Markus Lanz ärgert sich über "Politikerfloskeln" vonseiten der CDU: "Für wie doof hält man die Leute?"

Muss die Regierung ihre Politik "einfach nur besser erklären"? Nein, findet Markus Lanz. Im Podcast "Lanz + Precht" ereifert sich der ZDF-Moderator über die Worte, die Merz und Co. zuletzt an die Bevölkerung richteten.
Franziska Wenzlick |
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Müssen die Parteien die "Leute abholen, wo sie sind"? Markus Lanz findet: "Ihr seid ja kein Busunternehmen!"
Müssen die Parteien die "Leute abholen, wo sie sind"? Markus Lanz findet: "Ihr seid ja kein Busunternehmen!" © ZDF / Lanz + Precht

Markus Lanz hat die Nase voll von "Politikerfloskeln, die kein Mensch mehr hören will" - vor allem vonseiten der Union. In der aktuellen Ausgabe des Podcasts "Lanz + Precht" nennt der ZDF-Moderator ein Beispiel: "Wir müssen jetzt ein bisschen mehr Emotionen in die Politik bringen. Wir müssen die Leute abholen, wo sie sind." Lanz tadelt: "Ihr seid ja kein Busunternehmen! Ihr seid ja nicht der Flixbus der CDU! Ihr müsst niemanden irgendwo abholen. Die Leute nutzen im Zweifel irgendwie Bus und Bahn schon selber."

"Der schlimmste Satz in dem Zusammenhang" sei jedoch ein anderer, ergänzt der Polittalker: "Wir müssen unsere Politik besser erklären." Das sei herablassend, findet Lanz: "Für wie doof hält man die Leute?" Es handle sich dabei nur um einen "weiteren paternalistischen Ausfallschritt", beanstandet der Journalist. "Dass man sagt: Passt auf, ihr Dummerchen, wir müssen es euch einfach nur ein bisschen besser erklären. Ihr habt das mit der Globalisierung nicht richtig verstanden."

Das Gegenteil sei Lanz zufolge der Fall: "Umgekehrt wird ein Schuh draus." Die Leute seien heutzutage "so gut informiert" wie nie zuvor. "Die durchschauen Dinge, die verstehen Systeme. Wir haben ja auch Zugang zu Wissen in einer Art und Weise, wie wir es noch nie hatten." Seines Erachtens wirke es deshalb "unglaublich hilflos", sich nach Wahlniederlagen wie jüngst in Sachsen-Anhalt mit derartigen Phrasen an das Volk zu wenden.

Precht plädiert für Merz-Rücktritt, doch Lanz mahnt: "Damit ist es nicht getan"

Nach der dortigen Landtagswahl am vergangenen Sonntag - bei der die CDU mit 17,2 Prozent der Stimmen weit abgeschlagen hinter der AfD (43,8 Prozent) landete - war Friedrich Merz vor die Presse getreten und hatte Fehler bei seiner Kommunikation eingeräumt. Unter anderem hatte der Bundeskanzler erklärt, dass ihm "viele Menschen" in seinen Gedanken "nicht folgen, nicht folgen können und nicht folgen wollen".

Während Richard David Precht glaubt, dass anstelle solch ungünstig formulierter Reden ein Rücktritt des Regierungschefs der Union Aufwind verschaffen könnte, hält Markus Lanz auch dies nicht für den richtigen Weg. "Ich nehme dieses Rumoren wahr. Ich merke auch, wie brutal Politik dann plötzlich wird, wie gnadenlos Parteien werden, wenn der Anführer vorne vermeintlich nicht mehr funktioniert", sagt er. "Aber warum verstehen wir nicht, dass es damit nicht getan ist, jetzt an diesem Punkt jemanden wie Friedrich Merz einfach auszutauschen?"

Sein Podcast-Partner glaubt indessen an "ein kleines Momentum, weil Merz auch als Person enorm unbeliebt ist". Prechts Vermutung: "Das wäre schon günstig für die CDU." Er selbst würde "den Rücktritt für angemessen halten", betont der TV-Philosoph, räumt aber auch ein, "dass das systemische Problem nicht Friedrich Merz heißt - sondern deutlich größer ist".

Die ganze Episode von "Lanz + Precht" gibt es unter anderem auf Spotify und Apple Podcasts sowie als Video-Podcast im YouTube-Kanal des ZDF.

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