"Als er kam, wusste ich: Claudio ist ein Guter!"

Im AZ-Interview spricht Giovane Elber über seinen Ex-Sturmpartner Pizarro, der am Wochenende mit Werder Bremen beim FC Bayern gastiert – und erklärt, warum er auch mit 37 Jahren so oft trifft.
| Interview: M. Koch
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Spielten gemeinsam beim FC Bayern: Claudio Pizarro (unten) und Giovane Elber.
Stefan Matzke/sampics/Augenklick Spielten gemeinsam beim FC Bayern: Claudio Pizarro (unten) und Giovane Elber.

München - Ein besonderes Spiel erwartet Claudio Pizarro am Samstagabend (18.30 Uhr, Sky und im AZ-Liveticker) in der Bundesliga. Der Stürmer des SV Werder Bremen trifft auf die Bayern, bei denen er insgesamt neun Jahre (2001-07, 2012-15) spielte.

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Aktuell ist der 37-jährige Angriffs-Oldie in Top-Form – mit neun Treffern ist er aktuell der erfolgreichste Torschütze der Rückrunde. Insgesamt hat Pizarro bisher elf Saisontore erzielt. Mit dem FCB gewann er unter anderem sechs deutsche Meisterschaften, fünf Mal den DFB-Pokal sowie ein Mal die Champions League.

Im AZ-Interview spricht der ehemalige Bayern-Spieler Giovane Elber über seinen früheren Sturmpartner.

AZ: Herr Elber, im August während des Audi Cups waren Sie zu Besuch in München und haben sich mit Ihrem Kumpel Claudio Pizarro getroffen. Damals hatte er noch keinen neuen Verein - und nun hat er schon elf Saisontore für Werder erzielt. Verrückt, oder?

Giovane Elber: Es ist Wahnsinn, was er geschafft hat. Das zeigt seine Professionalität. Es ist nicht einfach, in der Bundesliga so viele Tore zu schießen. Das Spiel wird von Jahr zu Jahr intensiver. Aber Claudio war immer konstant, und er ist es jetzt immer noch bei Werder.

Sie sprechen seine Treffsicherheit an, er hat nun schon 187 Bundesliga-Tore erzielt, also 55 mehr als Giovane Elber...

Ach, das gönne ich ihm natürlich, da bin ich gar nicht böse (lacht). Ich kenne Claudio schon so lange. Damals, als er noch ganz jung war und von Werder zu uns nach München gewechselt ist (2001, Anm. d. Red.), habe ich gewusst: Der ist ein Guter. Deshalb freut es mich, dass er immer noch auf diesem Niveau spielt. Er wird auch noch mehr Tore schießen. Vielleicht schafft er ja sogar 200. Ich traue es ihm zu.

Man muss natürlich sagen, dass Sie deutlich weniger Spiele in der Bundesliga bestritten haben als Pizarro. Vom Toreschnitt pro Spiel liegen sie fast gleichauf.

Ja, siehst du (lacht). Und ich habe keine Elfmeter geschossen. Nein, ich bin stolz auf meine 133 Bundesliga-Tore, auf das, was ich in Deutschland geschafft habe. Das nimmt mir keiner. Aber heute freue ich mich auch für die anderen Stürmer. Ich hoffe und glaube, dass zum Beispiel Robert Lewandowski bald meine Marke knackt.

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Am Samstag trifft Lewandowski mit den Bayern auf Pizarro und Werder. Hätten Sie vor der Saison gedacht, dass man bei dieser Begegnung von einem Duell der Top-Torjäger sprechen würde?

Claudio hat mir damals im August verraten, dass er auch Angebote aus Katar vorliegen hatte, aus Amerika. Ich habe ihm gesagt: Junge, bleib’ in der Bundesliga! Hier kennst du alles, hier kannst du dich nochmal beweisen. Und zum Glück hat er sich für Werder entschieden.

Dass er 37 Jahre alt ist, merkt man Pizarro nicht an. Er hat seine Ernährung umgestellt, trinkt nach eigenen Angaben keine Cola mehr und nur noch ab und zu einen Wein. Ist das sein Erfolgsgeheimnis?

Ja, das macht schon was aus. Er hat mir erzählt, dass er zu einem Arzt nach Italien gereist ist, der ihm Tipps gibt für seine Ernährung. Auch Martin Demichelis (Ex-Bayern-Spieler, d. Red.) war bei diesem Arzt und hat geschwärmt. Aber weißt du, was das Wichtigste ist?

Bitte.

Dass man ohne große Verletzungen durchkommt. Ich hätte vielleicht auch bis 36 spielen können. Aber dann hatte ich Probleme am Sprunggelenk, einige Operationen. Am Ende war ich froh, als es vorbei war.

Sie waren 34, als Sie Ihre Karriere in Brasilien bei Cruzeiro Belo Horizonte beendet haben.

Ja, irgendwann ging es einfach nicht mehr, die Schmerzen waren zu groß. Das war schade, denn ich bin der Meinung, dass man so lange spielen sollte, so lange man fit ist. Schau dir doch den Zé Roberto an, der ist bald 50 und spielt immer noch (lacht).

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Noch ein anderes Thema: Wie haben Sie die Nachricht aufgenommen, dass Uli Hoeneß wieder frei ist?

Oh, wie ich mich darüber gefreut habe! Es war eine harte Zeit für ihn. Mir hat das auch sehr weh getan. Es war so, als wäre mein Papa ins Gefängnis gegangen.

Glauben Sie, dass er nochmal Bayern-Präsident wird?

Mein Herz sagt, er soll es lieber nicht machen, sondern sein Leben genießen. Aber mein Kopf sagt etwas anderes: Ich kann mir Uli nicht ohne Fußball vorstellen.


Über Giovane Elber

 

Der 43-Jährige wechselte 1997 vom VfB Stuttgart zum FC Bayern, wo er bis 2003 blieb und unter anderem die Champions League gewann. Mittlerweile betreibt er eine Rinderfarm in Brasilien.

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