Bemerkenswerter Sieg bei Atlético Madrid: Dieser FC Bayern ist einfach nicht kleinzukriegen

Der FC Bayern trotzt weiter allen Widrigkeiten und gewinnt selbst das schwere Auswärtsspiel bei Atlético Madrid. "Das war die totale Dominanz", schwärmt Kapitän Manuel Neuer.
von  Patrick Strasser
Der FC Bayern feierte bei Atlético Madrid einen überraschend überzeugenden 2:0-Sieg.
Der FC Bayern feierte bei Atlético Madrid einen überraschend überzeugenden 2:0-Sieg. © IMAGO/Ruben Albarran

Sie sind nicht kleinzukriegen, diese Bayern. Sie trotzen allen Widerständen, allen Sorgen und Problemen – und auch diesem rein körperlich furchterregenden Atlético Madrid, den Türstehern des europäischen Fußballs. Im Riyadh Air Metropolitano holten sich die Münchner am Dienstagabend mit einem überzeugenden Auftritt drei ganz wertvolle – und nicht unbedingt eingeplante - Punkte in der Ligaphase der Champions League. Lennart Karl und Konrad Laimer trafen für die Bayern zum 2:0-Erfolg. Und das ohne die vier Offensivkräfte Luis Díaz, Jamal Musiala, Serge Gnabry und Ismael Saibari. Letztere fallen seit Samstag für Monate aus.

Nach den beiden Unentschieden in Stavanger (3:3) und gegen Arsenal (2:2) haben die Münchner nun acht Punkte auf dem Königsklassen-Konto. Damit stimmt der Trend wieder Richtung Top acht, damit würde man die Playoffs im Februar (Rang neun bis 24 der 36er-Tabelle) vermeiden.

Gute Nachrichten gibt’s auch in diesen Tagen rund um den Kader der Bayern: Manuel Neuer kehrte nach drei Partien Pause und auskurierter Sehnenreizung im Fuß anstelle seines Thronfolgers Jonas Urbig zurück ins Tor. "Er fühlt sich wirklich gut", sagte Interims-Trainer Aaron Danks. Rechtsaußen Michael Olise, am Samstag beim 2:2 gegen Dortmund angeschlagen ausgewechselt, konnte ebenfalls beginnen. "Er hat einen schmerzhaften Schlag auf den Knochen bekommen, aber es liegt keine strukturelle Verletzung vor", erklärte Danks.

Überraschend nicht in der Startelf: Aleksandar Pavlovic (leicht angeschlagen) und Min-jae Kim, für die Tom Bischof (als Sechser) und Jonathan Tah (Innenverteidiger) aufliefen.

Bayern macht aus seiner Überlegenheit zunächst wenig

Es entwickelte sich eine – dem Ballbesitz nach – einseitige Partie. Die Gäste zogen ihr gewohntes Aufbauspiel auf, die Gastgeber simeone-ten sich hinten ein. Also die Atlético-Variante von: einigeln. Der wie immer unermüdliche Antreiber an der Seitenlinie, der ewige Cheftrainer Diego Simeone (56), wurde bei der Vorstellung von den Fans am meisten gefeiert.

Atlético ist gleich Simeone. Und dessen Coaching-Zone für den Adrenalin-Argentinier nur eine grobe Orientierung. Kurz nach Beginn stand der "Man in Black" einmal ein paar Meter im Feld, um seine Jungs zurechtzuweisen. Darüber, mit britischer Zurückhaltung und angenehmem Understatement: Mister Danks, der weiterhin den an einer Hirnhautreizung leidenden Chefcoach Vincent Kompany vertritt. "Wir wünschten, Vince wäre hier", sagte der 43-Jährige bei Prime Video, "in seiner Abwesenheit bin ich eingesprungen – und ja, das ist ein sehr stolzer Moment für mich."

Aaron Danks vertrat auch bei Atlético Madrid wieder Chefcoach Vincent Kompany.
Aaron Danks vertrat auch bei Atlético Madrid wieder Chefcoach Vincent Kompany. © IMAGO/HMB Media/Yannis Dreimann

Die Bayern machten aus ihrer Überlegenheit zu wenig. Karl verschlenzte aus guter Zehner-Schussposition – drüber (23.). Kane, wenn er denn mal im Neuner-Gebiet auftauchte, verzog per Seitfallzieher (27.), sein Drehschuss wurde geblockt (34.). Die Münchner überlegen, stilistisch nett, aber nicht zwingend, manchmal schlampig. Und Atlético? Wartet auf den einen Moment, den einen Punch.

Karl bringt Bayern in Madrid in Führung

Den landeten die Bayern – und wer? Der Karl! Nach einem Geflipper stibitzte der 18-Jährige den Ball vom Fuß von Le Normand und lupfte dann super-elegant über Torhüter Oblak (54.). Ein Karl-binettstückchen, dieses 1:0. Eine perfekte Antwort, für sich und gegen alle Kritiker. Sein zweiter Saisontreffer im 13. Pflichtspiel-Einsatz (sechs von Beginn an). Da war er wieder, der EuropapoKARL. Sangen sogar die rund 3.500 mitgereisten FCB-Fans. Okay, sie besangen den Wettbewerb.

Manuel Neuer reagierte nach Abpfiff entsprechend cool, aber auch ein bisserl erleichtert: "Das war die totale Dominanz von der 1. bis zur 93. Spielminute. Egal was Atlético uns gegenübergestellt hat – wir haben immer eine Antwort darauf gehabt. Das war sensationell!"

Laimer: "Wir hätten noch mehr Tore schießen können"

"Wir wussten, was wir können. Wir sind sehr überzeugt von unserem Kader, das haben wir über 90 Minuten gezeigt. Wir hätten noch mehr Tore schießen können. Dieser Sieg gibt uns Auftrieb für die nächsten Wochen", sagte ein glücklicher Laimer. Prime-Experte Mats Hummels sprach anerkennend von einem "Statement der Bayern, das war beeindruckend".

Aaron Danks vertrat auch bei Atlético Madrid wieder Chefcoach Vincent Kompany.
Aaron Danks vertrat auch bei Atlético Madrid wieder Chefcoach Vincent Kompany. © IMAGO/HMB Media/Yannis Dreimann

Nun musste Atlético, seit einer 0:1-Niederlage gegen Borussia Dortmund in der Champions League-Gruppenphase 1996/97 in 16 Heimspielen gegen Bundesligisten ungeschlagen (12 Siege, vier Unentschieden), etwas nach vorne tun. Es traf aber Laimer, der neue Torjäger. Listig und wuchtig aus halbrechter Position unter die Latte zum 2:0 (74.). Die Rojiblancos hatten nichts mehr entgegenzusetzen. Hier, ins Atlético-Stadion, wollen die Bayern nächstes Jahr unbedingt zurückkehren – zum Finale am 5. Juni.

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