Bundesliga-Fortsetzung? DFL als Tempomacher in der Corona-Krise

Die Bundesliga hofft auf eine Fortsetzung der Saison ab 15. Mai, in den kommenden Tagen sollen alle Spieler auf Corona getestet werden. In Frankreich droht nach Abbruch der Saison ein Streit vor Gericht.
| Simon Stuhlfelner
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Bald wieder im Mannschaftstraining? Der FC Bayern um Robert Lewandowski
Matthias Balk/dpa 3 Bald wieder im Mannschaftstraining? Der FC Bayern um Robert Lewandowski
Neidisch auf die Bundesliga: Jürgen Klopp.
dpa 3 Neidisch auf die Bundesliga: Jürgen Klopp.
Nach dem Saisonabbruch in Frankreich steht Paris mit Neymar (l.) als Meister fest, Lyon will klagen.
dpa 3 Nach dem Saisonabbruch in Frankreich steht Paris mit Neymar (l.) als Meister fest, Lyon will klagen.

München - Endlich, als Letzter, ist auch Hansi Flick an der Reihe. Der Trainer, der seinen Spielern den Jubel-Vortritt gelassen hatte, nimmt die Meisterschale in die Hand, küsst sie sanft und hält die Trophäe der Begierde lächelnd in die Kameras. Sein erster Meistertitel als Trainer mit dem FC Bayern! Es ist Samstag, der 16. Mai – Und das Szenario natürlich komplett der Fantasie entsprungen.

Denn der Tag, an dem der FC Bayern eigentlich seinen achten Meistertitel in Serie endgültig eintüten wollte, mit einem Sieg am letzten Spieltag beim VfL Wolfsburg, steht nun stellvertretend für etwas anderes: für die Hoffnung der Bundesliga auf den Neustart. Nachdem die Konferenz von Bundeskanzlerin Angela Merkel mit den Ministerpräsidenten noch kein grünes Licht gab, ist der 9. Mai als ursprünglich anvisiertes Datum des Wiederbeginns nicht mehr zu halten.

Bald wieder im Mannschaftstraining? Der FC Bayern um Robert Lewandowski
Bald wieder im Mannschaftstraining? Der FC Bayern um Robert Lewandowski © Matthias Balk/dpa

FC Bayern: Corona-Test fanden bereits statt

Der 15. bzw. 16. Mai sollen es jetzt wohl sein, die Bundesliga will keine Zeit mehr verlieren, auch eine Woche Mannschaftstraining zur Vorbereitung muss dann reichen – wenn die Politiker bei ihrer nächsten Sitzung am kommenden Mittwoch ihre Zustimmung erteilen. "Wir sind nicht in der Situation für Wunschszenarien. Wir wären auch am 9. Mai bereit gewesen", sagte RB Leipzigs Geschäftsführer Oliver Mintzlaff, dessen Team voraussichtlich am Dienstag wieder voll ins Training einsteigen wird.

Die Liga drückt aufs Tempo, in den kommenden Tagen sollen alle Spieler zweimal auf Corona getestet werden – eine Voraussetzung für den Einstieg ins Teamtraining mit Körperkontakt, um die Ansteckungsgefahr zu minimieren. Auch beim FC Bayern fanden bereits Corona-Tests statt, man hofft auf eine baldige Genehmigung zur Rückkehr ins Teamtraining.

Die Bundesliga wird also wohl als erste der großen europäischen Ligen ihren Betrieb wieder aufnehmen, um die Saison bis zum 30. Juni mit Geisterspielen zu Ende zu bringen – anderswo ist man davon noch weit entfernt.

"Man wird neidisch, wenn man sieht und hört, wie in Deutschland trainiert wird, wann angefangen wurde und seit wann die Spieler zumindest in Zweiergruppen trainieren dürfen", sagte Jürgen Klopp, der Trainer des FC Liverpool, in einem Podcast seines Ex-Vereins Borussia Dortmund: "Es ist menschlich, dann zu denken: ‘Das wäre jetzt schön.’ Aber die Situation ist hier leider noch eine andere."

Neidisch auf die Bundesliga: Jürgen Klopp.
Neidisch auf die Bundesliga: Jürgen Klopp. © dpa

 

Premier League ab Mitte Juni?

Laut "Daily Mail" haben einige Vereine der Premier League ihre Mitarbeiter informiert, dass sie ab 13. Juni wieder mit Spielen rechnen können, "wir sind ein paar Wochen hinter Deutschland zurück" sagte Klopp, dem mit den Reds noch zwei Siege fehlen, um die erste Meisterschaft seit 1990 zu feiern.

Für ein mögliches Training in Kleingruppen hat die Premier League den Klubs strenge Auflagen gemacht, so müssten die Spieler Masken oder Schals tragen, "Bälle und Eckfahnen ständig desinfiziert" werden. "Die Mehrheit der Spieler hat Angst, weil sie Kinder und Familien haben", sagte Manchester Citys Stürmer Sergio Agüero dem argentinischen Fernsehsender El Chiringuito.

Nach dem Saisonabbruch in Frankreich steht Paris mit Neymar (l.) als Meister fest, Lyon will klagen.
Nach dem Saisonabbruch in Frankreich steht Paris mit Neymar (l.) als Meister fest, Lyon will klagen. © dpa

Noch schlimmer als in England ist die Situation in Frankreich, wo die Saison am Donnerstag offiziell abgebrochen und Paris Saint-Germain, Tabellenführer mit zwölf Punkten Vorsprung, zum Meister erklärt wurde. Der Tabellenletzte und -vorletzte, FC Toulouse und SC Amiens, müssen absteigen. Der frühere Serienmeister Olympique Lyon wäre erstmals seit 20 Jahren nicht im Europacup vertreten, der Klub spricht von "mehreren zehn Millionen Euro" Verlust und kündigte eine Klage an.

Auch in den Niederlanden, wo die Saison ebenfalls abgebrochen wurde, wollen die beiden erstplatzierten Teams der Zweiten Liga ihren Aufstieg vor Gericht durchsetzen. Um solchen juristischen Auseinandersetzungen zu entgehen – und um die dringend benötigten Fernsehgelder zu erhalten – will die Deutsche Fußball Liga die Saison unbedingt zu Ende spielen.

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