Beckenbauer: "Uli soll noch lange weitermachen“

Freitag hört Beckenbauer als Präsident bei Bayern auf. Uli Hoeneß empfiehlt er Gelassenheit – und den Job noch lange weiter zu machen. Und er erinnert sich an einen Streit mit dem Vorstand.
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„Wir sind wieder die besten Freunde“: Franz Beckenbauer über sein Verhältnis zu seinem Nachfolger Uli Hoeneß (l.).
dpa „Wir sind wieder die besten Freunde“: Franz Beckenbauer über sein Verhältnis zu seinem Nachfolger Uli Hoeneß (l.).

Freitag hört Beckenbauer als Präsident bei Bayern auf. Uli Hoeneß empfiehlt er Gelassenheit – und den Job noch lange weiter zu machen. Und er erinnert sich an einen Streit mit dem Vorstand.

AZ: Herr Beckenbauer, wird’s denn noch was am Mittwoch? Mit der Champions League?

FRANZ BECKENBAUER: Puh, wir müssen gewinnen gegen Haifa, was auch nicht so leicht ist - und Juventus muss verlieren in Bordeaux. Das Schlimmste wäre: Juventus gewinnt nicht - und wir gewinnen auch nicht! Ich glaube, dann bin ich am Freitag nicht da. (lacht). Dann fliehen wir nach New York und schicken Grüße über die Leinwand: „Ich wünsche eine schöne Veranstaltung."

Es wird Ihre letzte Jahreshauptversammlung. Manager Hoeneß wird zum Präsidenten gewählt, Sie treten ab. Nach 15 Jahren. Ist Ihnen schon mulmig?

Wieso? Das wird doch nichts Spektakuläres! Ich hör auf, der Uli übernimmt. Das sind ja keine Wahlen im eigentlichen Sinne. Da ist kein Herausforderer da.

Aber womöglich Widerstand. Von den Mitgliedern, die unzufrieden sind mit der sportlichen Lage.

Naja, der eine oder andere wird womöglich ein paar unangenehme Fragen stellen oder einen unangenehmen Touch reinbringen. Aber unsere Mitglieder sind vernünftige Menschen. Das hab ich noch nie gehabt in den letzten 15 Jahren. Und das brauche ich auch nicht bei meinem letzten Auftritt.

Dann können Sie sich bei Philipp Lahm bedanken, der mit seiner mutigen Kritik von der fehlenden Vereinsphilosophie die Fans gegen den Vorstand aufgebracht hat.

Das stand ihm nicht zu. Wenn Sie sich hinstellen und öffentlich Ihren Chef bei der Abendzeitung kritisieren, dann können Sie sich am nächsten Tag Ihre Papiere im Personalbüro abholen. Das war auch nicht mutig. Mutig wäre es gewesen, direkt zum Karl-Heinz oder zum Uli zu gehen und ihnen zu sagen, was ihm missfällt, mit dem Vorstand kontrovers zu diskutieren.

Wird denn da überhaupt kontrovers diskutiert, im Bayern-Vorstand?

Das weiß ich nicht, ich bin ja nicht dabei bei den Sitzungen. Im Aufsichtsrat haben wir nie große Probleme gehabt.

Nun, wir erinnern uns an den Streit, nachdem Sie sagten, Franck Ribéry habe mit München nichts zu tun. Da hat der Vorstand in einer Presseerklärung Sie, den Aufsichtsrat, in die Schranken gewiesen. Ein Affront!

Das war nicht gut. klar. Aber das wissen sie mittlerweile selbst. Das war das einzige Mal in all der Zeit, dass ich gesagt hab: „Moment einmal, Ihr wisst schon, wer euer Chef ist!" Seitdem sind wir wieder die besten Freunde.

Gute Freunde – die Sie als Aufsichtsrat kontrollieren mussten.

Ach, warum sollte ich die kontrollieren? Ich habe immer Vertrauen gehabt in unsere drei Vorstände. Die drei sind das Beste, was man sich vorstellen kann. Ein Glücksfall für den FC Bayern. Was soll ich denen reinreden? Da konnte ich mich zurücklehnen.

Glauben Sie, Ihr Nachfolger Uli Hoeneß wird auch so ein zurückgezogener Aufsichtsratsvorsitzender?

Hm, nicht ganz. Er wird weitaus aktiver sein als ich es war. Er wird mehr Zeit aufbringen, und das ist auch gut so. Er hat ja alles aufgetrieben im Sponsoring und ein unglaubliches Netzwerk geschaffen für den FC Bayern.

