Kürzerer Zivildienst bereitet Sozialverbänden Sorgen

Sozialverbände sind auf Zivildienstleistende angewiesen - doch wenn deren Dienst im Herbst auf sechs Monate verkürzt wird, bekommen die sozialen Träger Probleme: Die Ausbildung der Zivis lohnt sich dann kaum noch. Sie warnen vor einer Ausstiegswelle und fordern von der Politik eine zügige Lösung.
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BERLIN - Sozialverbände sind auf Zivildienstleistende angewiesen - doch wenn deren Dienst im Herbst auf sechs Monate verkürzt wird, bekommen die sozialen Träger Probleme: Die Ausbildung der Zivis lohnt sich dann kaum noch. Sie warnen vor einer Ausstiegswelle und fordern von der Politik eine zügige Lösung.

Die geplante Verkürzung des Wehrdiensts hat bei Fachleuten erhebliche Sorge um die Zukunft des Zivildiensts ausgelöst, der ab Herbst auch nur noch sechs Monate dauern soll. Der Paritätische Wohlfahrtsverband mahnte am Donnerstag eine rasche Regelung zur freiwilligen Verlängerung an. Andernfalls sei ein Rückzug von größeren Teilen der Mitgliedsverbände aus dem Zivildienst zu befürchten, sagte Hauptgeschäftsführer Ulrich Schneider der “Mitteldeutschen Zeitung”.

Der Deutsche Städte- und Gemeindebund forderte, die Einführung eines sozialen Pflichtjahrs zu prüfen. Die jetzt geplante Verkürzung des Wehrdienstes auf sechs Monate bringe verheerende Folgen für den Zivildienst und damit für die sozialen Dienste am Menschen mit sich, warnte der Hauptgeschäftsführer des Städtebunds, Gerd Landsberg, in Berlin. In nur sechs Monaten könnten die Zivildienstleistenden nicht mehr ausreichend qualifiziert werden.

Ob als Fahrer eines Krankenwagens, Rettungshelfer, Betreuer von Schwerstbehinderten - die Ausbildung dauere in der Regel mehrere Monate, so dass sich diese Ausbildung bei nur halbjähriger Dienstzeit nicht mehr lohne. Damit bestehe die Gefahr, dass die Kommunen - wie auch die Wohlfahrtsverbände - keine Zivildienststellen mehr zur Verfügung stellten.

Schneider vom Paritätischen Wohlfahrtsverband sagte, die Bundesregierung müsse jetzt ganz schnell mit den Trägern des Zivildienstes Kontakt aufnehmen und Vorschläge unterbreiten, wie Zivis nach der auf sechs Monate verkürzten Dienstzeit freiwillig verlängern könnten. “Nur mit solchen Optionen werden die Träger den Zivildienst weiter gewährleisten können. Sollte das in der verbleibenden Zeit nicht zu schaffen sein, gehe ich davon aus, dass viele unserer Träger aus dem Zivildienst ausscheiden werden”, warnte er.

Der Abteilungsleiter für Soziale Arbeit beim Paritätischen Gesamtverband, Thomas Niermann, sagte dem “Hamburger Abendblatt”, einige Einrichtungen hätten bereits angekündigt, sich ganz aus dem Zivildienst zurückzuziehen. Landsberg vom Städte- und Gemeindebund nannte es allerdings illusorisch zu glauben, man könne auf freiwilliger Basis 76.000 Zivildienstleistende für eine längere zusätzliche Dienstzeit gewinnen, erklärte Landsberg. Daher plädierte er dafür, die Einführung eines sozialen Pflichtjahrs zu prüfen, um den Zivildienst vom Wehrdienst zu entkoppeln.

In der Koalition sei man sich nicht einig über eine Anschlusslösung für den Zivildienst, erklärte der dem Bundesfamilienministerium zugeordnete Bundesbeauftragte für den Zivildienst, Jens Kreuter. Familienministerin Kristina Schröder (CDU) hatte Sympathien für den Wunsch der Sozialverbände erkennen lassen, einen anschließenden freiwilligen Dienst finanziell vom Bund fördern zu lassen. Die FDP hat jedoch Einspruch erhoben. Kreuter erklärte: “Ohne Zustimmung der FDP wird es nicht dazu kommen.” (apn/nz)

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