Koalition einig: Verschärfte Regelung für Krankschreibungen geplant

Der Krankenstand in vielen Firmen lag zuletzt auf einem relativ hohen Niveau. Die Koalition will jetzt mit zwei Änderungen für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer gegensteuern. Von Steuererleichterung über Mini-Job bis Reichensteuer – was die Koalition sonst noch geplant hat.
AZ/dpa |
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Die Koalition sei handlungsfähig und in der Lage das Land aus der Krise zu führen - auch diese Botschaft wollten die Spitzen von Union und SPD bei ihrer Pressekonferenz setzen.
Die Koalition sei handlungsfähig und in der Lage das Land aus der Krise zu führen - auch diese Botschaft wollten die Spitzen von Union und SPD bei ihrer Pressekonferenz setzen. © Michael Kappeler/dpa

Mit einem 34 Punkte umfassenden Reformpaket zu Steuern, Arbeit und Entbürokratisierung wollen Union und SPD Deutschland aus der Wirtschaftskrise führen. Ab 2027 sollen kleine und mittlere Einkommen steuerlich entlastet werden. Die von den Spitzen von Union und SPD vereinbarten Entlastungen umfassen ein Volumen von rund zehn Milliarden Euro und sollen ab 2028 ihre volle Wirkung entfalten. 

Konkret verständigte sich der Koalitionsausschuss um Kanzler Friedrich Merz (CDU) auf eine Anhebung des Grundfreibetrags und des Kinderfreibetrags, die Erhöhung des Arbeitnehmerpauschbetrags sowie des Kindergeldes. Zudem soll der Steuersatz weniger steil steigen, Mini-Jobs werden aber pauschal höher besteuert.

"Wir sorgen für die Entlastung der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer und der Unternehmen, indem wir die Steuern senken und die Bürokratie zurückbauen. Wir haben jetzt das erste Reformjahr hinter uns. Von Beginn an haben wir uns eine Agenda gesetzt, die nur einem Ziel dient: Wir wollen Deutschland wieder flott kriegen. Jetzt ist klar, dass das möglich ist", sagte Merz. Die Koalition habe sich als Regierung der Erneuerung auf den Weg gemacht.

Merz: Politische Mitte hat Kraft, das Land zu gestalten

Merz lobte ausdrücklich die vereinbarten Steuerentlastungen für geringe und mittlere Einkommen. Mit den Reformen zeige die "die politische Mitte, hier und heute", dass sie die Kraft habe, das Land zu gestalten und zu modernisieren. 

Konkret vereinbarten Union und SPD ein 34 Maßnahmen umfassendes Paket. Das sieht auch die Kompensation von Steuerausfällen bei Ländern und Kommunen vor. Die Steuersenkungen sollen über eine Veränderung bei der "Reichensteuer" gegenfinanziert werden. Gemeint sind damit nicht Menschen mit großem Vermögen, sondern mit hohen Einkommen.

Auch für den Arbeitsmarkt vereinbarten die Koalitionäre einige Neuerungen: Ziel sei es, den Beitrag zur Arbeitslosenversicherung stabil zu halten. Änderungen an der geltenden Arbeitszeitregelung gab es aber zunächst zwar keine, dafür sollen aber tarifvertraglich vereinbarte Sonn- und Feiertagszuschläge bis zu einem Stundenlohn von 75 Euro steuerfrei gestellt werden.

SPD: Veränderungen gelingen, wenn sie gerecht sind

SPD-Chef Lars Klingbeil betonte, Veränderungen würden gelingen, wenn sie gerecht seien. Daher wurden bei den Entlastungen vor allem Familien mit Kindern in den Fokus genommen. Die Co-Vorsitzende Bärbel Bas zeigte sich auch sehr zufrieden. "Wir werden das Thema Sozialleistungsmissbrauch jetzt konzentriert angehen. Denn wer das System missbraucht, der muss eben auch mit Folgen rechnen", betonte die Bundesarbeitsministerin.

Keine telefonische Krankschreibung mehr

Die in der Corona-Krise vielfach gelobte telefonische Krankschreibung soll dagegen wieder abgeschafft werden. "Wir führen eine verpflichtende Vorlage der AU-Bescheinigung ab dem ersten Tag der Erkrankung sowie im Rahmen der Umsetzung des Primärarztgesetzes eine "Termingarantie Fachärzte" ein", hieß es im Papier. Das bedeutet, dass man als Arbeitnehmer künftig bereits am ersten Tag einer Krankheit zum Arzt gehen muss. Ausnahmen sollen auf Betriebsebene möglich sein, betonte Merz.

