Martin Zeil: Der gequälte Aufpasser

Zeil will mit Seehofer weiterregieren und macht dafür die CSU madig. Der Wirtschaftsminister kann jetzt ganz schön giftig werden, wenn’s für die FDP um sein oder nicht sein geht.
| Angela Böhm
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Zeil will mit Seehofer weiterregieren und macht dafür die CSU madig. Zeil kann jetzt ganz schön giftig werden, wenn’s für die FDP um sein oder nicht sein geht.

MÜNCHEN Er will an der Macht bleiben, als Wirtschaftsminister weiterregieren, gemeinsam mit Horst Seehofer. Dafür nimmt Martin Zeil (57) alles in Kauf. Triezen und quälen lassen hat sich der Liberale fünf Jahre lang vom Ministerpräsidenten, der den quengeligen Koalitionspartner los werden will. Wochenlang herrschte eisiges Schweigen zwischen den beiden. Da muss man Masochist sein, um von einer Fortsetzung zu träumen.

Als „unerschütterlichen Koalitionspazifisten“ hat ihn die „Frankfurter Allgemeine“ beschrieben. Der kann jetzt ganz schön giftig werden, wenn’s für die FDP um sein oder nicht sein geht.

„Koalition ist keine Liebes-Heirat“, erklärt Zeil. Die Bayern mögen die schwarz-gelbe Liaison eh nicht. So müssen die Liberalen um ihren Wiedereinzug in den Landtag zittern.

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Wenn sie es schaffen, Seehofer selbst aber die Alleinherrschaft zurückerobert, ist’s mit der Zweisamkeit schnell vorbei. Dann wird der CSU-Chef seinen Noch-Partner auf der Oppositionsbank sitzen lassen.

So rührt Zeil mitten in der schwarzen Wunde. „Absolute Mehrheiten führen zu absoluten Irrtümern.“ Diesen Satz trägt der Mann, der die Langsamkeit entdeckt hat und im Zeitlupentempo spricht, wie eine Monstranz vor sich her.

Noch schärfer als SPD und Grüne prangert er das schwarze Amigo-System an. Einen original Trachtenhut aus grauem Filz hat er sich auf sein weißes Haar gesetzt, sich so fotografieren lassen und darunter geschrieben: „Der Filz gehört nicht in die Politik, sondern auf den Kopf.“ Im Wahlkampf verteilte der Spitzenkandidat 5000 Filz-Schlüsselanhänger mit der Botschaft „Filz gehört nicht in die Politik“.

Zu seinen besonders boshaften Standardsätzen zählt: „Wenn man die raffinierten Varianten der Familienbeschäftigung betrachtet, gewinnt der Begriff ,Betreuungsgeld’ ja eine ganz neue Bedeutung.“ Auf diese Formulierung ist Zeil besonders stolz. „Damit punkte ich überall“, sagt er.

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Er zielt auf die Wähler, die die CSU zwar noch mögen, aber eine absolute Mehrheit verhindern wollen. Ihm und der FDP sollen sie das Mandat geben, damit er aufpasst auf Horst Seehofer und ihm auf die Finger klopft. „Die einzige Partei, die eine absolute Mehrheit verhindern kann, ist nur die FDP“, erklärt Zeil. Dafür bemüht er auch die Farblehre: „Was wär’ Bayern ohne Gelb? Ziemlich schwarz!“

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