Fall Wulff: Was von den Vorwürfen übrig blieb

Nach nur drei Monaten Prozess soll am Donnerstag das Urteil im Verfahren gegen Ex-Bundespräsident Christian Wulff fallen. Warum viele Prozessbeobachter einen Freispruch erwarten.
| dpa
X
Sie haben den Artikel der Merkliste hinzugefügt.
zur Merkliste
Merken
0  Kommentare Artikel empfehlen

Hannover - Von den Vorwürfen, die Ende 2011 gegen den Ex-Bundespräsidenten Christian Wulff erhoben wurden, ist nicht viel geblieben. Im Prozess am Landgericht Hannover geht es seit November 2013 um die Frage, ob Wulff einen unrechtmäßigen Vorteil annahm, als der Filmfinancier David Groenewold 2008 einen Oktoberfestbesuch des damaligen niedersächsischen Ministerpräsidenten mitfinanzierte.

Insgesamt geht es um rund 720 Euro für Hotel, Essen und eine Babysitterin. Konkrete Beweise für oder gegen die vorgeworfene Vorteilsannahme hat der Prozess nach Einschätzung von Wulffs Anwälten bislang nicht ergeben. Auch Richter Frank Rosenow äußerte Zweifel an der Theorie der Staatsanwaltschaft.

Um den Vorwurf der Vorteilsannahme ging es auch zu Beginn der Ermittlungen im Februar 2012. Dabei beschäftigten sich die Staatsanwälte etwa mit der Finanzierung von Hotelaufenthalten von Christian und Bettina Wulff auf Sylt. Die Justiz hatte auch geprüft, ob sie Ermittlungen wegen der Flitterwochen der Wulffs einleitet - das inzwischen getrennt lebende Ehepaar hatte im Ferienhaus eines deutschen Versicherungsmanagers in Italien Urlaub gemacht. Auch dieser Vorwurf wurde fallengelassen – im Oktober 2012.

Die Berliner Staatsanwaltschaft hatte bereits im Juni 2012 ein weiteres Ermittlungsverfahren gegen Wulff eingestellt. Es ging um ein geschenktes „Bobby-Car“, Leasing-Konditionen für einen Audi Q3 und Kleider-Sponsoring für Bettina Wulff. Laut Staatsanwaltschaft gab es keinen Anfangsverdacht für strafbares Verhalten. Es seien zwar Vorteile gewährt worden, die Firmen hätten aber vorrangig das Ziel verfolgt, die Wulffs als Werbeträger zu nutzen.

Lesen Sie hier: TV-Kritik - So war der Sat.1-Film

In der im April 2013 erhobenen Anklage ging es dann nur noch um die Finanzierung des Oktoberfestbesuchs. Bestechlichkeit lautete der Vorwurf der Ankläger, den das Landgericht Hannover zur Eröffnung des Hauptverfahrens wieder in Vorteilsannahme herabstufte.

Christian Wulff wird möglicherweise auch bei einem Freispruch nicht die erhoffte Ruhe finden. Denn nach dem Plädoyer von Oberstaatsanwalt Clemens Eimterbäumer scheint es fast zwingend, dass es zu einer Revision vor dem Bundesgerichtshof kommen wird. Ob Wulff daran bereits bedacht hat, als er in seinem Schlusswort am 13. Prozesstag sagte, „ich hoffe, dass sich die Wogen glätten“?

 

 

Lädt
Anmelden oder registrieren

Zum Login
Zu meinen Themen hinzufügen

Hinzufügen
Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten
Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen
Um "Meine AZ" nutzen zu können, müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen.

Zustimmen
Teilen 0  Kommentare – hier diskutieren Artikel empfehlen
0 Kommentare
Artikel kommentieren