Bayern-Star Gnabry sorgt mit Quetscher-Tor für Staunen: "Keine Ahnung, wie er reinging"

Serge Gnabry trifft gegen den 1. FC Köln mit einer ganz besonderen Schusstechnik. Max Eberl gerät ins Schwärmen: "Das war für uns, als ich gespielt habe, unvorstellbar."
von  Patrick Strasser
Serge Gnabry traf gegen Köln mit einer ganz besonderen Schusstechnik.
Serge Gnabry traf gegen Köln mit einer ganz besonderen Schusstechnik. © IMAGO/Teresa Kroeger/M.i.S.

Sein letztes Tor in der Bundesliga war schon eine Weile her. Am 1. November traf Serge Gnabry beim 3:0 gegen Bayer Leverkusen, am 9. Spieltag. Nun kann man sich Tore vornehmen, besondere jedoch entstehen im Moment des Gefechts.

Der 30-Jährige nutzte am Mittwochabend in Köln den Zauber des Augenblicks für einen Treffer, der auch im Zirkus Roncalli nur schwierig Abend für Abend zur Aufführung gebracht werden könnte. Ein Schuss aus der Drehung, bewusst direkt auf den Boden gezogen, damit der Ball als Aufsetzer eine für den Torwart diffizil zu berechnende Flugkurve nimmt.

Serge Gnabry traf gegen Köln mit einer ganz besonderen Schusstechnik.
Serge Gnabry traf gegen Köln mit einer ganz besonderen Schusstechnik. © IMAGO/Revierfoto

Der Ausgleich zum 1:1 beim 3:1-Erfolg gegen Gastgeber 1. FC Köln war derart raffiniert erzielt, dass Sportvorstand Max Eberl mal wieder einen Vergleich zu seiner Profikarriere anstellte. "Wahrscheinlich ist der Ball auch besser heute als damals", meinte der 52-Jährige. Das mag sein. Der Spieler ist es auch. Die Lernkurve bei Eberl geht steil nach oben.

Gnabry über Zirkus-Treffer: "Ich habe keine Ahnung, wie er reinging"

"Früher hätte ich gesagt, das war irgendwie gehoppelt, aber das war schon gewollt von Serge. Heutzutage bei den Spielern sage ich, die wollen das", sagte Eberl und erklärte: "Wenn ich Serge im Training sehe, wenn ich unsere Jungs im Training sehe, dann machen die Dinge mit den Bällen." Er geriet ins Schwärmen. "Das war für uns, als ich gespielt habe, unvorstellbar. Mittlerweile nehmen sie den Ball hoch, um ihn zu pressen. Und der Ball nimmt eine ganz unorthodoxe Flughöhe."

Der Kunstschütze selbst meinte: "Mein erster Kontakt, die Ballannahme, war nicht so gut. Ich habe dann irgendwie versucht, den Ball in die Mitte zu bringen. Ich habe keine Ahnung, wie er reinging. Es ging so schnell." War der Aufsetzer wirklich Absicht? Gnabry, der mit einer Erkältung ins Spiel ging und sich bei den TV-Interviews für sein Husten entschuldigte, ließ das im Dunkeln. Clever.

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Gnabry-Schusstechnik: Neuer fühlt sich an alte Schalker Kollegen erinnert

Manuel Neuer, der Torhüter, kennt seine Pappenheimer und nannte einen Begriff für solch einen Torschussmove: "Das ist ja ein Klassiker, so ein Quetscher. Das hat man ja früher, glaube ich, auch von Mesut Özil gesehen oder Halil Altintop, damals bei Schalke." Als Torwart müsse man "auch immer damit rechnen". Aus der Sicht des 39-Jährigen, der schon alles in seiner Karriere gesehen hat, zeugt dies "einfach von Cleverness. Gerade vor dem Tor, dann in den Situationen nicht einfach blind draufzuhauen." Erst denken, dann schießen. Anders als es der Bomber der Nation einst in seiner Gerd-Müller-Doktrin für den Strafraum stets benannte: "Wennst denkst, ist’s eh zu spät."

Für Neuer hat Gnabry das "wie ein starker Offensivspieler", gemacht, nämlich "super". Gnabry, der Quetscher. Dafür hilft laut Neuer ein Trainingsspiel, das "Eckspiel, beim Rondo. Wenn du einen Ball durch die Mitte spielst, dann kannst du den auch ganz gut quetschen quasi, sagen wir so im Deutschen."

Uli Hoeneß dürfte sie auch kennen die Quetscher. Wie Eberl und Vorstandsboss Jan-Christian Dreesen. Aus Funktionärssicht sind es die Berater, die im Sinne ihrer Spieler alles erdenklich Machbare aus Vertragsverhandlungen herausquetschen. Wobei wir wieder bei Gnabry wären. Der Offensiv-Allrounder will bleiben, soll bleiben. Eine Vertragsverlängerung über den Sommer hinaus um zwei Jahre wird angestrebt, zu leicht reduzierten, mehr leistungsbezogenen Bezügen.

Freute sich über den Treffer von Serge Gnabry: Kapitän Manuel Neuer.
Freute sich über den Treffer von Serge Gnabry: Kapitän Manuel Neuer. © IMAGO

Gnabry-Verlängerung: Das sagt Eberl

Es gibt jedoch intern Zweifel, ob denn eine Vertragsverlängerung dem Spieler eben nicht nur eine finanzielle Sicherheit garantieren würde. In der Vergangenheit ging die Leistungskurve von Gnabry nach vollbrachter Unterschrift und Klärung der Zukunft nach unten. Warum also nicht noch etwas warten und den Spieler im Bewährungsmodus agieren lassen?

Man ist auf einem guten Weg. Fix ist noch nichts, bestätigte Eberl am Mittwoch. Bald ist dehnbar.

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