"Habe ich das falsch eingeschätzt?": Als es um Sahra Wagenknecht geht, wird Lanz nachdenklich
Nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt dreht sich eine der drängendsten Fragen um das "Bündnis Sahra Wagenknecht". Wird das BSW am Ende der AfD im Landtag zur Mehrheit verhelfen? Zwar wirbt die Partei bislang für einen "überparteilichen Ministerpräsidenten", zugleich bleibt jedoch der Eindruck, dass in Magdeburg Spielräume für Kooperationen bewusst offengehalten werden.
Bei "Markus Lanz" warnte Linken-Politiker Gregor Gysi eindringlich vor einer Machtübernahme der AfD. Er forderte konkret: "Wenn wir die Entwicklung stoppen wollen, müssen wir die AfD inhaltlich widerlegen. Nicht nur beschimpfen, das reicht nicht aus!" In dem Zusammenhang zeichnete Gysi ein größeres Bedrohungsbild: Man müsse sich "darüber im Klaren sein, dass von Außen durch Trump, von Innen durch die AfD, Freiheit, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit bekämpft werden. Wenn wir das retten wollen, müssen wir alles drei attraktiver machen".
Das Problem dabei? "Diejenigen, die das retten wollen, müssen in der Lage sein, sich zu organisieren - sind sie aber zurzeit nicht." Lanz fragte prompt nach, ob ein AfD-Erfolg - mit Blick auf die Wahlbeteiligung - auch "belebend für die Demokratie" sei. RTL-Journalist Nikolaus Blome stimmte zu: "Ja, eindeutig. Was immer man von der AfD hält, (...) muss man trotzdem sagen, ein AfD-Wähler ist besser als ein Nicht-Wähler." Die AfD mobilisiere besonders "im Nicht-Wähler-Bereich (...) in einer Form, wie es ganz lange nicht geschehen ist". Blomes Fazit: "Das ist eine Leistung für sich". Gysi hielt jedoch dagegen, ohne die demokratische Dimension zu leugnen: "Natürlich ist es Ausdruck der Demokratie und trotzdem ist es ein schwarzer Tag. Aber ich hoffe ein Tag, der uns allen klarmacht, was unsere künftigen Aufgaben sind."
Gregor Gysi: "Es ist blanker Opportunismus"
Grund genug für den ZDF-Moderator, den Fokus auf die Linkspartei zu richten. Er wollte wissen: "Wie ist es denn zu erklären, dass die Linkspartei ziemlich schlecht abgeschnitten hat in Sachsen-Anhalt und dass signifikant viele Wähler der Linkspartei direkt rüber sind zur AfD?" Gregor Gysi hielt jedoch dagegen: "Da hat die Union viel mehr verloren als wir." Als Lanz erneut auf den auffälligen Wechsel von links nach rechts drängte, erklärte Gysi, dass die AfD für viele "die Kraft (...) von unten (...) gegen die da oben" symbolisiere, "während wir inzwischen etablierter sind". Dazu komme ein Wandel der Linkspartei selbst: "Die Partei hat sich verändert. Wir haben jetzt mehr West-Mitglieder als Ost-Mitglieder. Wir haben viel mehr Junge als Alte. Das war ja vorher alles genau umgekehrt." Gleichzeitig warnte Gysi davor, nur auf eine Partei zu schauen, denn: "Es bleibt dabei, dass die vier Parteien keine Mehrheit haben. Und darüber müssen wir wirklich nachdenken."
Lanz stimmte zu: "Es ist eine grundsätzliche Krise." Der ZDF-Moderator analysierte daraufhin die mögliche Annäherung zwischen AfD und BSW. Er wollte wissen: "Wie geht's Ihnen, wenn Sie darüber nachdenken, was da eigentlich passiert? Sahra Wagenknecht, die sich immer als Anti-Faschistin inszeniert hat!" Gregor Gysi erklärte, das BSW wolle "ein Faktor in der Bundesrepublik Deutschland werden. Und sie haben gemerkt, (...) dass wenn sie sich fernhalten von der AfD - also das mitmachen, was wir anderen alle sagen - dass dann eine Gleichgültigkeit ihnen gegenüber entsteht". Lanz reagierte fassungslos: "Es ist Opportunismus!" Gysi bestätigte: "Ja, es ist blanker Opportunismus und der Wunsch, irgendwie ein Stück Macht zu erhalten."
Nikolaus Blome: "Das BSW hat mit der AfD mehr inhaltliche Schnittmenge"
Nikolaus Blome widersprach jedoch der personalisierten Deutung und gab zu bedenken: "Diese Charakterstudien - das überzeugt mich in den seltensten Fällen!" Für ihn stehe eher eine politische Strategie dahinter: "Das ist der Versuch gewesen, (...) dem rechten Populismus einen linken Populismus entgegenzustellen. Und (...) die Schnittmenge ist groß genug, dass sie zusammengehen können. Ich finde das gar nicht so überraschend, dass sie das machen. Die Schnittmenge ist ja da!"
Gysi konterte derweil mit einem Seitenhieb in Richtung Wagenknecht: "Sie hat im 'Tagesspiegel' abgelehnt, links zu sein!" Der Politiker warnte, das BSW stehe "kurz vor der direkten Unterstützung" der AfD. "Das (...) ist natürlich eine Veränderung von Sahra, wie man sie ihr vielleicht nicht zugetraut hätte. Aber inzwischen wundert es mich nicht mehr so sonderlich, nachdem ich die Entwicklung des BSW in den letzten Jahren erlebt habe."
Lanz gab dennoch offen zu, er empfinde "eine Enttäuschung", weil er lange geglaubt habe, Wagenknecht werde niemals mit der AfD kooperieren. "Habe ich das falsch eingeschätzt?", fragte er. Blome blieb nüchtern: "Das BSW hat mit der AfD mehr inhaltliche Schnittmenge als mit der CDU zum Beispiel, oder mit den Grünen." Als Lanz nachhakte, "Mir geht es wirklich um sie als Person und als Politikerin", antwortete Blome ernst: "Das sagt natürlich eine Menge über den Charakter, ja." Für Wagenknecht sei die AfD am Ende jedoch "das kleinere Übel".
Hinweis: Diese Meldung ist Teil eines automatisierten Angebots der nach strengen journalistischen Regeln arbeitenden Agentur teleschau. Sie wird von der AZ-Onlineredaktion nicht bearbeitet oder geprüft. Fragen und Hinweise bitte an info@teleschau.de