Regeln für Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen sollen verschärft werden. (Archivbild)
Regeln für Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen sollen verschärft werden. (Archivbild) © Sina Schuldt/dpa

Söder: Kein "Big-Bang", aber wichtiger Schritt aus der Krise

"Es geht voran", sagte CSU-Chef Markus Söder. Es sei nicht der "Big Bang" alleine, aber ein weiterer Schritt aus der Krise. Die Koalition sei handlungsfähig, man mauere sich nicht in eigenen Positionen ein, sondern finde gemeinsame Wege. Die Reformen seien auch eine Gerechtigkeitsfrage. 

Auch beim Bürokratieabbau will die Koalition vorankommen. Diverse Berichts- und Dokumentationspflichten sollen wegfallen, der Datenschutz soll auf europäisches Mindestmaß reduziert werden. Auch bei der Steuererklärung soll es weniger Bürokratie geben.

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9 Kommentare
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  • Der wahre tscharlie am 03.07.2026 19:30 Uhr / Bewertung:

    Wie nannte Merz das Reformpackerl nochmal, "einen großen Sprung".
    Erinnert mich irgendwie an meine Kindheit und das "Himmel und Hölle" Hüpfspiel, wo man auch große Sprünge machen kann, aber aufpassen muß, dass man nicht in die "Hölle" fällt.
    Denn die Superreichen sind wieder einmal ausgenommen.Vermögenssteuer, Erbschaftsteuer, alles ausgenommen. Versteh ich auch. Sonst müßte die CDU/CSU in der "Hölle der Superreichen schmoren".

    Und was diese Krankschreibungen betrifft, unabhängig von den jetzt schon vollen Praxen und der Bürokratie, erinnert mich das an eine etwas ältere Aussage, "die Deutschen wären zu faul" die sollen mehr arbeiten, und mit Krankschreibungen ist jetzt auch Schluß und Linnemann sagte schon, die Rentner sollen wieder arbeiten.

    Mit dieser Regierung wird das nichts.....aber es wird nichts besseres nachkommen. Im Gegenteil.

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  • Motzi am 03.07.2026 14:27 Uhr / Bewertung:

    Unabhängig davon, dass in den Wartezimmern der Hausarztpraxen nun Leute auftauchen, die mit bsp. Magen-Darm-Virus besser daheim aufgehoben wären, um nicht andere anzustecken, ist das eigentlich Traurige daran das Menschenbild, das die Regierung von uns hat: Wir arbeiten zu wenig, wir sind faul und sind zuviel krank. All diese arbeitscheuen faulen und kranken Menschen halten aber das Land am Laufen. Sie zahlen brav Steuern, mucken nicht auf, wenn die Regierung ihnen die nächsten Belastungen auferlegt. Aber ganz leise ist die Mehrheit dann doch nicht. Die Macht geht vom Volk aus. So steht es im Grundgesetz. Und was macht ein großer Teil dieser Menschen, denen diese Unverschämtheiten unterstellt werden? Sie wenden sich von den alt eingesessenen Parteien ab und wählen AFD. Letztere ist aber nicht das Problem, sondern die Politik,die seit langer Zeit die Bedürfnisse der Menschen nicht mehr ernst nimmt,die Politikverdrossenheit immer weiter verstärkt und der AFD in die Hände spielt..

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  • Himbeergselchts am 02.07.2026 17:29 Uhr / Bewertung:

    So viele empören sich über die gestrichenen telefonischen Krankschreibungen. Pillepalle.
    Was ist mit Arbeitsverträgen die 6 x befristet werden können? Soll das zu mehr Fachkräften führen ? In der Pflege und ist das für junge Menschen ein Anreiz Kinder zu bekommen?
    Beamte und Abgeordnete zahlen lediglich Steuern. Und die gehören jetzt zu entlasteten Bürgern. Höhere Sozialabgaben, Renten- und Kassenbeiträge werden den Kassenpatienten, Angestellten und Rentnern aufs Auge gedrückt - Beamte zahlen davon nichts. Die beziehen Beihilfen für PKV und Pflege.
    Ein paar Euro mehr Kindergeld soll über marode Schulen und das erbärmliche Bildungssystem hinweg täuschen.
    Und Sozialarbeiter sollen steigende Jugendkriminalität und soziale Unruhen richten.
    Steckt Euch den Mist sonstwohin, den er der Bevölkerung vorsetzt. Glaubt Ihr wir sind alle völlig bekloppt.
    Bei Durchschnittsrenten von 48% und Pensionsansprüchen von 71% des letzten Gehalts nach 40 Dienstjahren sind eindeutig die Renten zu hoch?

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