Nach Rüttgers heißt’s jetzt: „Rent-a-Tillich“

Die Sponsorenaffäre der CDU weitet sich jetzt auch auf Sachsen aus. Gegen Geld gab es auch hier Gespräche mit dem Ministerpräsidenten. "Unglücklich", nennt CDU-General Kretschmer das Vorgehen.
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Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich
dpa Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich

DRESDEN - Die Sponsorenaffäre der CDU weitet sich jetzt auch auf Sachsen aus. Gegen Geld gab es auch hier Gespräche mit dem Ministerpräsidenten. "Unglücklich", nennt CDU-General Kretschmer das Vorgehen.

Die Sponsorenaffäre bei der CDU weitet sich aus. Wie in NRW haben auch die sächsischen Christdemokraten interessierten Firmen gegen Geld Gespräche mit ihrem Landeschef, Ministerpräsident Stanislaw Tillich, angeboten. Tillichs Generalsekretär Michael Kretschmer bestätigte am Wochenende die umstrittene Praxis und räumte zerknirscht Fehler ein.

Allerdings sei der Ministerpräsident persönlich nicht über die Details des Sponsoren-Konzepts informiert gewesen. SPD und Grüne reagierten mit scharfer Kritik und sprachen vom „Ausverkauf der Demokratie“. SPD-Generalin Andrea Nahles giftete: „Offenbar gehört es zum guten Ton in der CDU, dass ihre Spitzenpolitiker käuflich sind.“

Konkret geht es um die CDU-Veranstaltung „Denkfabrik Sachsen“ am heutigen Montag in Dresden, zu der bis zu 1000 Gäste erwartet werden. Laut „Spiegel“ bot die CDU vorab Firmen schriftlich vier „Präsentationsstufen“ zum Preis von 500 bis 8000 Euro an. Die Stufen drei und vier umfassen ein kurzes Gespräch mit Tillich. Zusätzlich wird Sponsoren ab Präsentationsstufe drei, die 3900 Euro kostet, die Erwähnung ihres Firmennamens in der Begrüßungsrede Kretschmers in Aussicht gestellt. Für Sponsoren der Stufe vier (8000 Euro) organisiert die CDU zudem noch „ein separates Fachgespräch im Rahmen der Veranstaltung“.

Nach der Veröffentlichung im „Spiegel“ räumte die Sachsen-CDU am Sonntag Fehler im Umgang mit Sponsoring-Paketen für ihre Parteiveranstaltungen ein. Es sei „unglücklich gewesen“, Messestand-Besuche des Ministerpräsidenten in die Sponsoring-Angebote zu schreiben, sagte CDU-General Kretschmer.

Unterdessen weht auch dem NRW-Ministerpräsidenten und CDU-Landeschef Jürgen Rüttgers der Wind immer schärfer ins Gesicht – seine Unschuldsbeteuerungen in der Sponsoren-Affäre nehmen ihm die Bürger offenbar nicht ab: 80 Prozent glauben laut einer Emnid-Umfrage nicht, dass Rüttgers von seiner Vermarktung durch die Landes-CDU nichts gewusst habe. 40 Prozent fordern sogar den Rücktritt des Regierungschefs, Rüttgers hatte beteuert, er habe nicht gewusst, dass die Partei Gespräche mit ihm gegen Geld feilgeboten habe.

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