"Hart erkämpfte Arbeitnehmerrechte": Kritik an "Lifestyle-Teilzeit"-Debatte aus der CDU

Kinderbetreuung, Pflege, Weiterbildung – nur noch bei solchen besonderen Gründen sollten Beschäftigte Anspruch auf Teilzeit haben, lautet der Vorschlag. Aber das sehen auch in der Union nicht alle so.
AZ/ dpa |
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Noch nie haben so viele Menschen in Deutschland in Teilzeit gearbeitet wie heute. (Symbolbild)
Noch nie haben so viele Menschen in Deutschland in Teilzeit gearbeitet wie heute. (Symbolbild) © Angelika Warmuth/dpa

Der Wirtschaftsflügel der CDU will den Rechtsanspruch auf Teilzeit einschränken. Es soll ihn nur noch geben, wenn besondere Gründe vorliegen. Dazu zählt die Mittelstands- und Wirtschaftsunion (MIT) die Erziehung von Kindern, die Pflege von Angehörigen und berufsbegleitende Fort- und Weiterbildung.

Das geht aus einem Antrag der MIT an den CDU-Bundesparteitag im Februar hervor, der der Deutschen Presse-Agentur vorliegt und über den zunächst der "Stern" berichtete. Der Antrag trägt den Titel "Kein Rechtsanspruch auf Lifestyle-Teilzeit". Widerspruch kam nicht nur aus der Opposition, sondern auch vom Koalitionspartner SPD und aus der CDU selbst.

Teilzeit kann nur aus wichtigem Grund abgelehnt werden

Der gesetzliche Anspruch auf Teilzeit erlaubt es Arbeitnehmern unter bestimmten Voraussetzungen, ihre Arbeitszeit zu reduzieren. Bei vorübergehender Teilzeit kehren sie anschließend automatisch zur vorherigen Stundenzahl zurück. Arbeitgeber können den Antrag nur aus gewichtigen betrieblichen Gründen ablehnen.

Der MIT-Antrag sieht auch vor, dass Teilzeitkräfte nur noch bei Vorliegen besonderer Gründe Sozialleistungen wie Grundsicherung, Kinderzuschlag und Wohngeld erhalten können. "Die Solidargemeinschaft darf nicht die Work-Life-Balance von Aufstockern finanzieren", hieß es.

Mehr oder weniger Fachkräfte durch Teilzeit?

Die MIT begründet ihren Antrag damit, dass die Teilzeitquote in Deutschland einen Rekord erreicht habe. "Gleichzeitig herrscht in der gesamten Wirtschaft Fachkräftemangel." Der Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, Marcel Fratzscher, warnte in der "Rheinischen Post" jedoch: "Eine Einschränkung des Rechtsanspruchs auf Teilzeit würde vielen Unternehmen und der deutschen Wirtschaft großen Schaden zufügen." Er erwartet, dass die Beschäftigung dann eher zurückgehe und sich der Fachkräftemangel erhöhe. 

Die Teilzeitquote in Deutschland lag 2025 mit rund 40 Prozent auf Rekordniveau. Das führte nach Erkenntnissen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung aber nicht dazu, dass das Arbeitsvolumen insgesamt gesunken ist. Denn Teilzeitbeschäftigte arbeiten demnach heute mehr Stunden als in früheren Jahren, zuletzt im Durchschnitt gut 18 Wochenstunden.

Sozialflügel: Pflege und Kinderbetreuung verbessern

SPD-Fraktionsvize Dagmar Schmidt sprach sich im "Handelsblatt" gegen das "Schleifen hart erkämpfter Arbeitnehmerrechte" aus. Für mehr Wachstum müsse Deutschland stattdessen mehr in Qualifizierung, Forschung und Entwicklung investieren.

Der CDU-Sozialflügel kritisierte, der Wirtschaftsflügel wolle das Pferd von der falschen Seite aufzäumen. "Ich würde mir auch wünschen, dass mehr Menschen in Teilzeit, die sie oft als Teilzeitfalle empfinden, wieder auf Vollzeit wechseln", sagte Dennis Radtke, der Vorsitzende der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft, den Zeitungen der Funke Mediengruppe. "Dafür müssen wir aber die Rahmenbedingungen bei Kinderbetreuung und Pflege verbessern."

Ist "Lifestyle-Teilzeit" real?

Dafür sprach sich auch Grünen-Fraktionschefin Katharina Dröge aus. Sie kritisierte zudem, mit dem Begriff "Lifestyle-Teilzeit" zeichne die CDU ein falsches Bild der Lebensrealität von Frauen und älteren Menschen. Die Vorsitzende der Linkspartei, Ines Schwerdtner, sprach in der "Rheinischen Post" von "der nächsten Attacke auf hart arbeitende Menschen, besonders auf Frauen". Anja Piel, Vorstandsmitglied beim Deutschen Gewerkschaftsbund, warnte: "Dieser Vorschlag führt gleichstellungspolitisch zurück in die Steinzeit und ist auch arbeitsmarktpolitisch völlig am Ziel vorbei."

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  • Dugi vor 57 Minuten / Bewertung:

    Nun, was heißt Rechtsanspruch auf Teilzeit?
    - Der Arbeitgeber darf nicht ablehnen
    - Der Arbeitnehmer kann Teilzeit einklagen
    - Der Sozialstaat bezahlt dem Teilzeitarbeiter Leistungen, wenn das Geld infolgedessen nicht reicht

    Alles drei ist falsch. Von mir aus wenn jemand sich das leisten kann, dann soll er Teilzeit arbeiten. Aber dann sollen das die Gewerkschaften und Betriebsräte zusammen tarifvertraglich mit den Arbeitgebern regeln unter welchen Voraussetzungen das dann möglich ist und wann nicht.

    Ein Rechtsanspruch bedeutet im Zweifel Klagen vor Gericht und damit Bürokratie. Und ein Anspruch auf Sozialleistungen durch selbst gewünschte Arbeitsreduktion auf Teilzeit, sollte auf keinen Fall entstehen. So jemand soll doch dann bitte Vollzeit arbeiten.

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  • JENZZ vor 5 Stunden / Bewertung:

    Welche Zielgruppe will die CDU eigentlich damit erreichen ? Es gibt tausend gute Gründe, warum Menschen Vollzeit oder Teilzeit arbeiten. Diese Gründe sollten auch in der CDU bekannt sein. Es gibt reichlich Mitarbeiter in der privaten Wirtschaft und auch in den Behörden, die sich bewußt für die Teilzeit entscheiden (müssen), um überhaupt am Arbeitsleben (weiter) teilnehmen zu können. Unabhängig davon, wie man ansonsten zu den Parteien mit dem "C" steht: Dies ist eine weitere Debatte, die keiner braucht und auch niemanden weiterbringt. Außer, dass die Ablehnung solcher politischer Richtungen sich vielleicht vergrößert.

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  • FRUSTI13 vor 3 Stunden / Bewertung:
    Antwort auf Kommentar von JENZZ

    Genau! Alle schreien nach Reformen, und wenn dann Reformvorschläge kommen, gibt es immer irgendwelche Gruppen, die gegen diese Reformen sind! Deutschland ist dank SPD und den Gewerkschaften im Schlepptau Reformunfähig bis in den wirtschaftlichen Abgrund!

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