Als Grünen-Chefin über AfD-Politiker spricht, horcht Lanz auf: "Sie geben denen nicht die Hand?"
Friedrich Merz steckt nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt offenbar in einer handfesten Krise. Seit Tagen werden die Zweifel an der Zukunft des CDU-Kanzlers lauter. Am kommenden Sonntag, nach den Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin, soll im Konrad-Adenauer-Haus sogar eine "indirekte Vertrauensfrage" anstehen. Bei "Markus Lanz" zeichnete der ZDF-Moderator gleich zu Beginn das Bild einer Regierung unter Druck.
SPD-Politiker Ralf Stegner warnte jedoch davor, die Führung jetzt vorschnell auszutauschen: Er halte "überhaupt nichts" davon, "jetzt die Nerven zu verlieren in einer Situation, wo uns droht, dass eine rechtsradikale Partei die Regierung übernimmt".
Mit Blick auf Merz betonte Stegner: "Das ist wirklich nicht mein Kanzler, aber ich kann mich überhaupt nicht daran erfreuen, wenn darüber diskutiert wird, dass der Kanzler ausgetauscht wird." Seine Forderung an die Koalition? "Sich zusammenreißen, Führungsstärke zeigen und Professionalität zeigen - das ist meine Erwartung!"
Auch Grünen-Co-Chefin Franziska Brantner plädierte für Stabilität und erklärte, sie erwarte, "dass die Koalitionsparteien sich zusammenraufen und sagen: '(...) Was lernen wir daraus? Was ändern wir?'" Lanz konterte spitz: "Für Sie ist das ja alles eine Riesenchance als Grüne." Brantner wies dies zurück und betonte: "Ich finde die Situation katastrophal in Deutschland. (...) Ich will, dass wir in diesem Land gut regiert werden." Im Gespräch mit Lanz gab die Parteivorsitzende schließlich zu: "Mir macht das schlaflose Nächte, dass wir eine CDU sehen, die in einer Erosion gerade befindlich ist."
Ralf Stegner über die AfD: "Das sind Feinde der Demokratie"
Psychiater Manfred Lütz zeigte sich derweil von der Personaldebatte wenig beeindruckt. Er kritisierte die wiederkehrenden Macht- und Krisenerzählungen: "Wir machen diese Debatten fast nach jeder Wahl. (...) Das einzige, was mich im Moment wirklich interessiert, (...) ist, wie kann man AfD-Wähler wieder zurückgewinnen? Darüber redet aber seit Jahren schon niemand!" Mit ernster Miene ergänzte er, dass man AfD-Wähler nicht nur "durch erfolgreiche Reformen" zurückgewinnen könne: "Ich glaube, dass kein einziger AfD-Wähler in Sachsen-Anhalt wegen der Rente mit 63 AfD gewählt hat."
Damit war der Ball bei Lanz und bei der Frage nach dem Umgang mit der AfD. Er wollte von Franziska Brantner wissen: "Reden Sie mit AfD-Politikern?" Ihre Antwort fiel klar aus: "Mit AfD-Politikern? Nein, aber mit vielen AfD-Wählerinnen und -Wählern." Als Lanz irritiert ergänzte, "Aber Sie geben denen nicht die Hand?", reagierte Brantner energisch: "Die beschimpfen mich ja ständig! (...) Die nennen mich Sprechpuppe!"
Stegner unterstützte sie: "Das sind Feinde der Demokratie." Manfred Lütz hielt erneut dagegen und mahnte, dass man sich zu sehr in der Problembeschreibung verliere: "Wir müssten wieder mehr darüber reden: Wo gelingt es, die AfD kleinzuhalten?"
Michael Bröcker warnt: "Ich habe sowas noch nie erlebt"
In dem Zusammenhang warf Lanz ein, dass es trotz allem den Unions-internen "Revolutions-Gedanken" gebe. Michael Bröcker prophezeite daraufhin für den Sonntag "eine Art D-Day für diesen Kanzler". Seine Analyse: "Man traut ihm nicht mehr zu, dass er die Kraft, die Autorität und die Zustimmung in seiner eigenen Partei hat." Bröcker weiter: "Der Autoritätsverlust ist eklatant. Ich habe sowas noch nie erlebt!"
Ein Neustart der schwarz-roten Regierung könne aus seiner Sicht gelingen, "wenn es einen anderen Kanzler gibt, der noch mal ein paar Dinge neu aufziehen darf". In Bezug auf kommenden Sonntag brachte es der Journalist schließlich auf den Punkt: "Stützen oder stürzen - das ist am Ende die Logik, auf die es jetzt ankommt."
Das wiederum brachte Manfred Lütz auf die Palme. Er warnte: "Es ist doch klar, dass der Kanzler nach diesen (...) Wahlen sein Präsidium fragen muss: 'Steht ihr noch hinter mir?' (...) Aber meine Sorge ist, dass wenn wir dauernd solche dramatisierten Geschichten erzählen (...), Demokratie nur noch aus Stories besteht!"
Bröcker widersprach entschieden: "Ich weiß aber, dass die gesamte CDU-Führung über einen möglichen besseren Kanzler nachdenkt, weil die Umfragen bei 18 Prozent sind und weil die Existenzängste haben, was ihr Mandat betrifft. Das beschreibe ich analytisch!" Lütz blieb dennoch dabei: Man dürfe nicht nur "Problem-Talk machen", sondern müsse "mal Lösung anbieten". Zudem müsse man "streng unterscheiden" "zwischen Wählern der AfD und den Funktionären".
Ralf Stegner schlug daraufhin vor, die Regierung müsse ihre Politik "besser erklären" und der AfD Themen "nicht kampflos" überlassen. Da platzte Lanz der Kragen: "Dieser Satz wieder - besser erklären ..." Der Moderator wetterte weiter: "Diese Floskel (...) kann ich wirklich nicht mehr hören!" Bröcker stichelte ebenfalls in Richtung Stegner: "Ihr haltet euch an keinen einzigen eurer Beschlüsse. Alles wird aufgeweicht! Alles wird taktisch wieder diskutiert - und das ist das Problem, was die Menschen mit dieser Regierung haben."
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