241 Jahre Bankkompetenz

Jupp Heynckes wird am Samstag 64 Jahre alt. Und der FC Bayern liegt mit seiner sehr reifen Führungscrew voll im Trend: Alt ist das neue Jung.
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Bayerns Retro-Gang: Uli Hoeneß (57), Jupp Heynckes (wird am Samstag 64) und Hermann Gerland (54)
Bongarts/Getty Images Bayerns Retro-Gang: Uli Hoeneß (57), Jupp Heynckes (wird am Samstag 64) und Hermann Gerland (54)

Jupp Heynckes wird am Samstag 64 Jahre alt. Und der FC Bayern liegt mit seiner sehr reifen Führungscrew voll im Trend: Alt ist das neue Jung.

MÜNCHEN Wenn Jupp Heynckes im Stadion der Freundschaft an der Ludwig-Leichhardt-Allee in Cottbus auf der Trainerbank Platz nimmt, wird er schon so einige Schulterklopfer abbekommen haben. Weniger für das zuletzt beim FC Bayern Erreichte, sondern eher für sein Lebenswerk. Heynckes wird am Samstag 64 Jahre alt. In der Rangliste der ältesten Bundesligatrainer wird er derzeit nur von Hans Meyer geschlagen. Der wird im November 67.

20 Jahre und grundverschiedene Fußballphilosophien liegen zwischen Jürgen Klinsmann und seinem Nachfolger. Mit Klinsmann verschwanden noch weitere Jungspunde von der Bayern-Bank: Co-Trainer Martin Vazquez (45) und Mannschaftsarzt Rüdiger Degwert (49) wurden durch Hermann Gerland (54) und Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt (66) ersetzt. Mit einem Schlag stieg das Alter in diesem Bereich der Bank von 195 auf 241 – die älteste Führungscrew der Liga. Nur Uli Hoeneß blieb konstant: Er ist immer noch 57.

Retro - der neue Trend beim FC Bayern

Alt ist das neue Jung, ist wieder in – nicht nur beim FC Bayern. Die Werbe-Industrie stürzt sich auf die so genannten „Best Ager“, Plakatwände werden für Senioren freigeräumt. Vor drei Wochen ging beim Deutschen Filmpreis eine Auszeichnung an „Wolke 9“, einen Film, der sich mit Sex im Alter beschäftigt. Auch Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer kriecht zu Kreuze und reaktiviert für den kleinen CSU-Parteitag die schon aufs Abstellgleis verbannten Ex-Helden Edmund Stoiber (67) und Theo Waigel (70). Aber auch jüngere Generationen finden Retro total schick. Der FC Bayern liegt jedenfalls voll im Trend.

Auslöser dieser Entwicklung ist Uli Hoeneß. Wer den Bayern-Manager in den Tagen nach Klinsmanns Entlassung erlebte, wunderte sich: So gut gelaunt hatte man Hoeneß schon lange nicht mehr gesehen. Tabellenstand? Ja mei. Das Projekt Erneuerung grandios gescheitert? Egal, weiter! Wie befreit wirkte er, voller Vorfreude auf seinen alten Spezl Jupp Heynckes, und als die Personalien Gerland und Müller-Wohlfahrt dann auch noch geklärt waren („Doc, du sitzt am Samstag wieder auf der Bank!“), da hatte Hoeneß seine alte Erfolgstruppe aus den späten Achtziger-Jahren wieder beisammen. Ein Hauch von Nostalgie wehte am vergangenen Samstag durchs Stadion – nur, dass die Gladbacher ein paar Galaxien entfernt sind von ihren großen Zeiten, als sie jahrelang mit den Bayern die Meisterschaft unter sich ausmachten.

Heynckes kommt gut an

Jupp Heynckes war damals einer ihrer Helden, und Fußball-Weisheiten von ehedem hat er so einige in die Neuzeit hinüber gerettet, spricht gern von Disziplin, vom „malochen“, kann und will sich aber mit einigen Begriffen nicht mehr so recht anfreunden. Fast abschätzig sagt er: „Das Vertikalspiel wie man neudeutsch sagt, also: in die Tiefe spielen...“

Doch bei den Spielern kommt der Mann aus der Vergangenheit gut an. Alle sind voll des Lobes, fühlen sich gut angesprochen – zumindest die, die ihn verstehen. „Mit Franck Ribéry habe ich heute noch nicht gesprochen“, sagte der Coach gestern. Mein Französisch ist leider nicht so gut.“

Macht ja nichts, kann man alles noch lernen. Und jung genug ist Jupp Heynckes dazu allemal.

Thomas Becker

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