Interview

EHC-Neuzugang Andrew Ebbett: "Der Familienrat hat einstimmig entschieden"

NHL-Routinier Ebbett ist der Neuzugang beim EHC. Exklusiv in der AZ spricht er über den Wechsel, seine Zeit an der Seite von Superstar Sidney Crosby und die Niederlage bei Olympia gegen Deutschland.
| Matthias Kerber
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Neu in München: Der Kanadier Andrew Ebbett im Trikot des SC Bern.
Neu in München: Der Kanadier Andrew Ebbett im Trikot des SC Bern. © imago images/Pius Koller

AZ-Interview mit Andrew Ebbett: Der 38-jährige NHL-Routinier (243 Spiele) unterschrieb am Montag einen Vertrag bis Saisonende beim EHC Red Bull München.

AZ: Herr Ebbett, aus der Fast-Eishockey-Rente zum EHC Red Bull München, wie kam es dazu, dass Sie sich entschieden haben, mit Ihren 38 Jahren die Karriere fortzusetzen?
ANDREW EBBETT: Nun, ich war seit 2015 beim SC Bern in der Schweiz, leider ging aufgrund der Corona-Krise und den damit einhergehenden Sparzwängen meine Zeit nach der vergangenen Saison dort zu Ende. Ich habe mir gesagt: Entweder kommt der Anruf von einem dieser Klubs, bei dem man nicht Nein sagen kann - oder ich beende die Karriere. Klar, der Drang, Eishockey zu spielen, wird immer in mir sein, aber eigentlich hatte ich mich schon mit dem Gedanken, die Schlittschuhe an den berühmten Nagel zu hängen, angefreundet. Ich bin mit mir - und dem, was ich im Eishockey erreicht habe - im Reinen.

Andrew Ebbett: "Gerade in Corona-Zeiten muss alles passen"

München war einer dieser Vereine, bei dem Sie nicht Nein sagen konnten?
Ja. Ich kenne den Klub gut. Wir sind in der Champions League und in Saisonvorbereitungsspielen einige Male aufeinandergetroffen. Mir hat gefallen, was ich gesehen habe. Ich habe mich dann umgehört, ich kenne EHC-Star Derek Roy oder den Ex-Münchner Derek Joslin gut, sie hatten nur das Beste zu berichten. Es gibt einen inneren Zirkel - meine Freundin, meine Eltern und noch ein paar Menschen, deren Meinung mir wichtig ist - den ich vor jeder großen Karriereentscheidung zurate ziehe. Der Familienrat hat einstimmig entschieden, dass ich mir die Chance, hier zu spielen, nicht entgehen lassen darf. Es war mir sehr wichtig, dass die Familie geschlossen hinter der Entscheidung steht. Gerade in Corona-Zeiten muss alles passen, wenn man so ein Abenteuer und die Gefahren, die damit einhergehen, auf sich nimmt. Es gab vor dem Angebot der Red Bulls ein paar andere Anfragen, aber da waren die Meinungen des Rates immer zwiegespalten - hier nicht.

Was war ausschlaggebend, in München zu unterschreiben?
Ganz wichtig war mir, dass ich in einer Mannschaft lande, die die Chance und das Potenzial hat, um die Meisterschaft mitzuspielen. Und, dass ich Menschen um mich habe, die gewinnen wollen und auch wissen, wie man gewinnt. Ich habe am Wochenende eine halbe Stunde mit Trainer Don Jackson telefoniert, und er hat mich mit seinen Vorstellungen sofort davon überzeugt. Wenn in Deutschland einer weiß, wie man gewinnt, dann Jackson!

"Es wird immer so lange gespielt, bis Crosby gewonnen hat"

Jetzt also Bayern statt Bern. Wie sieht es eigentlich mit der deutschen Sprache aus?
Nicht gut, muss ich gestehen. Ein Freund von mir sagte: Erst Berner Deutsch, dann Bairisch. Viel Spaß damit, dich würde im Rest von Deutschland eh nie jemand verstehen. Also rede ich besser englisch.

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Sie haben in Ihrer Karriere 243 Spiele in der NHL bestritten, waren bei den Pittsburgh Penguins Teamkollege von Sidney Crosby. Ist er der beste Eishockeyspieler der Welt?
Er ist das absolute Gesamtpaket. Ich kann mich glücklich schätzen, dass ich allein schon zuschauen durfte, wie er trainiert, wie er sich vorbereitet. Es ist kein Zufall, dass er so gut ist, wie er ist. Auch, wenn Connor McDavid ihn vielleicht, was Geschwindigkeit und Dynamik angeht, überholt hat, würde ich Crosby noch als den besten Spieler der Welt einstufen. Ich würde ihm auch nie sagen, dass McDavid ihn in irgendeiner Kategorie überholt hat. Crosby würde das nie hinnehmen, er ist der härteste Wettkämpfer, den die Welt gesehen hat. Er akzeptiert keine Niederlagen. Nicht auf dem Eis, und auch nicht bei irgendeinem dummen Spiel, das in der Kabine gemacht wird. Es wird immer so lange gespielt, bis Crosby gewonnen hat. (lacht)

Es gibt zwei Arten von Spielern, die, die es lieben, zu gewinnen und die, die es hassen zu verlieren. Wo würden Sie sich einstufen?
Eine der besten Fragen, die ich je erhalten habe. Ich glaube, ich hasse es noch mehr, zu verlieren. Der Stolz, den man daraus zieht, Niederlagen abzuwenden, ist noch größer als der Spaß am Sieg.

Andrew Ebbett: "...und dann verlierst du gegen Deutschland"

Das führt uns zu einem Moment, den Sie hassen müssen: die Niederlage mit Kanada im Halbfinale bei Olympia 2018 gegen Deutschland. Beim EHC sind noch fünf Spieler der Siegermannschaft aktiv...
Das war einer der Gründe, die gegen den Wechsel nach München sprachen, denn das wird mir sicher gleich unter die Nase gerieben. (lacht) Aber Spaß beiseite, diese Niederlage war mit die größte Enttäuschung meiner Karriere. Man steht mit Kanada im Halbfinale, der Kampf um Gold gegen Russland winkt, und dann verlierst du gegen Deutschland. Aber die Deutschen haben unglaublich gespielt. Die Partie am nächsten Tag um Bronze, war anfangs das Spiel, bei dem es mir vielleicht am schwersten gefallen ist, mich zu motivieren. Aber im Nachhinein bin ich stolz und glücklich über Bronze und das Erlebnis Olympia. Es ist eines der Highlights schlechthin. Dass wir die Partie gewonnen haben, zeugt von dem Charakter unserer Mannschaft.

Und dass das Team es hasste, zu verlieren.
So sieht es aus.

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