Hubers Charme-Attacke

In ihrer Angst, die Alleinherrschaft zu verlieren, tut die CSU alles. Erst rüstete sie zum Kreuzzug gegen die Linken. Jetzt kriecht ihr Parteivorsitzender Erwin Huber sogar den Frauen zu Kreuze.
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Nicht nur optisch verändert: Erwin Huber mit dem Keferloher Hut.
dpa Nicht nur optisch verändert: Erwin Huber mit dem Keferloher Hut.

MÜNCHEN - In ihrer Angst, die Alleinherrschaft zu verlieren, tut die CSU alles. Erst rüstete sie zum Kreuzzug gegen die Linken. Jetzt kriecht ihr Parteivorsitzender Erwin Huber sogar den Frauen zu Kreuze.

Ganz formell entschuldigt er sich bei allen berufstätigen Müttern. „Die CSU hat sie zu lange schief angesehen, zu lange ein einseitiges Hausfrauenbild gehabt, sie zu lange als Rabenmütter verurteilt. Das war ein Fehler.“ Jetzt buhlt er um sie und lobt: „Diese Frauen bringen eine heroische Leistung. Sie stehen im Beruf, managen Kinder und Haushalt und versorgen auch noch ihre Männer. Die müssen wir anerkennen.“

Der AZ versicherte er : „Das ist wirklich meine ureigenste Überzeugung und keine Taktik.“ Dabei hat die CSU bisher das weibliche Geschlecht eher links liegen gelassen. Obwohl sie von mehr Frauen als Männern gewählt wird. Bei der Bundestagswahl 2005 stand das Verhältnis 52,4 zu 47,6 Prozent. Für den 28. September könnte das wahlentscheidend sein, wenn ausgerechnet die Damenwelt der CSU die Liebe entziehen würde.

So versucht sich Huber jetzt auch noch als Womanizer, flirtet und säuselt, was das Zeug hält. „Ich begrüße die Damen, dass sie den Abend hier bereichern“, schmuste er sich am Montagabend bei einem Wahlkampfauftitt auf dem Nockherberg an. Sonst seien CSU-Veranstaltungen ja eher ein Männerclub, klagte er. Dann die Anbetung: Die CSU verdanke ihre Erfolge vor allem ihnen. „Das ist der unwiederbringliche Beweis für die Klugheit der Frauen“, sagte Huber. An der könne wohl keiner mehr Zweifel haben. Daran sollten sich die Männer ein Beispiel nehmen.

Eine Generalsekretärin als Zeichen

Außer der CSU selbst. Gabriele Pauli etwa, die die Revolution gegen Edmund Stoiber anführen musste, weil die Männer zu feige waren, wurde danach fallen gelassen. Zwar hat sich Huber als erster CSU-Chef mit Christine Haderthauer eine Generalin zur Seite geholt, um ein Zeichen zu setzen. Doch bei der Vergabe von Ämtern blockt die Partei die Frauen weiter ab. Nur in 17 der 92 bayerischen Stimmkreise hat sie Frauen aufgestellt; die Fraktion besteht nicht mal zu einem Viertel aus Frauen. Im Bundestag beträgt die Quote 20 Prozent, im EU-Parlament 33 Prozent. Und natürlich bekommen auch die Hausfrauen von Huber ihre Handküsse, damit es der CSU nicht so ergeht wie der ÖVP, der Schwesterpartei in Österreich. Die Hausfrauen hatten die ÖVP – mit Erfolg – boykottiert, weil sie sich mehr um die Berufstätigen kümmerte.

Huber flötet: „Wir schätzen sie im gleichen Maße. Auch der Entscheidung, aus dem Beruf heraus zu gehen und sich ganz um die Kinder zu kümmern, gehört unsere ganze Bewunderung.“

Angela Böhm

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