Strom in Bayern: Seehofers Nein wird teuer

Horst Seehofer sperrt sich gegen die geplanten Stromtrassen. Das kann zu einer Spaltung des deutschen Energiemarkts führen – und zu höheren Preisen.
| Florian Zick
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Nicht mit ihm: Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer lehnt den Bau der Nord-Süd-Stromtrassen seit Neuestem ab.
dpa/AZ Nicht mit ihm: Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer lehnt den Bau der Nord-Süd-Stromtrassen seit Neuestem ab.

München – Die Verbraucher in Bayern müssen sich bald auf deutlich höhere Strompreise gefasst machen. Sollte sich Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) weiter gegen den Bau der beiden geplanten Nord-Süd-Stromtrassen sperren, könnten die Preise in Süddeutschland um bis zu zehn Prozent steigen. Das geht laut „Spiegel“ aus einer Studie der EU-Kommission hervor.

Die Studie hat untersucht, welche Auswirkungen es hätte, sollte der deutsche Energiemarkt in eine nördliche und eine südliche Preiszone geteilt werden. Auf eine solche Teilung würde die EU-Kommission vermutlich bestehen, sollten die beiden Stromtrassen nicht gebaut werden.

Über die neuen Hochspannungsleitungen soll Windkraft aus der Nordsee in den Süden transportiert werden. Derzeit wird überschüssige Energie aus den Windkraftwerken über Polen und Tschechien in den Süden geleitet. Die beiden deutschen Nachbarstaaten wollen ihre Netze dafür aber künftig nicht mehr zur Verfügung stellen. Deswegen muss Deutschland eigene Elektrizitätstrassen bauen.

Lesen Sie hier: Junge Union will Volksbefragungen beim Bau neuer Stromtrassen

Noch steht nicht genau fest, wo die neuen Leitungen verlaufen sollen. In der engeren Diskussion sind vier Korridore, von denen zumindest einer quer durch Bayern verläuft. Sollten die Trassen jedoch nicht gebaut werden, wäre die Netzparität nicht mehr gegeben. Im Norden wäre deutlich mehr Strom verfügbar als im Süden, eine Situation, die sich durch die Abschaltung von drei bayerischen Atomkraftwerken bis 2022 noch verschärfen würde. Die Strompreise in Bayern und Baden-Württemberg würden dadurch erheblich steigen.

Entlang der Trassen haben sich bereits zahlreiche Bürgerinitiativen gebildet, die den Bau der Leitungen verhindern wollen. Wegen der anhaltenden Proteste und weil er befürchtet, dass vom Netzausbau fast ausschließlich die Netzbetreiber profitieren, hat Horst Seehofer die geplanten Stromtrassen zuletzt generell in Frage gestellt. Stattdessen fordert Seehofer den Bau neuer Gaskraftwerke, um in Bayern die Stromversorgung sicherstellen zu können. Hubert Aiwanger, der Vorsitzende der Freien Wähler in Bayern, unterstützt diese Pläne. „Das ist eine bessere Lösung als die Abhängigkeit von zwei großen Stromtrassen“, sagt Aiwanger. Die SPD dagegen hält Seehofers Vorschlag schlichtweg für verantwortungslos und gefährlich.

„Seehofers Kehrtwende ist ein energiepolitischer Albtraum“, sagt der Münchner Bundestagsabgeordnete Florian Post. Die Erzeugung einer Megawattstunde koste in einem Gaskraftwerk derzeit zwischen 70 und 100 Euro. An der Strombörse dagegen bekomme man die Megawattstunde aktuell für um die 40 Euro. „Dass Seehofers fixe Idee die Stromrechnung deutlich teurer macht, ist für jeden Laien offensichtlich“, so Post.

Natascha Kohnen, die Generalsekretärin der Bayern-SPD, rechnet sogar mit massiven Schäden für die bayerische Wirtschaft, sollte die Stromtrasse nicht gebaut werden. Das Strompreisgefälle zwischen Nord und Süd würde viele Unternehmen aus Bayern abwandern lassen. „Das wäre der direkte Weg zur Deindustrialisierung Bayerns“, sagt Kohnen.

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