Frau im Spiel: Wer wird oberster bayerischer Medienwächter?

Es schien alles so klar: CSU-Minister Siegfried Schneider wird Medienwächter. Jetzt hat er nicht nur die Opposition, sondern auch die FDP gegen sich. Und eine Kandidatin aus der eigenen Partei.
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Um sie dreht sich der Streit: Gabriele Goderbauer-Marchner.
dapd Um sie dreht sich der Streit: Gabriele Goderbauer-Marchner.

MÜNCHEN - Es schien alles so klar: CSU-Minister Siegfried Schneider wird Medienwächter. Jetzt hat er nicht nur die Opposition, sondern auch die FDP gegen sich. Und eine Kandidatin aus der eigenen Partei.

Sie haben lange und intensiv gesucht. Eine Frau sollte es sein. Eine die richtig was kann. Die einen Grundschullehrer, der es zum mächtigen Staatskanzlei-Minister gebracht hat, in den Schatten stellt. Die mehr Kompetenz hat als der CSU-Mann und noch dazu konservativ ist. Das schier Unmögliche haben FDP, SPD, Grüne und Freie Wähler geschafft Zwei Tage vor Weihnachten landeten sie den Riesencoup, der Horst Seehofer und seine CSU bis aufs Blut ärgert.

Der Weihnachtsfriede ist dahin, von Regierungskrise schon die Rede, von italienischen Verhältnissen mitten in Bayern. Dafür hat die bunte Viererbande mit einer schwarzen CSU-Professorin gesorgt. Die ist als Rebellin in ihrer Partei bekannt. Gabriele Goderbauer-Marchner (50) geht gegen Staatskanzlei-Chef Siegfried Schneider ins Rennen um das Amt des obersten bayerischen Medienwächters. Sie ist eine bundesweit anerkannte Medien-Expertin. Für die CSU hat sie den MedienCampus Bayern aufgebaut. Sie ist in der CSU-Medien- und der CSU-Filmkommission vertreten, sitzt im Vergabeausschuss des FilmFernsehFonds Bayern und in der Jury des Bayerischen Fernsehpreises. Im Landshuter Rathaus führt sie die CSU-Fraktion an, rebellierte gegen Seehofer & Co. wegen der Verlängerung der Atomkraftwerke. Als Speerspitze forderte sie von der Staatsregierung die Abschaltung von Deutschlands ältestem Kernkraftwerk Isar I.

In der CSU ist man geschockt. Hinter vorgehaltener Hand heißt es: „Warum ist uns die nicht selber eingefallen? Gabriele Goderbauer- Marchner ist die Idealbesetzung. Sie ist zehn Mal qualifizierter als Schneider.“ Offen aber darf das keiner sagen. Denn: Würde der CSU-Minister bei der Wahl des Präsidenten der bayerischen Landeszentrale für neue Medien scheitern, wäre er auch politisch erledigt. Als Seehofers rechte Hand in der Regierungszentrale. Und auch als mächtiger Chef der CSU-Oberbayern. Das macht die Sache so heikel.

SPD-Chef Markus Rinderspacher triumphiert: „Das ist eine Traumkandidatin.“ Die Medienexpertin der Grünen, Ulrike Gote, frohlockt: „Da geht es nicht mehr darum, dass bei gleicher Qualifikation Frauen bevorzugt werden. Frau Goderbauer-Marchner ist eindeutig die Bessere.“ Die Abgeordnete der Freien Wähler, Jutta Widmann, fordert Schneider auf: „Herr Minister, bleiben Sie Minister. Nehmen Sie Ihre Kandidatur zurück.“ Sie hatte die CSU-Frau vorgeschlagen. Beide kommen aus Landshut, kennen sich seit ihrer Jugend.

Schwere Geschütze fährt der FDP-Abgeordnete Tobias Thalhammer gegen die CSU auf. Die habe auch die FDP nicht informiert, als sie ihren Staatskanzlei-Minister als Kandidat vorgeschlagen habe. „Da wurde immer argumentiert, das hätte nichts mit der Regierungs-Koalition zu tun. Daran habe ich mich auch gehalten.“ Die gemeinsame Kandidatin sei die „mit Abstand beste, die man für dieses Amt finden kann“. Die Professorin, die derzeit an der Bundeswehr-Uni in München lehrt, sagte gestern zu ihrer Bewerbung ganz keck: „Das ist Demokratie.“ Und: „Ich bin überzeugt, dass die CSU mit mir gut leben könnte.“

Angela Böhm

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