Juden in Deutschland bangen um ihre Sicherheit

Der Todesschütze von Kopenhagen hat Islamkritiker und Juden angegriffen. In Deutschland wächst die Furcht vor Nachahmungstätern. Sind jüdische Einrichtungen ausreichend geschützt?
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Nach dem Terroranschlag in Kopenhagen fürchten sich auch Juden in Deutschland vor Nachahmern.
dpa/az Nach dem Terroranschlag in Kopenhagen fürchten sich auch Juden in Deutschland vor Nachahmern.

Schon jetzt werden Synagogen und andere jüdische Einrichtungen in Deutschland von der Polizei geschützt. Nach den antisemitischen Angriffen in Paris und jetzt in Kopenhagen wächst die Furcht vor Nachahmungstätern. Sind jüdische Einrichtungen ausreichend geschützt?

Berlin/Braunschweig - Nach den Anschlägen in Kopenhagen fürchten auch die Juden in Deutschland um ihre Sicherheit. Der Zentralrat der Juden rief die Behörden zu Wachsamkeit auf und verlangte, den Schutz jüdischer Einrichtungen zu überprüfen. Kanzlerin Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) versicherte, dass sie gut beschützt werden. "Wir sind froh und auch dankbar, dass es wieder jüdisches Leben in Deutschland gibt", sagte sie am Montag in Berlin.

Nach der Terrordrohung radikaler Islamisten gegen den Karnevalsumzug in Braunschweig, der deswegen am Sonntag abgesagt wurde, fehlte der Polizei dort zunächst eine heiße Spur. Festnahmen oder Durchsuchungen gab es nicht. Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) rechtfertigte die Absage des größten Karnevalsumzugs Norddeutschlands namens "Schoduvel". Es habe keine Alternative gegeben, Gesundheit und Leben von Teilnehmern stünden an oberster Stelle.

Innenminister Boris Pistorius (SPD) erinnerte daran, dass es in Braunschweig und Wolfsburg eine Konzentration von Salafisten gibt, die als gefährlich eingestuft werden. Das Landesamt für Verfassungsschutz rechnet den streng gläubigen Salafisten rund 330 Anhänger in Niedersachsen zu.

Lesen Sie hier: Netanjahu ruft Europas Juden zur Auswanderung auf

Trotz der Sicherheitssorgen zogen am Rosenmontag in den Karnevalshochburgen anderswo in Deutschland Hunderttausende Jecken und Narren durch die Straßen. Zum Karneval in Zeiten der Terrorangst sagte der Präsident der Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte (VSAN), Roland Wehrle: "Wir dürfen uns nicht einschüchtern lassen." Die Narren- und die Pressefreiheit seien wichtige Güter.

Der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, sagte zu seiner Forderung nach einem umfassenden Schutz jüdischer Einrichtungen hierzulande: "Unter dieser Voraussetzung ist jüdisches Leben auch in Deutschland weiterhin möglich." Am Sonntag hatte Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu die Juden in Europa nach den Terroranschlägen von Kopenhagen zur Auswanderung in den jüdischen Staat aufgerufen.

Schuster erklärte weiter: "Wer geglaubt hat, dass die Terroranschläge von Paris einmalige Vorfälle waren, sieht sich leider schrecklich getäuscht. Der Terror gegen islamkritische Journalisten und jüdische Einrichtungen ist endgültig mitten in Europa angekommen."

Lesen Sie hier: Terror in Kopenhagen: Polizei erschießt Attentäter an Bahnhof

Die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Charlotte Knobloch, reagierte ablehnend auf Netanjahus Auswanderungsappell. Ein Exodus der europäischen Juden sei keine Lösung, sagte Knobloch. Denn der islamistische Terror bedrohe die europäischen Demokratien als Ganzes. Die antisemitische Gewalt müsse daher in Europa entschlossen mit allen politischen und rechtsstaatlichen Mitteln bekämpft werden.

Der Vorsitzende des Deutschen Journalisten-Verbands, Michael Konken, verurteilte die Tat mehr als fünf Wochen nach dem Attentat auf die Redaktion der französischen Satirezeitschrift "Charlie Hebdo". "Diese Anschläge werden Journalisten und Karikaturisten aber nicht daran hindern, ihrer Arbeit nachzukommen."

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