Kommt die Corona-Testpflicht für Reiserückkehrer?

Wer aus dem Ausland nach Deutschland zurückkehrt, kann sich kostenlos auf das Coronavirus testen lassen, muss das aber nicht. Diese Regelung stößt auf Kritik. Ob die Tests freiwillig bleiben, wird sich zeigen.
| dpa
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Reisende stehen am Corona-Testzentrum am Flughafen Köln/Bonn an.
Marius Becker/dpa/dpa 3 Reisende stehen am Corona-Testzentrum am Flughafen Köln/Bonn an.
Gesundheitsminister Jens Spahn will eine Testpflicht für Rückkehrer aus Risikogebieten anordnen.
Tobias Schwarz/AFP Pool/dpa/dpa 3 Gesundheitsminister Jens Spahn will eine Testpflicht für Rückkehrer aus Risikogebieten anordnen.
Bayerns Ministerpräsident Markus Söder ist für eine Testpflicht und eine Neubewertung, welche Länder Risikogebiet sein sollen.
Sven Hoppe/dpa/dpa 3 Bayerns Ministerpräsident Markus Söder ist für eine Testpflicht und eine Neubewertung, welche Länder Risikogebiet sein sollen.

Berlin - Die neuen Regelungen zu Corona-Tests für Menschen, die aus dem Ausland nach Deutschland zurückkehren, sind hoch umstritten.

Freiwillige Tests seien zu lasch, sagen die Einen, und fordern eine Pflicht. Ein Zwang sei ein zu starker Eingriff in die Intimsphäre sagen die Anderen, und warnen vor einer Verschärfung.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und die Ressortchefs der Bundesländer hatten am Freitag beschlossen, dass sich alle Reisenden aus Risikogebieten nach ihrer Rückkehr in Deutschland künftig kostenlos auf das Virus testen lassen können - aber nicht müssen. Spahn sagte am Samstag, er lasse aber prüfen, ob es rechtlich möglich sei, verpflichtende Tests einzuführen.

Das stieß auf ein breites Echo. CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt lobte den Vorstoß: "Gerade wenn man aus Risikogebieten kommt, dann sollte es einen verpflichtenden Test geben", sagte Dobrindt am Sonntagabend im Bild-Talk "Die richtigen Fragen". Und: "Wenn es rechtlich nicht geht, dann muss man das entsprechende Recht schaffen, dass es geht."

Er sprach sich zudem dafür aus, eine dritte Unterscheidung zu finden neben Risikogebieten und Nicht-Risikogebieten. "Es gibt auch Regionen mit regionalen Ausprägungen", sagte Dobrindt. Diese sollten als "Gefahrenregionen" definiert werden, für die ebenfalls entsprechende Maßnahmen ergriffen werden sollten.

Auch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) empfahl am Montag, die Risikogebiete noch einmal neu regional überprüft werden - auch in Europa. Er bekräftigte seine Forderung nach verpflichtenden Corona-Tests für Urlaubsrückkehrer aus Risikogebieten. Der Bund müsse dafür den rechtlichen Rahmen schaffen. Bayern bereite alles vor, um dann umgehend starten zu können, sagte er. Das Bundesland richtet an mehreren Autobahn-Grenzübergängen zu Österreich freiwillige Teststationen ein - ebenso an den Hauptbahnhöfen in München und Nürnberg.

Einen Schritt weiter ging der FDP-Vorsitzende Christian Lindner. Er verlangte am Sonntag im Sommerinterview der ZDF-Sendung "Berlin direkt" nicht nur eine Testpflicht für Rückkehrer aus Risikogebieten, sondern auch, dass sie die Kosten dafür selbst tragen sollten. "Wer sich in ein Risikogebiet freiwillig begibt als Tourist, der wird damit in Kauf nehmen müssen, dass er für diesen Test auch bezahlt." Dies sei für ihn "eine Frage der Eigenverantwortung".

Die Vorsitzende der Gesundheitsministerkonferenz, Dilek Kalayci, verteidigte den Beschluss der Gesundheitsminister. Die Reisenden seien "ja erst mal nur ein Verdachtsfall", sagte die Berliner Gesundheitssenatorin am Montag im ZDF Morgenmagazin. Deshalb gebe es rechtliche Bedenken, ob verpflichtende Tests möglich seien. "Einen Test vorzunehmen ist schon ein starker Eingriff in die Intimsphäre beziehungsweise in die körperliche Unversehrtheit", sagte die SPD-Politikerin.

Im ARD Mittagsmagazin erklärte Kalayci, sie hoffe auf eine zügige Prüfung der Rechtslage. "Und wenn es rechtlich dann geht, dann sollte man das dann auch verpflichtend machen", kündigte sie an. Warum Auslandsrückkehrer sich kostenlos testen lassen dürften, die meisten symptomfreien Menschen, die nicht im Ausland waren, hingegen selbst zahlen müssten, erklärte Kalayci mit den international hohen Infektionszahlen.

© dpa-infocom, dpa:200727-99-937074/9

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