Löw und Merkel haben das gleiche Problem: Das letztes Aufgebot

Der Kanzlerin geht es wie Jogi Löw: Der eine fällt aus, der nächste kann’s nicht. Nach Roland Kochs überraschendem Abgang rächt sich, dass sie nie starke Rivalen an ihrer Seite wollte.
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Bundeskanzlerin Angela Merkel
dpa Bundeskanzlerin Angela Merkel

Der Kanzlerin geht es wie Jogi Löw: Der eine fällt aus, der nächste kann’s nicht. Nach Roland Kochs überraschendem Abgang rächt sich, dass sie nie starke Rivalen an ihrer Seite wollte.

BERLIN Dass er einmal eine so große Lücke reißen würde, hat Roland Koch womöglich selbst nicht geahnt: Am Tag eins nach dem überraschenden Rückzug des Hessen-Ministerpräsidenten war der Katzenjammer in der CDU groß. Bundeskanzlerin Angela Merkel ohnehin recht durchwachsenes Personaltableau droht jetzt völlig zu zerfleddern. Die AZ zeigt, mit wem Bundeskanzlerin Angela Merkel noch rechnen kann und mit wem nicht.

Die Getreuen

Es gibt sie noch, die treuen Weggefährten. Doch in- und außerhalb der Union gibt es große Einigkeit: Mit dem engen Kreis um Bundeskanzlerin Angela Merkel ist nicht viel Staat zu machen. Die Personalpolitik der Kanzlerin folgt dem Prinzip, dass niemand mehr strahlen darf als sie selbst. Und dass ihr niemand gefährlich werden darf. Das zeigt sich zum Beispiel am Fraktionschef. Volker Kauder hält den Laden im Bundestag einigermaßen zusammen. Aber von Brillianz hat dort bislang niemand etwas bemerkt.

Das gilt auch für die weiteren Mitstreiter: Annette Schavan agiert als Bildungsministerin unauffällig, ist aber als Parteivize eine der engsten Beraterinnen der Kanzlerin – so wie Kanzleramtsminister Ronald Pofalla. In dessen Nachfolge als Generalsekretär müht sich Hermann Gröhe ab. Fazit: Sturm und Drang verkörpert hier keiner.

Die Rivalen

Hier gibt es schon andere Kaliber: Jeder dieser Fünf wäre selbst gerne Bundeskanzler geworden. Doch alle haben sich erfolglos an der Kanzlerin abgearbeitet. Zuletzt warf Roland Koch das Handtuch. Er gibt jetzt den fröhlichen Aussteiger – doch jeder weiß, wie gerne der Hesse im Kanzleramt angekommen wäre. Chancen darauf hat allenfalls noch Christian Wulff. Er steht als Regierungschef von Niedersachsen in immerwährender Wartestellung und profilierte sich jüngst mit der ersten türkischstämmigen Ministerin in Deutschland.

Der einzige, der es momentan im Berliner Kabinett an Format mit der Kanzlerin aufnehmen kann, ist ihr langjähriger Rivale Wolfgang Schäuble. Merkel band ihn geschickt als Finanzminister ein – doch zuletzt machte Schäuble vor allem durch seine Krankheit Schlagzeilen. Sollte er auch noch ausfallen, wäre die Union in Berlin praktisch ohne Charakterkopf. Jürgen Rüttgers musste jedenfalls bei der NRW-Wahl so viele Federn lassen, dass er sich größere bundespolitische Ambitionen wohl auf Dauer abschminken muss. Und Friedrich Merz, noch immer einer der hellsten Köpfe in der Union, machte schon vor Jahren entnervt den Koch: Er floh vor Merkel in die Wirtschaft.

Die Reserve

Nun sollen es zwei noch junge Landesfürsten richten: Stanislaw Tillich aus Sachsen übernimmt Kochs Amt als Parteivize. Und Stefan Mappus aus Baden-Württemberg soll in Kochs Rolle als konservativer Lautsprecher und Wirtschaftsexperte rutschen. Doch die ist ihm noch ein paar Nummern zu groß. Frank Müller

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