Ernst August von Hannover vor Gericht: "Ich übernehme die Verantwortung"

Im österreichischen Wels ist Ernst August von Hannover am Dienstag vor Gericht erschienen. Was wird dem Welfenprinzen vorgeworfen und was droht ihm bei einer Verurteilung? Was sagte er vor dem Richter?
| Sven Geißelhardt
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Ernst August von Hannover (li.) kommt mit Mund-Nasen-Schutz am Landesgericht an.
Ernst August von Hannover (li.) kommt mit Mund-Nasen-Schutz am Landesgericht an. © dpa/Werner Kerschbaum

Bereits in der Vergangenheit hat Ernst August von Hannover für diverse Skandale in der Öffentlichkeit gesorgt. Nach seinem letzten Ausraster musste er am Dienstag (23. März) vor einem österreichischen Gericht erscheinen.

Vorwürfe gegen Ernst August: Deshalb muss er vor Gericht erscheinen

Dem Welfenprinzen wird vorgeworfen, unter Alkoholeinfluss mehrere strafbare Handlungen ausgeführt zu haben, wie eine Mitarbeiterin des Landesgerichts Wels der AZ vergangene Woche bestätigte. Ernst August habe sich fahrlässig durch Alkohol und Medikamente in einen "die Zurechnungsfähigkeit ausschließenden Rausch versetzt".

Prozess gegen Ernst August von Hannover: Was ist passiert?

Im Juli 2020 war Ernst August kurzzeitig in eine Psychiatrie eingewiesen worden, nachdem er bei einem Polizeieinsatz auf seiner Jagdhütte in Österreich Beamte attackiert hatte. Im September kam es erneut zu einem Einsatz beim Welfenprinzen. Er soll ein Ehepaar bedroht haben und wurde daraufhin festgenommen. Zwei Tage später wurde der 67-Jährige allerdings wieder entlassen.

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Medienvertreter stehen vor Beginn des Prozesses gegen Ernst August von Hannover im Landgericht. Dem Welfenprinzen werden Widerstand gegen die Staatsgewalt, schwere Körperverletzung, gefährliche Drohung und Nötigung vorgeworfen.
Medienvertreter stehen vor Beginn des Prozesses gegen Ernst August von Hannover im Landgericht. Dem Welfenprinzen werden Widerstand gegen die Staatsgewalt, schwere Körperverletzung, gefährliche Drohung und Nötigung vorgeworfen. © Fotokerschi.At/Werner Kerschbaum/APA/dpa

Was droht Ernst August bei einer Verurteilung?

Vor Gericht waren zehn Zeugen geladen. Auch ein psychiatrischer Sachverständiger sollte im Prozess zu Wort kommen. Im Falle einer Verurteilung drohen Ernst August von Hannover bis zu drei Jahre Haft. Bis zu einem Urteil gilt die Unschuldsvermutung.

Ernst August entschuldigt sich für Vorfälle

Ernst August von Hannover hat sich zum Auftakt seines Prozesses entschuldigt. "Ich übernehme die Verantwortung, bedauere das Geschehene außerordentlich und bin bereit, für die Schäden aufzukommen", sagte der 67-Jährige am Dienstagmorgen vor dem Landgericht Wels in Österreich. Zugleich bekannte er sich nicht schuldig.

Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, sich durch Alkohol und Medikamente in einen Zustand voller Berauschung gebracht zu haben. In dieser Verfassung habe er im vergangenen Jahr gleich mehrfach Menschen und Polizeibeamte bedroht und teils angegriffen. Diese Delikte gelten als Widerstand gegen die Staatsgewalt, schwere Körperverletzung, gefährliche Drohung und Nötigung.

Ernst August verlässt Gerichtssaal

Für die Verlesung eines psychiatrischen Gutachtens wurde auf Antrag der Verteidigung die Öffentlichkeit ausgeschlossen. Außerdem hat der Angeklagte erklärt, am Rest der Verhandlung nicht teilnehmen zu wollen. Er gehöre als ehemaliger Krebspatient einer Hochrisikogruppe an, und habe Angst, sich im Gerichtssaal mit dem Coronavirus anzustecken, sagte Ernst August von Hannover.

Zeugenaussagen vor Gericht: " Unsere Familien wurden von ihm bedroht"

Im Laufe des Tages sollten sich zehn Zeugen vor Gericht zu den Vorfällen um Ernst August äußern. "Er hat mir ins Gesicht geschlagen", sagte ein Polizist aus. Seinen Kollegen soll Ernst August mit beiden Händen am Kopf gepackt haben, bevor er selbst in einer Abwehrhandlung des Beamten zu Boden stürzte. Außerdem sei er auf die Beamten mit einem Messerschleifer losgegangen, den sie ihm aus der Hand geschlagen hätten, so die Zeugen weiter. Der Welfenprinz habe zigfach Drohungen geäußert. Er werde seine Söldner schicken und uns umbringen lassen, steht in einer der Aussagen eines Polizisten. "Auch unsere Familien wurden von ihm bedroht", sagte ein Beamter aus.

Der Vorfall Ende Juli war der Auftakt zu weiteren Eskalationen. Als die Beamten das gegen den Welfenprinzen ausgesprochene Waffenverbot vollstrecken und ihm die Lang- und Kurzwaffen abnehmen wollten, habe er erneut getobt und wüste Beschimpfungen geäußert. Schließlich - mehrere Wochen später - soll er eine bereits zuvor bei seinem Anwesen eingesetzte Polizistin bedroht haben. Aus einem Taxi heraus habe er ihr mit einem mitgeführten Baseballschläger zu verstehen gegeben, dass er ihr den Schädel einschlagen werde, erklärte die Beamtin vor Gericht. "Er wirkte sehr klar, wie bei einem Rachefeldzug."

Die alleinerziehende Mutter hatte plötzlich Angst um ihre eigene Sicherheit und die Sicherheit ihrer Kinder. "Noch nie habe ich es mit einer Partei zu tun gehabt, die mich derart oft mit dem Tod bedroht hat", verwies sie auch auf zahlreiche Anrufe des Welfenprinzen auf ihrer Polizeiwache.

Die Verteidigung verwies mehrfach auf die Entschuldigung des 67-Jährigen. Und sie betonte, dass sich ihr Mandant nach einer Krebsoperation und wegen eines Konflikts mit seinem Sohn in einer Ausnahmesituation befunden habe. "Er fühlte sich im Stich gelassen", so einer seiner Verteidiger.

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