Köhlers Abi-Rede

Der Bundespräsident spricht im Schloss Bellevue über Arbeit, Bildung und Integration. Köhler müsse zeigen, ob er oder seine Gegenkandidatin Gesine Schwan „der bessere Mahner und Mutmacher an der Spitze des Landes“ sei. Die 70-minütige Köhler-Rede im AZ-Check.
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Der Bundespräsident spricht im Schloss Bellevue über Arbeit, Bildung und Integration. Köhler müsse zeigen, ob er oder seine Gegenkandidatin Gesine Schwan „der bessere Mahner und Mutmacher an der Spitze des Landes“ sei. Die 70-minütige Köhler-Rede im AZ-Check.

BERLIN Es war ein Schaulaufen in eigener Sache: Vier Wochen nach Bekanntgabe seiner Kandidatur für eine zweite Amtszeit hielt Bundespräsident Horst Köhler im Schloss Bellevue eine „Berliner Rede“ über „Fragen der weiteren Modernisierung Deutschlands“. Polit-Auguren hatten zuvor von „der wohl wichtigsten Rede seiner Amtszeit“ gesprochen. Köhler müsse zeigen, ob er oder seine Gegenkandidatin Gesine Schwan „der bessere Mahner und Mutmacher an der Spitze des Landes“ sei. Die 70-minütige Köhler-Rede im AZ-Check.

DAS AMBIENTE

Preußisch-nüchterne Atmosphäre. Köhler spricht vor einer blauen, fernsehtauglichen Wand, neben dem Rednerpult steht eine Deutschland-Fahne. Handverlesenes Publikum: Funktionsträger aus Politik und Gesellschaft im dunklen Tuch, die feierlich blicken und mit Applaus geizen. In der ersten Reihe: die Minister Jung, Schavan und Glos, FDP-Chef Westerwelle mit Musterschüler-Mimik, Berlins Wowereit mit gefalteten Händen.

DAS OUTFIT

Staatstragend und elegant. Schwarzer Anzug, schicke rot-rosa-blau gestreifte Krawatte.

DIE BOTSCHAFT

Arbeit, Bildung und Integration sind die wichtigsten Ziele für Deutschland. Köhler lobt Riester-Rente, Rente mit 67 sowie Agenda 2010 und ruft dazu auf, auf diesem Reformweg beherzt voranzugehen. Fordert eine „Agenda 2020“, zu der „Vitalisierung unserer Demokratie, der sozialen Marktwirtschaft und der Bürgergesellschaft“ zählten. Spricht sich für Steuer- und Abgabensenkungen aus, lobt aber auch den Abbau der Staatsverschuldung – redet also CDU, CSU und SPD zugleich nach dem Mund.

DIE NEUEN IDEEN

Konkretes gab’s nur beim Wahlrecht: Die Wähler sollten mehr Einfluss darauf haben, welche Kandidaten auf den Partei-Wahllisten ein Mandat bekommen. Köhlers Rezept gegen den „Dauerwahlkampf“: Verlängerung der Bundestags-Wahlperiode auf fünf Jahre und Zusammenlegung von Landtags- und Kommunalwahlen. Für Ehrenamtliche wünscht sich Köhler „mehr Jubel und Anerkennung“: etwa durch „einen Blumenstrauß in der Gemeinderatssitzung“.

DIE RHETORIK

Trägt stocknüchtern vor wie ein protestantischer Prediger. Nur selten blitzt schelmisches Lächeln auf. Hält sich streng ans Redemanuskript. Der Kopf schwenkt von rechts nach links und zurück, wo die zwei Teleprompter stehen. Drechselt Bandwurmsätze wie: „Es geht darum, die Integrationskraft unserer Demokratie zu stärken durch mehr demokratische Transparenz und mehr demokratische Handlungsfähigkeit.“ Verhaspelt sich ausgerechnet bei der Schlusspointe.

DAS TEMPERAMENT

Gegenüber der RivalinSchwan, die sich gerne in einen professoralen Rausch redet und herzlich lacht (Spottname: „Red Bull“) wirkt Köhler ernst und verkniffen.

DER HUMOR

Gering ausgeprägt. Köhler startet seine Rede mit einem bezeichnend müden Gag: Die „Zeit der Abi-Feten“ habe gerade begonnen. Beim Wort Abi solle man künftig stets auch an die Ziele „Arbeit, Bildung, Integration“ denken.

DER RUCK-FAKTOR

Niedrig. Die Rede wirkte überfrachtet, ohne klare Prioritäten. Zu viele alte Versatzstücke, wenig neue Impulse.

jox

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