Die Poldi-Demo

Bayerns Edelreservist trifft in der Nationalmannschaft statt zu jammern. Nun will Real Madrid den Nationalstürmer, der beim 6:0 in Liechtenstein zum Auftakt der WM-Qualifikation zwei Tore beisteuerte.
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Lukas Podolski zeigte zuletzt in der Nationalmannschaft ansprechende Leistungen.
dpa Lukas Podolski zeigte zuletzt in der Nationalmannschaft ansprechende Leistungen.

ST. GALLEN - Bayerns Edelreservist trifft in der Nationalmannschaft statt zu jammern. Nun will Real Madrid den Nationalstürmer, der beim 6:0 in Liechtenstein zum Auftakt der WM-Qualifikation zwei Tore beisteuerte.

Gäbe es also einen FC Deutschland, Lukas Podolski würde sofort wechseln. Und womöglich würde ihm Bayern-Manager Uli Hoeneß auch direkt die Freigabe erteilen - aus nationalem Interesse. Beim 6:0 der Nationalelf Liechtenstein glänzte der 23-Jährige zum Auftakt der WM-Qualifikation wieder mit einem Doppelpack, erzielte die beruhigenden Treffer zum 1:0 vor der Pause und zum 2:0 kurz nach dem Seitenwechsel.

Zwei Tore gegen einen Zwerg, das kann keine besondere Genugtuung für einen Vize-Europameister sein. War es doch. Podolski feierte seine Treffer mit geballter rechter Faust und auch die Art und Weise, wie intensiv ihm die Mitspieler gratulierten, zeigte, dass etwas Besonderes passiert ist. Und es war nicht die Tatsache, dass er mit seinen Länderspieltoren Nummer 29 und 30 nun Andreas Möller im ewigen DFB-Ranking überholt hat und nun 14. ist (noch drei Treffer und Podolski hat Fritz Walter eingeholt).

Es ging um ihn, um seine Laune, die nach der Verbannung auf die Ersatzbank durch Bayern-Trainer Jürgen Klinsmann trotz guter Form am Tiefpunkt angelangt war. Felix Magath und Ottmar Hitzfeld hatten ihm in den letzten beiden Jahren nur Teileinsätze gewährt, mit Klinsmann, seinem WM-Bundestrainer und einstigen Förderer, sollte alles besser werden. Wurde es nicht. Luca Toni ist bei Bayern gesetzt, Miroslav Klose wird durchgeschleppt - trotz Krise. Kaum bei der Nationalelf angekommen, startete der Stürmer eine Medien-Offensive, redete sich Mitte der Woche den Frust von der Seele, der darin gipfelte, dass er auf die Frage, ob er mit dem Wissen um die heutige Situation ebenfalls bei Bayern unterschrieben habe, antwortete: „Nein, noch mal würde ich dann nicht unterschreiben.“ Es folgte eine Jammer-Debatte. Hoeneß griff ihn an, er selbst verteidigte sich, Bundestrainer Löw verteidigte ihn. Gegen Liechtenstein lautete sein Motto: Frustbekämpfung durch Tore. Es war die Poldi-Demo, er war der beste DFB-Spieler.

„Nein, das war kein Gruß nach München“, sagte Podolski, „ich habe hier gespielt, Spaß gehabt und Tore gemacht.“ So einfach ist das bei Podolski. Spiel. Spaß. Tore. „Er ist einfach eine Frohnatur", meinte Teammanager Oliver Bierhoff. Poldi will halt nur spielen. Für Deutschland. Und für den 1. FC Köln, den Klub seines Herzens. Nächster Versuch für einen Wechsel: Die Winterpause. „Ich hoffe, dass die Bayern auch die menschliche Komponente beachten, für die sie immer stehen“, sagte Kölns Manager Michael Meier gestern im DSF und erklärte: „Lukas ist ein Spaßfußballer. Er fühlt sich offensichtlich in München nicht wohl, was aber nicht am Verein liegt. Wenn die Bayern in der Winterpause eine Alternative finden, dann rechnen wir uns Chancen aus.“ Dann müssten sie allerdings Real Madrid überbieten. Coach Bernd Schuster braucht einen Ersatz für Robinho (an Manchester City verkauft), er möchte, dass der Deal vorangetrieben wird. Laut der Sporttageszeitung „Marca“ sei Podolski die „erste Option“. Der Umworbene meinte: „Das will ich nicht kommentieren.“ Er hätte auch sagen können: „Kommt für mich nicht in Frage.“ Machte er nicht.

Patrick Strasser

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