Sofia Coppolas "The Beguiled“ kann nicht überzeugen

Sofia Coppola, die auch zum Münchner Filmfest kommt, kann in Cannes mit der Neuverfilmung von "The Beguiled“ nicht überzeugen
| Adrian Prechtel
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Die Schauspielerinnen Kirsten Dunst (l.), Nicole Kidman und Elle Fanning in Cannes beim Fototermin für den Film „Die Verführten“ ("The Beguiled").
Arthur Mola/Invision/AP/dpa Die Schauspielerinnen Kirsten Dunst (l.), Nicole Kidman und Elle Fanning in Cannes beim Fototermin für den Film „Die Verführten“ ("The Beguiled").

Sofia Coppola, die auch zum Münchner Filmfest kommt, kann in Cannes mit der Neuverfilmung von "The Beguiled“ nicht überzeugen.

Das Versprechen, besonders wichtige Filme zu versammeln, ist nie ganz frei von Zwängen. Es kann jedenfalls kein Zufall sein, dass Nicole Kidman zum dritten Mal in einer Woche für einen Film den Roten Teppich hochstieg und so zur diesjährigen Königin und zum Blickfang von Cannes wurde. So verzwergten neben ihr Elle Fanning und Kirsten Dunst fast.

Sofia Coppolas Südstaaten-Bürgerkriegsdrama mit den dreien, "The Beguiled“, wurde von der Presse wenig freundlich aufgenommen – mit Zuschreibungen wie "David-Hamilton-artiger Kitsch“. Vor allem wurde kritisiert, dass Colin Farrell verglichen mit Clint Eastwood jeglicher Sexappeal abgehe. Der wiederum hatte in Cannes gerade eine Masterclass gegeben und war 1971 in Don Siegels Film "The Beguiled“ der Nordstaaten-Soldat, den eine Mädchenpensionats-Tochter verletzt im Wald findet und nach Hause bringt.

Auch in der Neuverfilmung buhlen die Schulleiterin (Kidman), Lehrerin (Dunst) und Schülerinnen in dem prächtigen Gutshaus im Jahr 1864 fast beiläufig um die Aufmerksamkeit des Neuankömmlings. Dann werden sie forscher und beäugen sich gegenseitig argwöhnisch. Coppolas neue Version sollte den "weiblichen Blick“ auf das Historiendrama des Schriftstellers Thomas Cullinan werfen.

Aber schon in der Pressekonferenz gab die Regisseurin zu, man könne ihren "feministischen“ Film auch als machistisch sehen. Nicole Kidman wurde deutlicher: Sie beklagte den Mangel an Regisseurinnen. Nur bei vier Prozent der 100 einspielstärksten Filmen führten Frauen Regie. Auch bei den vielen Serienangeboten sei das nicht anders, kritisierte die 49-jährige Oscarpreisträgerin ("The Hours“).

Vielleicht hat man Coppolas "The Beguiled“ absichtlich in einen toten Winkel des Festivals gepackt, das in der Mitte der zweiten Woche an Aufmerksamkeit verliert, ehe die Fieberkurve zum Palmenvergabe-Wochenende wieder steigt. So konnte man jetzt spannendes amerikanisches Autorenkino erleben: Die erst Anfang dreißigjährigen New Yorker Brüder Josh und Benny Safdie haben "Good Time“ unter großem Applaus vorgestellt.

Das Coup-, Flucht- und Rettungsdrama erinnert an "New Hollywood“ wie Scorseses "Taxi Driver“. In die dichte Geschichte eines Banküberfalls zweier verzweifelter Brüder, in die der ältere den geistig etwas zurückgebliebenen Bruder hineinzieht, ist mehr als Spannung gepackt: Man erlebt schlaglichtartig das amerikanische Justiz-, Polizei- und Gesundheitssystem, das Lebensgefühl von sozial Abgehängten, aber nichts wird in dem spannenden Film mit erhobenem Zeigefinger erzählt.

Bemerkenswert ist auch, wer den Älteren und Handelnden spielt, der seinen verhafteten Bruder aus dem Krankenhaus rausholen will: Robert Pattinson. Und der hat nach seinen frühen Vampirfilm-Erfolgen und folgenden mäßig erfolgreichen Kunstfilmen jetzt die Chance, mit "Good Times“ wieder ins Rampenlicht zu kommen – als packender Charakterdarsteller. Ein Schub dazu könnte der Darstellerpreis am Sonntag werden.

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