Bayern-Coach Flicks Schlüsseldienst zur DFB-Hintertür

Bayerns Vorstandschef Rummenigge hat für Coach Flick die Tür zum Bundestraineramt zugemacht und an den Vertrag bis 2023 erinnert. Doch es wäre nicht der erste Kontrakt, der nicht eingehalten wird.
| Thomas Becker
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Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge will seinen Trainer Hansi Flick nicht zum DFB ziehen lassen.
Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge will seinen Trainer Hansi Flick nicht zum DFB ziehen lassen. © Roland Weihrauch/dpa

München - Wenn es dumm läuft für Karl-Heinz Rummenigge, klärt sich die Trainerfrage bei seinem Klub erst in gut zwei Monaten, am späten Abend des 29. Mai. Es sei denn das Finale der Champions League in Istanbul wird im Elfmeterschießen entschieden - da könnte das letzte Saisonspiel des FC Bayern gar in den 30. Mai hineinlappen. Sollten PSG, ManCity oder der BVB vorher besser als der Titelverteidiger gewesen sein, könnte die Entscheidung auch schon nach dem 22. Mai fallen, dem letzten Bundesligaspiel gegen Augsburg. Bis dahin wird Hansi Flick für den FC Bayern alles geben. Was danach geschieht, weiß nur Flick. Und nicht Rummenigge.

Flick bleibt beim FC Bayern - das ist für Rummenigge Fakt

Im Interview mit der "Welt" hat der Vorstandsvorsitzende versucht, Fakten zu schaffen. Auf die Frage, ob Flick auch kommende Saison Bayern-Trainer ist, sagte Rummenigge: "Das hat nichts mit Wahrscheinlichkeit zu tun. Das ist Fakt." Genau genommen ist es Wunschdenken. Sicher, Flicks Vertrag läuft bis 2023, wozu Rummenigge in der ihm eigenen Diktion sagt: "Wir sind gut beraten, das zu Ende zu bringen, was wir vertraglich vereinbart haben." Nur ein ganz kurzes Gedankenspiel: Wie wäre die Geschichte des FC Bayern verlaufen, hätte man immer das zu Ende gebracht, was vertraglich vereinbart wurde? Würde man jetzt mit Niko Kovac gegen den Abstieg spielen? Mit Jürgen Klinsmann seit Jahren ungeschlagen sein? Oder bestünde die Start-Elf dank Louis van Gaal aus lauter Eigengewächsen?

Ob Flick schon weiß, ob er Bundestrainer werden will, sei dahingestellt. Es ist davon auszugehen, sonst hätte er die Diskussion längst beenden können, mit einem Satz wie "Ich bleibe bei Bayern" oder einer ähnlich klaren Erklärung. Flick bleibt aber unverbindlich, was tief blicken lässt. Journalistenfragen zu beantworten ist nicht seine liebste Beschäftigung, und bei jeder Gelegenheit die immer gleiche Bundestrainerfrage gestellt zu bekommen, würde er sich sicher gern ersparen. Solange er im Ungefähren laviert, bleibt ihm - und Bayern - das Thema aber erhalten.

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Flick hat bereits einige Verträge vorzeitig gekündigt

Dass Rummenigge das nicht zupasskommt, ist klar. Zieht man seinen Resturlaub ab, ist der Mann praktisch schon in Rente. Und jetzt soll er kurz vor Toresschluss den Mann gehen lassen, der dem Klub die erfolgreichste Saison der Vereinsgeschichte beschert hat? Und noch einen adäquaten Nachfolger für diesen Alles-Gewinner aus dem Hut zaubern? Das ist viel verlangt. Es ist aber auch: die Realität. Sollte sich Flick entschließen, nach einer nicht mehr zu überbietenden Saison den Bayern-Job zugunsten des eher selten zu vergebenden Posten des Bundestrainers dranzugeben, dann wird ihn auch ein bis 2023 geltender Kontrakt nicht daran hindern. Den Fünf-Jahres-Vertrag als DFB-Sportdirektor kündigte Flick nach zweieinhalb Jahren, und auch den Fünf-Jahres-Vertrag als Geschäftsführer der TSG Hoffenheim erfüllte er gerade mal acht Monate lang.

Rummenigges Ansage ist bei Flick angekommen - aber was heißt das?

"Professionell" habe Flick Rummenigges Ansage aufgenommen, so der Bayern-Boss. Was auch nicht mehr heißt als "Nachricht angekommen". Flick wird nicht die Hacken zusammengeschlagen und "Zu Befehl!" gebrüllt haben. So wenig Rummenigge das wahrhaben will: Da Verträge immer zwischen zwei Parteien geschlossen werden, kann nicht nur die Bayern-Seite sie aufheben wie bei Kovac, Klinsmann, van Gaal und all den anderen. Auch Flick könnte sich mit freundlichen Grüßen und tief empfundenen Verbeugungen verabschieden. Die Zeit, dass Verträge von beiden Seiten als verbindlich angesehen wurden, ist im Fußballgeschäft nur ferne Erinnerung.

Löw hat dem FC Bayern mit dem angekündigten Abschied in der Crunch-Time der Saison einen Bärendienst erwiesen. DFB-Headhunter Oliver Bierhoff sagt zur Löw-Nachfolge: "Zeit ohne Ende haben wir nicht, aber keinen Zeitdruck. Wir schauen uns den Markt weiter an und schauen, was passiert." Rummenigges Möchte-gern-Machtwort interpretiert er so: "Ich habe das so verstanden, dass er Hansi Flick den Rücken stärkt." Aus Bayern-Sicht mag die DFB-Tür für Flick zu sein - aber schließlich gibt es Schlüssel. Und zur Not den Schlüsseldienst. Das kostet zwar, aber am Ende des Tages ist man da, wo man wirklich hin will...

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