TV-Ansprache von König Felipe wird zum Desaster: Warum kam es zum Protest?

Inmitten der Corona-Krise wollte König Felipe den Spaniern Mut zusprechen. Doch während seiner Rede zur Nation ist es zum "historischen Topfschlagen" gekommen. Tausende protestierten mit Kochgeschirr gegen das spanische Königshaus und äußerten so ihren Unmut.
| AZ, dpa
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Eine Frau protestiert gegen Spaniens König Felipe VI.
Alvaro Barrientos/AP/dpa/dpa Eine Frau protestiert gegen Spaniens König Felipe VI.

In der sieben Minuten langen Rede ermutigte der 52-Jährige am Mittwochabend die Spanier: "Dieses Virus wird uns nicht bezwingen. Es wird uns als Gesellschaft stärker machen." Dennoch protestierten die Bürger gegen ihren König – lautstark. So etwas gab es noch nie!

Randale und Protest bei Rede des spanischen Königs

Als Felipe in seiner Residenz nordwestlich von Madrid vor die Kamera trat, rollte eine Krach-Lawine über das Land. Tausende Spanier schlugen auf Balkonen und an Fenstern gegen Töpfe und Pfannen, um gegen das ihrer Überzeugung nach korrupte Königshaus zu protestieren. Das Motto: "Corona Ciao", Corona tschau. Nein, nicht das heimtückische Virus ist mit "Corona" gemeint, sondern die "Krone".

Eine Frau protestiert gegen Spaniens König Felipe VI.
Eine Frau protestiert gegen Spaniens König Felipe VI. © Alvaro Barrientos/AP/dpa/dpa

In Madrid war der Krach nicht nur im Arbeiter-Vorort Vallecas und in den von vielen Studenten und Intellektuellen bewohnten Vierteln La Latina und Malasaña ohrenbetäubend.  Auch in eher konservativen und eigentlich königstreuen Stadtteilen wie Almagro, Rios Rosas und Trafalgar war die Aktion, zu der auf Whatsapp und in sozialen Netzwerken aufgerufen worden war, eindrucksvoll laut. "Hau endlich ab, Felipe", schrie ein Mädchen aus einem Fenster unweit der U-Bahn-Station Iglesias, und prompt brandete bei den Nachbarn Jubel auf. Befolgt wurde der Aufruf außerdem nach Medienberichten, vor allem unter anderem in Barcelona und ganz Katalonien, in Galicien, im Baskenland und auf Mallorca.

Viele Skandale im spanischen Köngishaus

Das spanische Königshaus steckt in einer tiefen (Image-)Krise. Es gab die umstrittene Elefantenjagd von Felipes Vater Juan Carlos in Botsuana, den Steuerbetrugsskandal um den Mann von Felipes Schwester Cristina und eine Finanzaffäre des Ex-Königs. Immer mehr Spanier fordern nun, dass der Königshof die umstrittenen Gelder für den Kampf gegen die Corona-Krise spendet. Juan Carlos soll 2008 Schmiergeld in Höhe von 100 Millionen US-Dollar aus Saudi-Arabien kassiert haben.

Warum gab es Topfschlagen auf spanischen Straßen?

Aber auch Felipe, der bisher als "Saubermann" galt, gerät nun in die Schusslinie. Sein Name war nämlich - offenbar ohne sein Wissen - als Begünstigter einer dubiosen Offshore-Stiftung aufgetaucht. Dass er am Sonntag öffentlich mit seinem Vater brach, auf sein Erbe verzichten will und Juan Carlos auch noch das Gehalt von rund 194.000 Euro jährlich strich, brachte nicht viel ein. Auch nicht, dass er in seiner Rede an die Nation am Mittwoch Präsenz zeigte und dem Volk Mut zusprach.

Nach Italien ist Spanien das von der Corona-Krise am stärksten betroffene Land Europas. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums lag die Zahl der mit dem Covid-19-Erreger Sars-CoV-2 infizierten Menschen bei knapp 14.000. Knapp 600 davon starben.

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