Zittern vor Aiwanger

Zittern vor der bürgerlichen Konkurrenz. Die nervöse CSU stellt vor den Landtagswahlen in einem Geheimpapier 17 Thesen gegen die Freien Wähler auf.
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Einen niederbayerischen Landwirt zieht's nach München: Hubert Aiwanger vor dem Landtag.
Daniel von Loeper Einen niederbayerischen Landwirt zieht's nach München: Hubert Aiwanger vor dem Landtag.

MÜNCHEN/NÜRNBERG - Zittern vor der bürgerlichen Konkurrenz. Die nervöse CSU stellt vor den Landtagswahlen in einem Geheimpapier 17 Thesen gegen die Freien Wähler auf.

Nach außen gibt sich die CSU betont gelassen. „Ich bin nicht furchtbar ängstlich“, sagt Ministerpräsident Günther Beckstein über die Freien Wähler und deren neues Zugpferd Gabriele Pauli. Hinter den Kulissen aber wird gezittert vor der bürgerlichen Konkurrenz. Die CSU-Zentrale hat jetzt sogar ein geheimes Papier gegen die Freien Wähler verfasst. „Ein Pamphlet“, nennt es FW-Spitzenkandidat Hubert Aiwanger. Verräter haben es ihm in die Hände gespielt. Wie eine Trophäe hält er die zwei Seiten in die Luft: „Die müssen ganz schön nervös sein.“

Vor allem jetzt, wo Gabriele Pauli Stimmen für die Freien Wähler sammeln will. Am Donnerstag um 10.30 Uhr präsentiert sich das Duo Aiwanger/Pauli erstmals gemeinsam – im Marmorsaal des Nürnberger Presseclubs. Dann wird endlich auch der Landwirt und fanatische CSU-Hasser aus Niederbayern an Paulis Seite im Blitzlicht-Gewitter stehen. In der CSU beruhigen Spitzenpolitiker: „Das ist eine gute Entwicklung für uns, wenn Frau Pauli, die die Sieben-Jahres-Ehe propagiert, jetzt bei den Freien Wählern für Familienpolitik zuständig ist.“ Oder: „Erst hat sie die CSU kaputt gemacht, jetzt macht sie die Freien Wähler kaputt.“

"Hilfstruppe für SPD und Grüne"

Aber warum braucht’s dann so ein Pamphlet? Auf zwei neutralen Seiten ohne jeden Hinweis auf seine Partei hat CSU-Landesgeschäftsführer Markus Zorzi 17 Thesen gegen die Freien Wähler zusammengefasst. „Innerlich zerrissen und chaotisch“ böten diese sich als „Hilfstruppe für SPD und Grüne an“, heißt es darin. Und als Fazit: „Die FW wollen hessische Verhältnisse in Bayern.“ Ihre Politik sei „inhaltsleer und unglaubwürdig“. „Sie betreiben Wählertäuschung, weil es ihnen nur um ihre persönlichen Karrieren geht“, giftet CSU-Mann Zorzi weiter. Die Freien Wähler seien „bürgerfern und vertreten nur sich selber“. Bei ihrem Wahlkampfauftakt seien von 400 erwarteten Teilnehmern nur ganze 80 gekommen. Die Behauptungen von FW-Politikern seien oft „schlichter Unsinn“. So habe Aiwanger postuliert, Bayern stehe an der Wand. Zorzi in seinem Papier: „Eine solche Fehlsicht braucht angesichts der bekannten herausragenden Stärken Bayerns nicht weiter kommentiert zu werden.“ Auch hätten die FW keinerlei Konzepte für die Zukunft. Sie hätten nichtmal „Aussagen zur Bedeutung von christlichen Werten für unser Land“.

Genau das ärgert Hubert Aiwanger am meisten. „Wir müssen uns bezüglich des Christentums nicht hinter der Scheinheiligkeit der CSU verstecken“, schlägt er zurück. „Diese ewige Pilgerbewegung nach Rom, mal der Huber, mal der Söder, mal der Beckstein – das ist doch peinlich.“ Den Glauben als Wahlkampf zu missbrauchen sei genauso abstoßend wie den Patriotismus zu missbrauchen, ätzt Aiwanger und hält der CSU deren Slogan „Stolz auf Bayern“ vor: „Auf was ist sie stolz? Auf den Lehrermangel? Auf den Transrapid? Oder auf die Landesbank?"

Angela Böhm

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