Seehofer fährt zu Orban

Erst Russland, jetzt Ungarn: Für seine Besuche bei derzeit eher umstrittenen Staatschefs erntet Bayerns Ministerpräsident viel Kritik. 
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Ein Bild vom letzten Aufeinandertreffen von Viktor Orban (l.) und Horst Seehofer im September vergangenen Jahres. Da ist der ungarische Ministerpräsident Gast bei der CSU-Herbstklausurtagung im Kloster Banz gewesen. Die CSU ist dafür heftig kritisiert worden.
Nicolas Armer/dpa Ein Bild vom letzten Aufeinandertreffen von Viktor Orban (l.) und Horst Seehofer im September vergangenen Jahres. Da ist der ungarische Ministerpräsident Gast bei der CSU-Herbstklausurtagung im Kloster Banz gewesen. Die CSU ist dafür heftig kritisiert worden.

Erst Russland, jetzt Ungarn: Für seine Besuche bei derzeit eher umstrittenen Staatschefs erntet Bayerns Ministerpräsident viel Kritik.

München - Einen Monat nach seinem heftig kritisierten Treffen mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin bricht Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) zu einer nicht minder umstrittenen Reise auf. Kurz vor dem möglicherweise entscheidenden Gipfel zur Lösung der europäischen Flüchtlingskrise reist er am Freitag zu einem Gespräch mit dem ungarischen Regierungschef Viktor Orban nach Budapest. Orban steht wegen seiner Flüchtlingspolitik seit Monaten in der Kritik.

Er ist einer der entscheidenden Gegenspieler von Kanzlerin Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bei der Suche nach einer europäischen Lösung der Flüchtlingskrise und einer gerechten Verteilung von Flüchtlingen in Europa.

Merkel trifft Seehofer - keine Annäherung, keine Eskalation

 

Rinderspacher: „Orban steht für dumpfen Nationalismus“

 

Der rechtskonservative Ministerpräsident verweigert sich dem Bemühen der Kanzlerin, und zwar entschieden. Erst vor Kurzem hat er angekündigt, die ungarischen Bürger über die von der EU beschlossenen Quoten zur Verteilung von 160 000 Flüchtlingen abstimmen zu lassen. Das Treffen Seehofer-Orban ist für die Mittagszeit geplant.

Am Nachmittag will Seehofer einen Vortrag an der deutschsprachigen Andrassy-Universität halten. Am Abend fliegt er schon wieder zurück. Die bayerische Opposition kritisiert die Reise mit scharfen Worten. Seehofer reise ohne politisches Mandat nach Budapest, sagte SPD-Fraktionschef Markus Rinderspacher gestern in München. „Er übt sich weiter in einer Nebenaußenpolitik und fällt der Kanzlerin damit in den Rücken.“ Und dann reise der Ministerpräsident auch noch zum „europäischen Botschafter der Unmenschlichkeit“. Das sei fahrlässig. „Herr Orban steht für dumpfen Nationalismus und für Fremdenfeindlichkeit.“ Wenn die CSU mit Orban das Gespräch suche, habe das mit christlichen Grundwerten nichts zu tun.

 

Gegenwind auch in den eigenen Reihen

 

Grünen-Fraktionssprecher Ludwig Hartmann nannte Seehofers Reise „beängstigend“. Es sei eine augenscheinliche Abkehr von der Westbindung.

Auch in den eigenen Reihen sollen Seehofers Reisepläne nicht sonderlich gut ankommen. Nur laut sagen will das keiner. Im vergangenen Herbst war Orban auf der CSU-Fraktionsklausur im Kloster Banz zu Gast gewesen, war dort äußerst wohlwollend empfangen worden. Inmitten der beginnenden Flüchtlingskrise demonstrierten Seehofer und Orban Einigkeit – gegen Merkel.

Orban, der Ungarns Grenze mit einem Zaun abriegeln ließ, bezeichnete sich gar als „Grenzschutzkapitän“ Bayerns. Kritik an seinen Auslandsreisen – ob zu Putin oder zu Orban – lässt Seehofer nicht gelten. Vor kurzem erst hatte er derlei Wortmeldungen der Opposition als „Micky-Maus-Parade“ verspottet. Er argumentiert, dass jeder Dialog besser sei, als nicht miteinander zu reden.

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