Westerwelle: Erholung auf dem Balkan

Westerwelle besucht drei Tage Südosteuropa und versucht, die Kritik seiner Parteifreunde hinter sich zu lassen. Als Außenminister hofft er, sein angeschlagenes Image wieder aufzupolieren
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BERLIN/ZAGREB - Westerwelle besucht drei Tage Südosteuropa und versucht, die Kritik seiner Parteifreunde hinter sich zu lassen. Als Außenminister hofft er, sein angeschlagenes Image wieder aufzupolieren

Endlich darf Guido Westerwelle heute wieder den Außenminister spielen und Hände schütteln in Kroatien, Serbien, Bosnien-Herzegowina und im Kosovo. Dort kann er staatsmännisch über die große Welt schwadronieren, seinen Gastgebern europäische Perspektiven aufzeigen – aber vor allem durchatmen auf dem Balkan. Denn mit seinen eigenen Perspektiven daheim im kleinen Kosmos der Bundesrepublik ist es nicht zum Besten.

Dabei standen seine Vorgänger in der Gunst der Deutschen immer ganz an der Spitze: Joschka Fischer (Grüne) und Frank-Walter Steinmeier (SPD) waren die Lieblinge der Nation. Der FDP-Vorsitzende dagegen befindet sich im tiefen Tal. In Umfragen sind die Liberalen auf desaströse vier Prozent abgestürzt und müssen sogar um die Fünf-Prozent-Marke bangen.

„Wir sind entschlossen, aus den Erfahrungen der ersten Monate zu lernen. Wir wollen uns neues Vertrauen und neue Glaubwürdigkeit erarbeiten“, übte Westerwelle noch vor den Sommerferien auf einer Klausurtagung seiner Partei ein bisschen Selbstkritik. Mit der allerdings war es nicht weit her. Von seiner Urlaubsinsel Mallorca aus krakeelte er schon wieder nach Steuersenkungen. Dabei wollten sich auch die Liberalen von der Forderung nach Geschenken vom Fiskus verabschieden.

Das sorgt für Unmut in der FDP. Die Kritiker des Parteichefs werden immer mehr. Viele würden Westerwelle gerne einen Maulkorb verpassen, wenn es um die deutsche Innenpolitik geht. Sie schieben die schlechten Umfrage-Werte ganz alleine ihm in die Schuhe. Der hessische FDP-Vorsitzende Jörg-Uwe Hahn redet Klartext: „Viele führen den Imageverlust auf den Imageverlust des Bundesvorsitzenden zurück. Ich auch.“

In sechs Bundesländern wird nächstes Jahr gewählt. Das könnte für die FDP bitter, für Westerwelle selber aber geradezu dramatisch werden. Denn ausgerechnet im Mai steht bei den Liberalen auch die Neuwahl des Parteichefs an. Genau zehn Jahre ist Westerwelle dann im Amt.

„Er soll sich lieber auf sein Amt als Außenminister konzentrieren“, giftet Jörg-Uwe Hahn. Für ein paar Tage kann der ungeliebte Liberale zumindest da jetzt wieder glänzen, wenn er in der Akademie der Wissenschaften in der kroatischen Hauptstadt Zagreb über die Haltung Deutschlands zur Lage auf dem westlichen Balkan doziert. Oder in Pristina vor dem Parlament über eine demokratische Entwicklung des Kosovos referiert.

Am Freitagabend aber ist’s mit der Schönwetterpolitik schon wieder vorbei. Da muss Westerwelle nach Berlin zurück, wo es um die Konsolidierung des Bundeshaushaltes, die Verlängerung der Atomlaufzeiten, Hartz IV und die Bundeswehrreform geht. Dass sich der oberste Liberale hier zügeln und sein Störenfried-Image ablegen wird, daran glaubt selbst in der FDP kaum jemand.

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