"Maischberger"-Runde kritisiert Stolperstein-Verbot: "Das ist geschichtsvergessen"

Nach dem Stolperstein-Beschluss in Heidenau wächst die Empörung. Bei "Maischberger" üben Junge-Union-Chef Johannes Winkel und SPD-Politiker Ralf Stegner scharfe Kritik. Holocaust-Überlebende Charlotte Knobloch warnt vor der AfD.
Marko Schlichting |
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Johannes Winkel (links) und Ralf Stegner verurteilten bei Sandra Maischberger den Stolperstein-Beschluss von Heidenau.
WDR / Oliver Ziebe 2 Johannes Winkel (links) und Ralf Stegner verurteilten bei Sandra Maischberger den Stolperstein-Beschluss von Heidenau.
Auch Charlotte Knobloch kritisiert die Entscheidung in Heidenau: "Ich bin zufrieden, wenn Leute an Orten in ihrer Stadt gedenken, und nicht auf den Friedhöfen."
WDR / Oliver Ziebe 2 Auch Charlotte Knobloch kritisiert die Entscheidung in Heidenau: "Ich bin zufrieden, wenn Leute an Orten in ihrer Stadt gedenken, und nicht auf den Friedhöfen."

Die Entscheidung löste Empörung in ganz Deutschland aus. Der Stadtrat von Heidenau bei Dresden hat sich vor Kurzem gegen die Verlegung weiterer Stolpersteine zur Erinnerung an während der Nazi-Zeit ermordete Jüdinnen und Juden ausgesprochen.

Der entsprechende Antrag wurde mit den Stimmen von AfD und CDU angenommen. Man solle der ermordeten Menschen in Zukunft auf dem Nordfriedhof der Stadt gedenken, hieß es. Die Entscheidung wurde bundesweit scharf kritisiert. Bundesbildungsministerin Karin Prien von der CDU, die jüdische Wurzeln hat, nannte sie einen Skandal.

Auch bei Sandra Maischberger ist der Beschluss des Stadtrats von Heidenau am Mittwochabend Thema. Die Zusammenarbeit von AfD und CDU in Heidenau sei "katastrophal", sagte der Bundesvorsitzende der Jungen Union, Johannes Winkel. "Das ist geschichtsvergessen. Das darf es nicht geben in Deutschland", fügte der SPD-Politiker Ralf Stegner hinzu.

"Ich bin zufrieden, wenn Leute an Orten in ihrer Stadt gedenken und nicht auf den Friedhöfen"

Charlotte Knobloch war Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland. Auch die 93-Jährige ist am Mittwochabend Gast bei Maischberger. Die Jüdin, die sich während der NS-Zeit in einem Dorf verstecken konnte, hatte sich ursprünglich gegen Stolpersteine ausgesprochen. Dadurch würden die Opfer symbolisch erneut mit Füßen getreten, sagt sie.

Knobloch lebt in München. Dort sind an vielen Hauswänden in Augenhöhe "Erinnerungszeichen" angebracht. Das sind Tafeln an Hauswänden oder Stelen vor Orten, an denen Frauen, Männer und Kinder gelebt und gearbeitet haben, die von den Nazis ermordet wurden.

Auch sie kritisiert die Entscheidung in Heidenau. "Ich bin zufrieden, wenn Leute an Orten in ihrer Stadt gedenken und nicht auf den Friedhöfen", sagt sie.

Holocaust-Überlebende Charlotte Knobloch: "Die AfD gehört weg"

Am Mittwochabend spricht Charlotte Knobloch über die Angst, die viele Jüdinnen und Juden wieder in Deutschland haben. Zwar spricht sie sich sehr deutlich gegen eine Koalition unter Beteiligung der Linken in Berlin aus, die trotz eines entsprechenden Partei-Leitfadens mit Antisemitismusvorwürfen konfrontiert ist. Doch vor allem geht es ihr um das Erstarken der AfD.

"Die AfD gehört weg", sagt sie. Da ist sie klar. "Das ist die Grundlage, die wir suchen müssen. Sonst weiß ich nicht, wie unsere Zukunft sich weiter entwickeln wird." Knobloch fordert: "Man muss schauen, dass man diese Partei wieder in den Griff bekommt, dass sie so schnell verschwindet, wie sie auch gekommen ist." Das sei eine Aufgabe, der sich alle stellen müssten: "Die Parteien müssen dafür Sorge tragen, dass sie nicht gewählt werden. Und wir müssen die Wähler davon überzeugen, dass man die AfD nicht wählen kann." Sie empfinde es als Katastrophe, dass man sich heute wieder über dieses Thema unterhalten müsse, fügt Charlotte Knobloch hinzu.

"Trotzdem weiter". So heißt das Buch, das Charlotte Knobloch jüngst veröffentlicht hat. "Ist das Ihre Lebenshaltung?", fragt Sandra Maischberger.

Knobloch antwortet: "Ja: Das ist meine Lebenshaltung geworden. Und ich glaube auch, das jüdische Leben hat einem etwas lehren können: dass man, auch wenn Schlimmes passiert, nicht die Lust am Leben verlieren soll." Lust am Leben hat sie. Und an der Arbeit. Im Juli ist sie erneut zur Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern gewählt worden. Es sei diesmal ein bisschen schwerer gewesen, gibt sie zu. Aber: "Solange ich kann, möchte ich gerne diesen Sport, dieses Thema weiter verfolgen. Alles, was man gerne tut, ist keine Anstrengung."

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