrgeld gezahlt. Ich denke und hoffe, dass beide Vereine den Wettbewerb ernst nehmen. Für Leipzig ist es eine Lernkurve. Nur wenn du regelmäßig in Europa spielst, kannst du lernen und an den Aufgaben wachsen. Dann wirst du auch besser. Andererseits: Du hast diese Saison in der Bundesliga keine Garantie, dass du unter die ersten Vier kommst. Womöglich ist es einfacher, die Europa League zu gewinnen und sich auf diesem Weg für die Champions League der kommenden Saison zu qualifizieren.

Können die Leipziger in Zukunft die in der K.o.-Phase der Königsklasse einsamen Bayern künftig im Sinne der Uefa-Fünfjahres-Wertung "unterstützen"?
Ohne Bayern sähe es in diesem Ranking düster aus, die Bundesliga würde ihren vierten Startplatz verlieren. Für Leipzig wäre es der nächste Schritt, einmal die K.o.-Phase der Champions League zu erreichen. Denn das ist noch mal eine andere Liga.

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