Trotz "Traumschiff"-Diskussionen um Promis: ZDF hält an "Reichweitenstrategie" fest

Horst Lichter (64), Evelyn Burdecki (37), Helene Fischer (41) – die Liste prominenter Gaststars bei "Das Traumschiff" ist lang. Vor wenigen Tagen scherzte auch Matthias Killing (46) darüber, gerne mal ein Gastspiel in dem Format geben zu wollen. Bislang hat sich das ZDF noch nicht bei dem Moderator gemeldet – aber die AZ hat nachgehakt. Wie trifft der Sender eigentlich seine Besetzungsentscheidungen? Und wird man weiterhin an Promi-Gaststars festhalten?
Moderator beim "Traumschiff": Laut ZDF "nicht ausgeschlossen"
Auf AZ-Nachfrage verrät eine ZDF-Sprecherin: "Ein möglicher Gastauftritt von Matthias Killing beim 'Traumschiff' war bislang kein konkretes Thema. Grundsätzlich ist so etwas aber nicht ausgeschlossen. Es gibt immer wieder prominente Persönlichkeiten, die Interesse an einem Auftritt beim 'Traumschiff' haben. Über entsprechende Gastauftritte entscheiden Redaktion und Produktion gemeinsam – stets mit Blick auf die jeweilige Geschichte und die dramaturgischen Anforderungen."
"Auch in der Vergangenheit waren beim 'Traumschiff' immer wieder prominente Nicht-Schauspielerinnen und -Schauspieler zu sehen, darunter Thomas Gottschalk, Udo Jürgens oder Inka Bause", so die Sprecherin vom ZDF weiter. "Solche Cameo-Auftritte können für besondere und unterhaltsame Momente sorgen. Wenn sie inhaltlich und erzählerisch passen, bleiben sie daher auch künftig eine mögliche Option."

Gute Nachrichten für den "Frühstücksfernsehen"-Star, der in einer neuen Folge seines Podcasts "Redebedarf" erneut über das "Traumschiff" spricht. Schmunzelnd reagiert er auf die Schlagzeilen, die er mit seinen angeblichen Schauspielambitionen ausgelöst hat und meint: "Mit mir hat niemand gesprochen. Das wollte ich einmal klarstellen. Aber liebe 'Traumschiff'-Kollegen, wenn ihr mit mir sprechen wollt, Kontakte sind da. Ich hätte Bock!"
Medienexperte zur AZ: "Zeigt Persönlichkeit und Humor"
Durch wechselnde Gaststars möchte man beim ZDF das "Traumschiff" immer wieder aufmischen. Dass dabei gerne auf Namen zurückgegriffen wird, die nicht aus der Schauspielbranche kommen, sorgte in der Vergangenheit schon für Kritik. Selbst Hauptdarstellerin Barbara Wussow (63) äußerte sich skeptisch in einem Interview: "Ich finde es schade, dass Schauspielern Rollen entgehen, weil man Influencer besetzt, die von Schauspielerei zum Teil keine Ahnung haben."
Im Fall von Matthias Killing schätzt Medienexperte Ferris Bühler die Sache aber entspannt ein: "Matthias Killing ist kein Influencer ohne Fernseherfahrung, sondern seit vielen Jahren ein etablierter Moderator." Von einem sympathischen Gastauftritt könne er eigentlich nur profitieren, glaubt der Experte. "Entscheidend ist die Dosierung: Wenn er sich selbst mit einem Augenzwinkern spielt oder eine kleine Rolle übernimmt, zeigt das Persönlichkeit und Humor. Das Publikum erwartet heute ohnehin, dass Medienmenschen auch unterschiedliche Facetten zeigen."

Matthias Killings Reputation als ernstzunehmender Moderator sei also nicht gefährdet – sofern er einen bestimmten Fehler vermeidet. "Problematisch würde es erst, wenn Unterhaltung plötzlich wichtiger wäre als seine eigentliche journalistische Rolle", erklärt Ferris Bühler der AZ. "Ein Gastauftritt auf dem 'Traumschiff' macht aus einem seriösen Moderator keinen Schauspieler, genauso wenig wie ein Promi-Auftritt in einer Quizshow jemanden zum Comedian macht. Wenn aber die Rolle passt und nicht gekünstelt wirkt, kann das seiner Bekanntheit sogar helfen."
Trotz Kritik: ZDF setzt mit berühmten Gaststars auf "zusätzliche Währung"
Dass das ZDF auch zukünftig auf berühmte Gaststars setzen möchte, bezeichnet Ferris Bühler als "klassische Reichweitenstrategie". Der Experte zur AZ: "Das ZDF weiß, dass das 'Traumschiff' zwar eine treue Stammkundschaft hat, aber immer stärker um Aufmerksamkeit kämpfen muss. Prominente aus anderen Bereichen bringen ihre eigene Community mit, was heute eine zusätzliche Währung ist. Wer Millionen Follower hat, macht gratis Werbung für die Sendung."

Diskussionen um manche Besetzungsentscheidungen kommen für den Experten nicht überraschend: "Natürlich sorgt das regelmäßig für Kritik, weil viele Zuschauer lieber professionelle Schauspieler sehen würden." Doch aus Sendersicht sei das eine "kalkulierte Abwägung": "Lieber Diskussionen auslösen als gar keine Aufmerksamkeit bekommen. Gerade in einem immer fragmentierteren Medienmarkt ist Sichtbarkeit oft wichtiger als Einstimmigkeit." Welche Promis sich als Nächstes auf dem "Traumschiff" die Ehre geben? Das bleibt wohl abzuwarten.