Schon bereit für die K.o.-Spiele? Der EHC im Playoff-Check

Im Topspiel gegen Mannheim will der EHC eine klare Botschaft senden. Die AZ macht den Check, ob das Team schon bereit für K.o.-Spiele ist.
| Martin Wimösterer
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Duell: Matthias Plachta (l.) und Zach Redmond.
Duell: Matthias Plachta (l.) und Zach Redmond. © City-Press GmbH

Es ist eigentlich nur eines von 52 Hauptrundenspielen in der Deutschen Eishockey Liga DEL. Eigentlich. Denn beim Spitzenspiel im Olympia-Eisstadion (19.30 Uhr) geht es für den EHC Red Bull München nicht gegen irgendwen. Es geht gegen die Adler Mannheim - den Erzrivalen.

Beide Kontrahenten trafen erst am Sonntag aufeinander. Eine denkwürdige Partie mit einer noch denkwürdigeren Pressekonferenz: EHC-Trainer Don Jackson sagte erst nichts und schoss dann gegen die Liga und Adler-Stürmer Matthias Plachta. Er fühlte sich "fucked". Derb und deutlich. Ein weiterer Ausdruck der Rivalität, die sich zwischen den Klubs über die Jahre immer wieder hochgeschaukelt hat.

EHC: Die Feindbilder sind klar

Manchmal ging es um Vorfälle in direkten Duellen auf dem Eis. Etwa 2018, als der Münchner Steve Pinizzotto Mannheims Plachta per Check niederstreckte. In anderen Fällen werfen die EHCler Plachta Schwalben vor.

Manchmal ging es um Spielerwechsel: So war der EHC auch an Tim Wohlgemuth und Korbinian Holzer dran - die Nationalspieler landeten aber in Mannheim. Dafür kam Adler-Kapitän Ben Smith im Sommer ans Oberwiesenfeld. Ein Transfer eines Schlüsselspielers von einem Topteam zum schärfsten Rivalen hatte es seit Jahren nicht mehr in der Liga gegeben.

Die Feindbilder sind klar: Die Münchner haben Plachta ausgemacht. In Mannheim kam Smiths Wechsel nicht gut an. Er sprach vor dem Hinspiel am Sonntag auch nicht von "opponents", also Gegnern, sondern von "enemies", also Feinden. Zusammengefasst: Die riesige Rivalität des Tabellenersten EHC mit dem Verfolger Mannheim ist nicht zu übersehen. Es geht zumindest darum, ein Statement auszusenden, das so schallert, dass es der direkte Rivale noch eine Weile spürt.

Die Emotionen sind also schon da, aus Aufstellung und Rückkehr von Kranken oder Verletzten wird ein großes Geheimnis gemacht. Wie in der K.o.-Runde. Und wenn man sich die vielen Spiele in diesen Wochen anschaut, spielt der EHC ohnehin schon eine Art Playoffs.

Ist der EHC schon im Modus? Die AZ macht den Check

Spielrhythmus: Der EHC hat bis Mitte Januar nur Englische Wochen. Im Eishockey sind das Wochen mit zumindest drei Partien binnen sieben Tagen. Das heutige Spiel ist für Don Jacksons Mannschaft das fünfte in acht Tagen - das ist definitiv endrundentauglich. Fazit: Der Playoff-Modus ist an

Form: Der EHC bestritt im November neun Spiele. Sechs davon gewann der Tabellenführer, beim Zweiten Mannheim verhält sich die Quote coronabedingt genau umgekehrt. Doch am Sonntag bezwang Mannheim den EHC. Stürmer Frank Mauer fand, München hat "am Schluss den Sieg hergeschenkt".
Fazit: playoff-tauglich

Statement-Spiele: Eine Fünfergruppe hat sich derzeit in der DEL etwas abgesetzt: München, Mannheim, der Meister Eisbären Berlin, Vizemeister Grizzlys Wolfsburg und etwas überraschend die Kölner Haie. Die Saisonbilanz des EHC gegen die Verfolger ist durchwachsen: Bisher gab es zwei Siege und drei Niederlagen.
Fazit: Da ist eine Steigerung nötig, um den Gegner schon mal vor den Playoffs die Grenzen aufzuzeigen.

Powerplay: Im Eishockey gibt es das alte Gesetz: Überzahltore in den Playoffs sind Gold wert. Der EHC hat am Dienstag beim 4:3-Derbysieg beim ERC Ingolstadt zwei Powerplays genutzt, die Panther nur eins. Deren Stürmer Mirko Höfflin sagte: "Die Münchner haben uns in Überzahl bestraft." Allerdings war dem EHC in den sechs Spielen zuvor nur ein Überzahltor gelungen. Die Gesamtbilanz des Vormonats von 15 Prozent ist eine schwache Quote - wobei die Adler Mannheim mit nicht mal fünf Prozent für diese Phase und Kategorie sogar Schlusslicht sind.
Fazit: Da geht noch mehr.

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Effektivität: Keiner nutzt, über die Saison gesehen, seine Chancen so effektiv wie Mannheim. Die Adler ließen dabei aber zuletzt (coronabedingt) nach. Der EHC marschiert konstant mit knapp zwölf Toren pro hundert Schüssen durch die Saison. Die Top-Formation um Trevor Parkes, Frederik Tiffels und Ben Street liefert recht zuverlässig. Nur in zwei Partien, in denen das Trio vereint war, punktete es nicht.
Fazit: ordentlich!

Torwartspiel: In K.o.-Spielen braucht man einen heißen Goalie. Gegen Ingolstadt hielt Danny aus den Birken durchaus ordentlich, patzte dann aber kurz vor Schluss, als er Louis-Marc Aubry die Scheibe auf dem Silbertablett servierte. Die November-Fangquote der EHC-Goalies war mit knapp 89 Prozent die drittschwächste der Liga.
Fazit: lauwarm

Enge Siege: "Wir machen es manchmal ein bisschen zu dramatisch gegen Spielende", sagte Street nach der Kiste in Ingolstadt. Die vergangenen fünf Partien des EHC endeten alle mit einem Tor Unterschied. Dreimal ging's gut, zweimal holten die Gegner zwei Punkte.
Fazit: Killerinstinkt schärfen!

Hingabe: Schüsseblocken ist nicht die Spezialität der Münchner. Nur drei Spieler haben mehr als zehn Blocks auf dem Konto. Aber gegen Ingolstadt war Stürmer Philip Gogulla einmal in höchster Not für seinen Goalie da. Der Veteran bestreitet heute bereits seine 900. DEL-Partie.
Fazit: auch da geht mehr.

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