"Schließen Sie es aus?": Markus Lanz lockt Hubertus Heil bei Frage nach dem SPD-Vorsitz aus der Reserve

Die Reformvorhaben der schwarz-roten Koalition sorgen derzeit für spürbare Spannungen und setzen Bundeskanzler Friedrich Merz weiter unter Druck. Gleichzeitig wird lauter darüber spekuliert, welchen Kurs die SPD einschlagen muss, um wieder an Profil zu gewinnen. Markus Lanz griff die Lage am Dienstagabend auf und diskutierte in seiner ZDF-Sendung die Folgen der jüngsten Landtagswahlen. Im Mittelpunkt standen dabei Rentenpolitik, Sozialgerechtigkeit und die Frage, wie stark die soziale Mitte tatsächlich entlastet wird.
SPD-Politiker Hubertus Heil machte zu Beginn klar, dass ihm "der Zustand der Demokratie" große Sorgen bereite. Als er in diesem Zusammenhang für eine Stärkung der Sozialdemokratie warb, hakte Lanz sofort nach: "Es sind so diese Phrasen - 'Wir brauchen eine starke Sozialdemokratie' -, was heißt denn das?" Heil erklärte, es gehe um eine Gesellschaft, in der "Leistungsgerechtigkeit" gelte.
Doch Lanz blieb skeptisch: "Leistungsgerechtigkeit?" Heil präzisierte: "Ich finde, dass Anstrengung, Arbeit, Einsatz sich lohnen muss." Für Lanz war das die Steilvorlage zur nächsten Zuspitzung: "War das Bürgergeld leistungsgerecht?" Heil antwortete ohne Umschweife: "Nein, deshalb haben wir es auch reformiert. Da haben wir Fehler gemacht." Lanz konterte: "Sie haben nicht reformiert, Sie wurden abgewählt!" Heil reagierte sichtbar gereizt: "Ja, ich habe das Wahlergebnis gesehen. Aber nicht alleine wegen des Bürgergelds!"
Der Moderator setzte nach und fragte: "Ist es leistungsgerecht, wenn beim Bürgergeld ungefähr jeder Zweite gar keinen deutschen Pass hat?" Heil widersprach deutlich: "Das hat nichts mit der Frage von Leistungsgerechtigkeit zu tun, die Frage des Passes!" Lanz hielt dagegen: "Doch!" Heil blieb daraufhin bei seiner Linie: "Nein, die Frage ist: Kriegen wir es hin, Menschen in Arbeit zu bringen und lohnt sich Arbeit?" Zugleich beklagte er, beim Bürgergeld sei "ein Missverständnis entstanden", welches "die Gesellschaft ein Stück polarisiert" habe.
Hubertus Heil: "Das ist eine ausgelutschte Floskel"
Für Lanz war das zu wenig. Er fragte nach: "Ein Missverständnis?" Heil: "Es ist ein Missverständnis über unsere Haltung entstanden." Lanz reagierte fassungslos: "Es geht ja nicht um Haltung, es geht ja um konkrete Politik, die Sie zu verantworten haben!" Dann wurde der Moderator grundsätzlich: "Sie sagen immer: 'Wir sind der Anwalt der kleinen Leute.' Wenn man dann mal genauer hinschaut, stellt sich heraus: Nein, der Anwalt der hart arbeitenden Mitte (...) sind Sie gerade nicht."
Heil wollte diese Zuschreibung nicht stehen lassen. Er kritisierte die Begrifflichkeiten selbst: "Erstens habe ich mit dieser Floskel 'kleine Leute' ein Problem. Und von mir werden Sie das mit der hart arbeitenden Mitte auch nicht hören. Das ist eine ausgelutschte Floskel!"
Journalistin Ursula Weidenfeld hielt dagegen und ging Heil frontal an: "Wir haben in den letzten zehn, 15 Jahren dafür gesorgt, dass Menschen, die nicht ganz alt sind, die mittelgut verdienen, immer stärker belastet werden. Und das tun Sie bis heute! Und das verteidigen Sie auch bis heute!" Sie legte nach: "Was Sie tun, ist einen Generationenkonflikt zu verschweigen, weil Sie ihn immer zugunsten der Älteren entscheiden!" Heil wies das zurück: "Nein, das stimmt nicht!" Weidenfeld blieb jedoch hartnäckig und stellte klar: "Warum wählen denn junge Leute nicht mehr die SPD und nicht die CDU? Weil Sie Kompromisse machen, die auf dem Rücken von jungen Leuten passieren!"
Markus Lanz stichelt in Richtung Hubertus Heil: "Ich lege Ihnen das jetzt in den Mund"
Nachdem Heil immer wieder leidenschaftlich für die SPD argumentiert hatte, lenkte Lanz das Gespräch plötzlich auf Personalfragen. Er wollte wissen, ob Heil sich den SPD-Vorsitz vorstellen könne. Heil reagierte überrascht: "Wo habe ich das gesagt?" Lanz grinste: "Ich lege Ihnen das jetzt in den Mund. Sie haben natürlich Lust darauf!"
Heil wich aus und erklärte seine Motivation grundsätzlich: "Wissen Sie, was meine Motivation ist, mich jetzt stärker öffentlich zu Wort zu melden? (...) Ich bin nach wie vor Abgeordneter meines Wahlkreises. (...) Und meine Überzeugung ist: Man muss etwas für die Demokratie tun. Und ich will auch etwas für eine stärkere Sozialdemokratie tun." Lanz blieb unbeirrt weiter dran: "Das meine ich doch. Das können Sie doch gut, wenn Sie Parteichef sind." Heil stellte klar: "Ich führe aber keine Personaldebatten, auch wenn Sie das wollen."
Lanz fragte dennoch erneut: "Hätten Sie Lust auf Parteichef?" Heil blieb vage: "Ich will meinen Beitrag leisten - wo auch immer -, dass diese Partei, die mir am Herzen liegt, wieder stärker wird." Als Lanz nachlegte - "Schließen Sie es aus?" -, wiederholte Heil: "Ich führe keine Personaldebatten." Für Lanz war die Sache damit trotzdem klar: "Ich lese das so: Hubertus Heil (...) steht bereit." Journalist Marc Felix Serrao kommentierte trocken: "Dementi klingt anders!" Hubertus Heil konterte derweil genervt: "Das sind aber die üblichen Spielchen!"
Zum Ende nahm Lanz noch einmal den sozialpolitischen Markenkern der SPD ins Visier und stellte fest: "Die SPD war mal eine Partei für ein Aufstiegsversprechen. Und in dem Moment, wo es einer irgendwie nach oben schafft, sagen sie ihm sofort: 'Rolex und Porsche'. Das ist nicht gut." Heil wies dies entschieden zurück: "Das werden Sie bei mir nicht hören. Und zwar, weil ich kein neidischer Mensch bin." Lanz' Schlussappell blieb dennoch unmissverständlich: "Arbeiten muss sich deutlich mehr lohnen, als es nicht zu tun. Das ist die eine Aufgabe. Und die andere Aufgabe ist, man muss dafür sorgen, dass man dann von der Arbeit (...) auch einigermaßen vernünftig leben kann."