Seine sportliche Nachfolge ist jetzt geklärt, mit Christian Nerlinger als Sportdirektor. Aber wann wird denn seine wirtschaftliche Nachfolge geregelt?

Ich hoffe nie. Der Uli soll das noch lange so weitermachen. Die wichtigen Kontakte, die soll er weiter persönlich pflegen. Die Telekom, Audi, Adidas. Die legen ja auch Wert darauf, mit dem Uli zu sprechen.

Hatten Sie es auch schwer, anfangs? Als Sie Präsident wurden, hat Hoeneß gesagt: Jetzt wird’s unangenehm für den Franz, jetzt muss er weniger Golf spielen oder sich an Loch neun Gedanken darüber machen, wen wir als nächstes verpflichten.

So kam’s ja dann auch. Den Stefan Effenberg haben wir quasi auf dem Golfplatz verpflichtet. An Loch sieben. Oder war’s fünf?

Ihre im Nachhinein schlechteste Entscheidung als Präsident war das nicht. Sondern was?

Die Entlassung vom Otto Rehhagel, die war natürlich total überflüssig zum damaligen Zeitpunkt. Wir standen ja noch im Uefa-Cup-Finale.

Ihr schönster, emotionalster Moment?

Das Elfmeterschießen in Mailand, im Champions-League-Finale gegen Valencia. Obwohl: Den Sieg hab ich teuer bezahlt. Ich hab vorher mit Fedor Radmann gewettet, dass wir nicht gewinnen. Um eine Flasche Petrus, 45er Jahrgang, der beste Bordeaux. Das hat mich gut 10000 Euro gekostet. Naja, das war’s wert.

In Erinnerung geblieben ist vor allem Ihre Wutrede ein paar Wochen vorher in Lyon, die Effenberg & Co. im Nachhinein motiviert hat. War das Kalkül?

Na, ich mache selten was aus Kalkül. Wenn ich mich aufrege, muss es raus. Aber jetzt bin ich ja älter geworden, gefasster, kontrollierter.

Ob Hoeneß diesen Prozess auch durchleben wird? Er regt sich ja oft auf, tobt oft und schreit. Kann man sich das als Präsident, als Aufsichtsratschef leisten?

Er wird gelassener werden. Das wird die Aufgabe mit sich bringen. Als Manager stehst Du immer unter Druck, bei einem schlechten Spiel staut sich das auf, zack, da explodierst du, roter Kopf, dann geht's dahin. Ich freue mich, dass er den Sprung geschafft hat, in eine andere Position zu kommen. Präsident und Aufsichtsratsvorsitzender zu werden: Das ist eine andere Ebene, als wie sich auswärts beschimpfen zu lassen unten auf der Bank. Jetzt kann er’s gelassen angehen.

Bei der Mitgliederversammlung vor zwei Jahren ist er noch ausgerastet und hat die Fans beschimpft.

Ich glaube, der Uli hat das bewusst gemacht. Wir kennen ja die Strömungen in den Fanklubs, siehe Frankreich und Italien, wo die Fanklubs den Klub teilweise beherrschen.

Sie dagegen sind aber immer cool geblieben auf den Versammlungen, Sie waren der ideale Conférencier, selbst die Totenehrungen hatten bei Ihnen was Amüsantes.

Ist des so? Naja, das kannst du ein paar Mal im Jahr machen. Aber wenn du das täglich machen musst, das geht nicht. Deswegen sind ja die meisten Komiker so grantig.

Und jetzt soll wirklich alles vorbei sein, soll am Freitag einfach Schluss sein, nach 15 Jahren?

Moment, ich bin ja nicht weg. Ich bleib ja dabei. Ich werde ja Ehrenpräsident.

Mit Verlaub: Was macht denn ein Ehrenpräsident?

Der wird eingeladen.

Wozu?

Das weiß ich auch nicht. Ich war’s ja noch nie. Ich lass mich überraschen.

Herr Beckenbauer, Ihnen wird doch langweilig, so ganz ohne Amt!

Gewiss nicht. Ich bin auch so ganz gut ausgelastet, ich hab die Fifa, die Uefa, meine Werbepartner, das Fernsehen. Und außerdem: Ein bisschen mehr Golf, ein bisschen mehr Bergsteigen, ein bisschen mehr sich um die Kinder kümmern – das ist doch auch schön.

Interview: Gunnar Jans

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