Die wichtigsten Fragen zu Maskenpflicht

Vorbild Österreich: Jetzt verfügen auch die ersten Städte in Deutschland, dass in der Öffentlichkeit ein Nasen-Mund-Schutz getragen werden muss.
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Eine junge Frau mit einem bunten – vermutlich selbstgebastelten – Mundschutz.
Imago Eine junge Frau mit einem bunten – vermutlich selbstgebastelten – Mundschutz.

Deutschland - In Österreich ist sie ab heute beim Einkaufen Pflicht: die Schutzmaske. Und auch im thüringischen Jena sollen die Menschen bald nur noch mit Nasen-Mundschutz auf die Straße dürfen. "In einer Woche soll das Tragen eines Mund-und-Nasen-Schutzes in Jenaer Verkaufsstellen, dem öffentlichen Nahverkehr und Gebäuden mit Publikumsverkehr verpflichtend werden", teilte die Stadt gestern mit.

"Nähen sie sich und anderen Menschen den Mund-Nasen-Schutz"

Ziel des neuen Vermummungsgebots: die Ausbreitung des Coronavirus Sars-CoV-2 zu stoppen. Die Maßnahme sei vom Fachdienst Gesundheit angemahnt worden. Ziel sei es, die Sicherheit des Personals im öffentlichen Leben zu erhöhen. Neben Masken seien auch Tücher oder Schals als Schutz möglich, wenn sie Nase und Mund bedeckten.

Die Stadt hat nach eigenen Angaben eine Grundausstattung an Masken. Damit wolle man Pflegekräfte, Ärzte, Fahrer im öffentlichen Nahverkehr und andere Menschen in systemrelevanter Infrastruktur versorgen. An die Bevölkerung erging die Bitte: "Nähen Sie sich selbst und anderen Menschen den wichtigen Mund-Nasen-Schutz, um die Verbreitung des Virus einzudämmen." Nach Jena kündigte auch der thüringische Landkreis Nordhausen eine entsprechende Verfügung an.

Was sagen Mediziner?

Beim Sprechen, Husten oder Niesen setzen wir Tröpfchen frei. Wenn man etwa ein Stück Tuch vor dem Mund habe, würden die großen Tröpfchen abgefangen, sagt der Chef-Virologe der Berliner Charité, Christian Drosten. "Je näher dran an der Quelle, desto besser. Deswegen muss die Maske an der Quelle sein und nicht am Empfänger", so der Experte im täglichen NDR-Podcast.

Eine von ihm erwähnte aktuelle Stellungnahme von Wissenschaftlern weist darauf hin, dass durch Masken der Übertragung des Coronavirus von denjenigen, die keine oder noch keine Symptome hätten, auf andere vorgebeugt werden könne.

"Man geht nicht mit Symptomen in den Supermarkt, aber man erkennt an, dass man nicht weiß, ob man morgen Symptome kriegt", bringt Drosten es auf den Punkt. Er wertet das Tragen in der Öffentlichkeit als "Geste, Signal, als Höflichkeit."

Das Robert-Koch-Institut (RKI) hält auch selbstgebastelte Mund- und Nasenmasken für hilfreich – ebenfalls vor allem zum Schutz anderer Menschen. Auch ein selbstgebauter Schutz halte Tröpfchen zurück, wenn man huste und niese. "Deswegen ist er für den Schutz von anderen von Relevanz", sagte RKI-Präsident Lothar Wieler gestern.

Deutlich zu unterscheiden sei aber ein einfacher MundNasen-Schutz von den virenabhaltenden Profi-Masken, die im medizinischen Bereich eingesetzt würden. Diese können auch die Träger selbst vor Infektionen schützen.

Werden auch andere Ärzte-Stimmen laut?

Ja. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sieht im Kampf gegen Covid-19 keinen Vorteil darin, allgemein einen Mundschutz zu tragen. Es gebe keinerlei Anzeichen dafür, dass damit etwas gewonnen wäre, sagt der WHO-Nothilfedirektor Michael Ryan. Vielmehr gebe es zusätzliche Risiken, wenn Menschen die Masken falsch abnähmen und sich dabei womöglich infizierten.

Die Chefin der Ärztegewerkschaft Marburger Bund, Susanne Johna, gab zu bedenken: "Das Tragen einer einfachen Maske könnte sogar einen negativen Effekt haben, wenn dadurch die Abstandsregeln nicht mehr eingehalten würden."

Folgt bald ganz Deutschland?

Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sieht derzeit keine Notwendigkeit für eine generelle Maskenpflicht, ebenso wenig wie NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU). Auch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und Vizekanzler Olaf Scholz (SPD) sprachen sich dagegen aus. Man könne aber nichts ausschließen, schränkte Söder ein. Man habe weitreichende Maßnahmen zur Eindämmung des Virus beschlossen, sagte Scholz. Nun müsse man erst einmal dafür Sorge tragen, dass diese Regelungen eingehalten werden und wirken.

Die Masken, die man jetzt brauche, seien für all diejenigen, die etwa im medizinischen und anderen kritischen Bereichen arbeiteten. "Das ist das, was jetzt im Vordergrund unserer Betrachtung steht."

Bei guten Masken herrsche im Moment ein echter Engpass, sagte Söder, er sprach sogar von einem Notstand: "Was wir dringend brauchen, sind mehr Masken, und zwar die hochwertigen Masken für unser gesamtes Personal in den Krankenhäusern und Arztpraxen", sagte er in der ARD. "Wichtig ist, dass wir eine nationale Notfallproduktion endlich bekommen."

Die deutsche Wirtschaft müsse jetzt darauf umstellen. Es brauche einen ausreichenden Vorrat in Krankenhäusern, Arztpraxen und Altersheimen. Olaf Scholz kündigte die Herstellung von Schutzmasken in der Bundesrepublik an. Es gebe eine Reihe von Firmen, die zur Produktion bereit seien. "Das kann jetzt ganz schnell geschehen, und wir sind dabei, das mit großem Nachdruck umzusetzen." Im Gegenzug mache der Bund Finanzzusagen.

Gibt es Kritik an diesen Plänen?

Die Grünen-Bundestagsabgeordnete Franziska Brantner nannte Söders Vorstoß "unrealistisch" und "unsolidarisch". Es brauche Zulieferung aus dem Ausland, um möglichst schnell und viel Schutzausrüstung herzustellen. "Da hilft eine staatliche europäische Koordinierung mehr als nationale Alleingänge." Laut FDP-Bundestagsfraktionsvize Michael Theurer fehlen eine Milliarde Masken.

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