Die SPD denkt, Beck lenkt

Er tritt nicht zurück, will sein Wort in Zusammenhang mit der Hessen-Wahl nicht gebrochen haben, schließt für die Zukunft nichts aus und behauptet, er lenke die SPD: Kurt Becks großer Auftritt in Berlin.
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BERLIN - Er tritt nicht zurück, will sein Wort in Zusammenhang mit der Hessen-Wahl nicht gebrochen haben, schließt für die Zukunft nichts aus und behauptet, er lenke die SPD: Kurt Becks großer Auftritt in Berlin.

Um 12.45 Uhr heute Mittag bläst die Nachrichtenagentur AP die Eil-Meldung in die Republik: „Das SPD-Präsidium hat dem Bundesvorsitzenden Kurt Beck den Rücken gestärkt.“ Es habe in der zweistündigen Sitzung „keine Kritik an Beck“ gegeben. Darüber hinaus bleibe es beim Beschluss der Spitzengremien, dass jeder Landesverband eigenständig über eine Zusammenarbeit mit den Linken entscheiden dürfe.

„Der Vorsitzende hat sich zurückgemeldet, Gott sei Dank“, jubelt NRW-Landeschefin Hannelore Kraft. Beck selbst stellt sich eine knappe Stunde später vor der rappelvollen Bundespressekonferenz den Hauptstadtjournalisten. Recht blass um die Nase, mit stierem Blick und belegter Stimme versucht der Pfälzer alle Zweifel an seiner Führungsstärke beiseite zu wischen.

Beck: "Ich lenke"

„Das einzige, was ich verloren habe in diesen zwei Wochen Krankheit, und das gerne, sind fünf bis sechs Kilo“, versucht Beck zu scherzen. Aber kein Mensch lacht. „Ich bin wieder fit und handlungsfähig“, sagt Beck. Und warnt davor, aus seinen Stimmproblemen auf eine geschwächte Machtposition zu schließen: „Sie können davon ausgehen: Ich lenke.“ Auf die Frage nach den angeblichen Putsch-Plänen seiner Stellvertreter Peer Steinbrück und Frank-Walter Steinmeier bemüht Beck eine „Fabel“: „Ach wissen Sie, wenn die Katze aus dem Haus ist, tanzen die Mäuse manchmal ein bisschen lebendiger, als sie es sonst tun.“ Ein „Zerwürfnis“ aber gebe es nicht. Er habe sieben Tage lang kaum ein Wort rausgebracht, sei „ernsthaft krank“ gewesen: „Da war es halt schwer zu kommunizieren.“

Mit dem vermeintlichen Putsch-Strippenzieher Franz Müntefering habe er bislang noch nicht gesprochen, sagt Beck „Er hat mir aber seine Positionen schriftlich übermittelt. Die sind in meine Überlegungen mit eingeflossen.“ Was seine abrupte Kehrtwende im Verhältnis zur Linken betrifft, bedauert Beck lediglich „einen gewissen Galopp in den Abläufen“. Inhaltlich halte er den Strategiewechsel jedoch für notwendig.

Noch „bis vor zwei bis drei Wochen“ habe er die Hoffnung gehabt, dass die Linke in den westdeutschen Flächenländern den Sprung in die Landtage verpassen würde. Nach den Wahlen in Hessen und Niedersachsen sei ihm klar geworden, dass die SPD die „inhaltliche Auseinandersetzung“ mit der Lafontaine-Partei suchen müsse. Auf einer „Funktionärskonferenz“ Ende Mai werde die SPD über den künftigen Umgang mit „dieser gegnerischen Partei“ diskutieren. „Ich kann nicht erkennen, dass ich mein Wort gebrochen habe“, so Beck trotzig. Auf Bundesebene setzt die SPD laut Beck weiter auf Rot- Grün oder eine Ampel. Falls der Wähler diese Möglichkeit nicht eröffnet, könne er sich „im Interesse des Landes“ auch eine Fortsetzung der großen Koalition vorstellen, so der SPD-Chef. Mit einer Linkspartei jedoch, die unter anderem „von der Überwindung der Nato schwadroniert“, gebe es im Bund „unüberbrückbare Gegensätze in zentralen Politikfeldern“.

In den Ländern werde die SPD dagegen in jedem Einzelfall bewerten, ob es Möglichkeiten des Zusammenwirkens mit der Linken gibt oder nicht. In Wiesbaden jedenfalls, dekretierte Beck, werde sich Andrea Ypsilanti „derzeit nicht zur Wahl stellen“: „Es ist klar, dass die hessische SPD nicht zwei Mal mit dem gleichen Kopf gegen die gleiche Wand rennen wird.“

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