Bayern gegen Liverpool: Die Taktikschlacht zwischen Kovac und Klopp

Das Spiel in der Champions League zwischen dem FC Bayern und dem FC Liverpool wird auch eine Taktik-Schlacht der Trainer Kovac und Klopp. Wer von beiden hat mehr zu verlieren?
| Patrick Strasser
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imago/Bernd Müller/Action Plus/Andrew Yates/Sportimage/AZ

Das Spiel in der Champions League zwischen dem FC Bayern und dem FC Liverpool wird auch eine Taktik-Schlacht der Trainer Kovac und Klopp. Wer von beiden hat mehr zu verlieren?

München - Es wird Tore geben diesmal, wenn Bayern und Liverpool erneut aufeinandertreffen – so viel ist sicher. Spätestens in einem möglichen Elfmeterschießen. Niko Kovac prophezeite am Dienstagnachmittag: "Ein 0:0 wird es nicht." Hatte der Bayern-Trainer allerdings auch vor dem Achtelfinal-Hinspiel gesagt.

Die Fans erwartet wohl die zweite Ausgabe der Operation Rasenschach. Wie beim torschussarmen 0:0 an der Anfield Road dürfte die Risikobereitschaft auch beim Rückspiel (21.00 Uhr, live bei Sky und im AZ-Liveticker) auf beiden Seiten minimal sein, mutiger Angriffsfußball kleingeschrieben werden. Umschaltsituationen, in denen beide Teams ihre Schnelligkeit ausspielen können, will man tunlichst verhindern. Ein Abtasten. Wie bei einem Fechtkampf. Ein Schritt vor, zwei zurück. Die Deckung zählt. Wer blitzartig vorprescht und den einen entscheidenden Treffer landet, gewinnt. Fertig zum Gefecht des Jahres? "En garde!", also: Bereit zum Kampf!

Achtelfinal-Aus bei beiden Klubs nicht vorgesehen

Die Frage lautet: Wer hat mehr zu verlieren? Der FC Liverpool als Finalteilnehmer 2018 oder der FC Bayern, der seit der Saison 2011/12 immer mindestens das Viertelfinale erreichte, seit dem Triumph 2013 aber trotz vier Halbfinal-Teilnahmen stets das Endspiel verpasste? Die Antwort: beide. Ein Achtelfinal-Aus ist im Selbstverständnis der Klubs nicht vorgesehen.

Und die Trainer? Kovac hat etwas zu gewinnen, im eigenen Hause wie international: Respekt und Anerkennung – plus einen ruhigen Start in sein zweites Vertragsjahr, der angekündigten Umbruch-Saison. Da könnte jeder noch so international renommierte und anerkannte Trainer auf dem Markt frei werden. Das zigfache Schulterklopfen nach einem Weiterkommen gegen Liverpool würde den nur 1,76 Meter großen Kovac wachsen lassen, der hoch aufgeschossene Klopp (1,91 Meter) hingegen würde durch die unzähligen Trostklapser wieder auf Nicht-Messias-Maß schrumpfen.

Hamann: "Das Ding steht auf der Kippe"

Der 51-Jährige muss liefern, frische Silberware in den Vitrinenschrank des FC Liverpool bringen. Auch am Ende seiner vierten Saison könnte er ohne Titel dastehen. In den heimischen Pokal-Wettbewerben FA-Cup und Liga-Cup schieden die Reds bereits aus. Es bleibt die englische Meisterschaft, in der Rivale Manchester City mit Trainer Pep Guardiola einen Fünf-Punkte-Rückstand in einen Zähler Vorsprung umdrehen konnte. Und der Henkelpott.

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Als Klopp im Oktober 2015 vorgestellt wurde, versprach er kühn: "Wenn ich hier in vier Jahren sitze, dann, so denke ich, haben wir einen Titel gewonnen. Da bin ich mir ziemlich sicher." Das hört der Fan gerne, erinnert sich jedoch daran, wenn nichts draus wird. Die Stimmung könne sich "schnell drehen", sagt TV-Experte Didi Hamann, einst bei beiden Vereinen aktiv, "das Ding steht auf der Kippe."

Klopp: Miserable Endspiel-Bilanz

Der Ausflug nach München ist für Klopp wie ein Finale. Seine letzten sechs Endspiele hat er verloren. Drei mit dem BVB, das bitterste war das Champions-League-Finale 2013 – gegen Bayern, 1:2. Drei mit Liverpool, hier bildete das Endspiel der Königsklasse 2018, als Liverpool, besser gesagt Torhüter Loris Karius, mit 1:3 gegen Real Madrid verlor, den negativen Höhepunkt. Pech? Unvermögen? Ein Fluch? "Ich kenne meine Final-Bilanz", sagt Klopp. Sie habe ihn zwar "nicht zu einem unglücklicheren Menschen gemacht", doch die Gier nach einer Trophäe sei stetig gewachsen. Parallel dazu der Druck.

Kovac gewann zwei seiner drei bisherigen Finals. Mit Eintracht Frankfurt das Pokal-Endspiel als Underdog gegen die scheinbar übermächtigen Heynckes-Bayern und die Bundesliga-Relegation 2016 gegen Zweitligist 1. FC Nürnberg. In den Ausscheidungsspielen für die WM 2014 hielt er als Nationaltrainer das aufstrebende Island in Schach, führte sein Heimatland zur Endrunde in Brasilien. Gegen Island! Wenn das mal keine Last war!

Kovac verpürt keinen Druck

"Ich verspüre keinen Druck. Angst und Druck kenne ich nicht. Anspannung ist immer da, das gehört zum Fußball dazu", betont Kovac mit ruhiger Stimme. Klopp, der aus seiner Emotionalität Kraft zieht und sie laut und gestenreich an seine Mannschaften vermittelt, sagte einst dem "Spiegel": "Ich spüre nur den Druck, den man sich eben macht, wenn man ein Fußballspiel gewinnen will. Seit meinem fünften Lebensjahr ist das so. Wenn ich mit dem Fahrrad zum Spiel gefahren bin, wollte ich unbedingt gewinnen." Er spüre stattdessen stets "die Chance".

So auch jetzt. Man brauche "eine außergewöhnliche Leistung", so Klopp. Die Bayern seien "offenkundig in einer anderen Phase als vor dem Hinspiel, es ist ein deutlich besserer Zeitpunkt für sie", sagte Klopp. Aber: "Wir sind stark genug, ihnen einen guten Kampf zu liefern". Na dann: "Allez!" – Los!

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